Deutsch-chinesischer Handel 2025: Autoindustrie im Zentrum des Handelsungleichgewichts
Der bilaterale Handel zwischen Deutschland und China zeigt im Jahr 2025 eine besorgniserregende Entwicklung. Während chinesische Produkte den deutschen Markt in zunehmendem Maße überschwemmen, verzeichnen die Exporte "Made in Germany" in die Volksrepublik einen deutlichen Einbruch. Besonders betroffen von dieser Entwicklung ist die deutsche Automobilindustrie, doch auch andere Schlüsselbranchen spüren den wachsenden Druck.
Handelsbilanz erreicht Rekorddefizit
Nach aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes wurden im vergangenen Jahr deutsche Waren im Gesamtwert von 81,3 Milliarden Euro nach China exportiert. Dies entspricht einem Rückgang von 9,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Gleichzeitig importierte Deutschland Waren aus chinesischer Produktion im Volumen von 170,6 Milliarden Euro, was einem Zuwachs von 8,8 Prozent entspricht. Die daraus resultierende Handelsbilanz weist ein Rekorddefizit von knapp 90 Milliarden Euro aus.
Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) mit Sitz in Köln analysiert diese Entwicklung als doppelte Belastung für die deutsche Industrie. "Exportseitig geht an China hängende Wertschöpfung verloren", heißt es in der aktuellen Studie. "Importseitig steigt der Konkurrenzdruck durch chinesische Produkte, was nicht nur die Exportfirmen, sondern die gesamte Industrie in ihrer Breite trifft."
Automobilindustrie als Hauptleidtragende
Besonders dramatisch stellt sich die Situation für die deutsche Automobilindustrie dar. Sie ist für mehr als drei Viertel des gesamten deutschen Exportrückgangs im Geschäft mit China verantwortlich. Verglichen mit dem Rekordjahr 2022, als die Ausfuhren von Autos und Autoteilen noch fast 30 Milliarden Euro erreichten, kam es zu einem Rückgang von über 54 Prozent auf nur noch 13,6 Milliarden Euro im Jahr 2025.
Als Gründe für diesen Einbruch nennt das IW neben den hochsubventionierten neuen lokalen Elektroauto-Marken in China auch eine neu eingeführte Luxussteuer auf teure Fahrzeuge, die insbesondere deutsche Premiummarken betrifft. IW-Forscher Jürgen Matthes spricht in diesem Zusammenhang von einem "China-Schock" für die deutsche Industrie.
Maschinenbau unter Druck
Auch der Maschinenbau, der inzwischen als wichtigste Branche beim China-Export gilt, verzeichnet eine bedenkliche Entwicklung. Zwar weist Deutschland gegenüber China in diesem Sektor noch einen Exportüberschuss von etwa 2,8 Milliarden Euro auf, doch dieser positive Saldo hat sich in den vergangenen Jahren stark verringert. Im Jahr 2018 lag er noch auf Rekordniveau von 10,5 Milliarden Euro. Seitdem sind die Importe aus China im Trend deutlich angestiegen, während die Maschinenexporte kontinuierlich zurückgingen.
Weitere betroffene Branchen
Überdurchschnittliche Exportrückgänge im Geschäft mit China verzeichneten im vergangenen Jahr auch:
- Metallerzeugnisse
- Gummi- und Kunststoffwaren
- Pharmaprodukte aus deutscher Herstellung
Wettbewerbsverzerrungen als Ursache
IW-Forscher Matthes sieht die Ursachen für die problematische Entwicklung in strukturellen Ungleichgewichten. "Offensichtlich sind chinesische Waren relativ zu deutschen viel zu billig", analysiert er. "Das liegt auch an massiven Wettbewerbsverzerrungen durch Subventionen und eine unterbewertete Währung, wie selbst der Internationale Währungsfonds kritisiert."
Zu den chinesischen Export-Hits des vergangenen Jahres zählen nach Angaben des Bundesamtes insbesondere Elektronik, Optik und Maschinen. Diese Produktgruppen üben zusätzlichen Druck auf entsprechende deutsche Industriezweige aus und verschärfen die Wettbewerbssituation auf dem Heimatmarkt.
Die Entwicklung im deutsch-chinesischen Handel stellt die deutsche Industrie vor erhebliche Herausforderungen und erfordert strategische Anpassungen, um die Wettbewerbsfähigkeit in einem zunehmend schwierigen globalen Umfeld zu erhalten.



