Deutschlands Außenhandel im Wandel: China überholt USA als wichtigster Partner
Die deutschen Exporte sind 2025 erstmals seit zwei Jahren wieder gewachsen, doch die Verschiebungen in der Weltwirtschaft hinterlassen deutliche Spuren in der Außenhandelsbilanz. Die Exportnation Deutschland steht vor großen Herausforderungen durch Trumps Zölle und Chinas expansive Wirtschaftspolitik. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) reist in der kommenden Woche mit zahlreichen Wirtschaftswünschen im Gepäck nach China.
China wird Deutschlands wichtigster Handelspartner
Im vergangenen Jahr hat China die USA als wichtigsten Handelspartner Deutschlands abgelöst. Das Handelsvolumen mit der Volksrepublik summierte sich 2025 auf 251,8 Milliarden Euro, wie das Statistische Bundesamt berechnet hat. Dieser Wechsel an der Spitze geht jedoch mit besorgniserregenden Entwicklungen einher.
Die Importe aus China wuchsen um 8,8 Prozent auf 170,6 Milliarden Euro, während die Exporte dorthin um 9,7 Prozent auf 81,3 Milliarden Euro schrumpften. Das Handelsdefizit mit China stieg dadurch um mehr als 20 Milliarden Euro auf 89,3 Milliarden Euro. Zu den wichtigsten Importgütern aus China zählten Elektronik, Optik und Maschinen.
USA als zweitwichtigster Partner mit schrumpfenden Exporten
Auch der Handel mit den USA, nun Deutschlands zweitwichtigstem Partner, zeigt negative Tendenzen. Die Exporte in die Vereinigten Staaten schrumpften um 9,4 Prozent, wobei besonders die Autoindustrie mit Einbußen von 17,8 Prozent bei Fahrzeugen und Teilen zu kämpfen hat. Dennoch bleiben die USA mit 146,2 Milliarden Euro der größte Absatzmarkt für Produkte „Made in Germany“.
Im Gegenzug profitierten US-Erzeuger vom leichteren Zugang zum EU-Markt und steigerten ihre Ausfuhren nach Deutschland um 2,7 Prozent. Insgesamt belief sich das Handelsvolumen mit den USA auf 240,5 Milliarden Euro, womit sie vor den Niederlanden (209,1 Milliarden Euro) auf Platz zwei der wichtigsten Handelspartner liegen.
Experten warnen vor strukturellen Problemen
Volkswirt Sebastian Dullien von der gewerkschaftlichen Böckler-Stiftung sieht einen besorgniserregenden Trend: „Höhere Handelsschranken für chinesische Lieferungen in die USA bedeuten, dass diese Waren auch nach Europa umgeleitet werden.“ Dies schlage sich in den gestiegenen deutschen Importen aus China nieder und erhöhe den Konkurrenzdruck für deutsche Unternehmen auf allen Märkten.
Dirk Jandura, Präsident des Außenhandelsverbands BDA, warnt deutlich: „Protektionismus dort, strukturelle Schieflage hier – das ist kein komfortables Umfeld für eine Exportnation.“ Die rückläufigen Exporte nach China seien kein konjunktureller Ausrutscher, sondern ein ernstes Warnsignal. Notwendig seien breiter aufgestellte Lieferketten, die Erschließung neuer Märkte und eine Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit.
Wirtschaft erwartet klare Worte von Kanzler Merz
Der Maschinenbauverband VDMA hat Kanzler Merz eine umfangreiche Wunschliste für seine China-Reise mitgegeben. Hauptgeschäftsführer Thilo Brodtmann betont, dass faire Wettbewerbsbedingungen Voraussetzung für jede Zusammenarbeit seien. Konkret fordert der Verband:
- Die dauerhafte Entfernung defizitärer Unternehmen vom Markt
- Eine Reduzierung der Subventionen
- Gleichberechtigte Vergabe öffentlicher Aufträge
- Ein Ende der Exportkontrollen für seltene Erden
- Eine faire Bewertung der chinesischen Währung
Wechselkursentwicklung verschärft die Lage
Die Exportprobleme werden durch die Wechselkursentwicklung zusätzlich verschärft. Der teure Euro macht deutsche Waren auf den Weltmärkten teurer – jüngst übersprang die europäische Währung zeitweise die Marke von 1,20 US-Dollar, erstmals seit 2021. Die unberechenbare Politik von Donald Trump hat das Vertrauen in den Dollar geschwächt, was den Euro aufwertet.
Carsten Klude, Chefvolkswirt bei der Bank M.M.Warburg & CO, warnt: „Ein zu starker Euro in einem fragilen globalen Umfeld ist das Letzte, was die Konjunktur jetzt gebrauchen kann.“ Für die exportorientierte Industrie werde die Luft zunehmend dünner.
EU-Binnenmarkt als Stütze der deutschen Wirtschaft
Trotz der Verluste auf wichtigen Auslandsmärkten verzeichnete der deutsche Außenhandel 2025 insgesamt positive Entwicklungen. Die Exporte stiegen erstmals seit zwei Jahren wieder um 1,0 Prozent auf 1.569,6 Milliarden Euro. Wichtigste Exportgüter waren:
- Autos und Kraftfahrzeuge
- Maschinen und Anlagen
- Chemische Erzeugnisse
Die Importe nach Deutschland wuchsen kräftig um 4,4 Prozent auf 1.366,9 Milliarden Euro, wodurch der Exportüberschuss um mehr als 40 Milliarden Euro auf gut 200 Milliarden Euro schrumpfte.
Eine wichtige Stütze bleibt der europäische Binnenmarkt, wo die Ausfuhren 2025 um 3,4 Prozent zulegten. Sebastian Dullien betont: „Der Anstieg der Ausfuhren 2025 in die EU war bereits eine willkommene Stütze für die deutsche Wirtschaft.“ Die steigenden öffentlichen Investitionen durch das Sondervermögen Infrastruktur und Klimaschutz sowie die Überlegungen der EU-Kommission zur Industriepolitik gehen in die richtige Richtung. Für einen nachhaltigen Aufschwung müsse jedoch auch der private Konsum anziehen.



