EU-Parlament legt Handelsabkommen mit den USA auf Eis
Im aktuellen Wirrwarr um die Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump hat sich die Europäische Union für eine vorsichtige Haltung entschieden. Das EU-Parlament hat heute beschlossen, die Ratifizierung des Handelsabkommens mit den Vereinigten Staaten vorerst auszusetzen. Die für Dienstag geplante Abstimmung über die Abschaffung von EU-Zöllen auf US-Industrieprodukte wurde vertagt.
Die Europäische Union verlangt mehr Klarheit von Washington, nachdem Trump am Samstag als Reaktion auf ein Urteil des Supreme Court vorübergehende Sonderzölle in Höhe von 15 Prozent verhängt hatte. Das im Juli 2025 im schottischen Turnberry vereinbarte Abkommen steht nun auf wackligen Füßen. Die US-Zollbehörde hat bereits entsprechende Abgaben angekündigt, jedoch keine Angaben zu möglichen Rückerstattungen bereits gezahlter Zölle gemacht.
Die Unsicherheit hat internationale Auswirkungen: Indien verschob nach Informationen aus dem Handelsministerium einen für diese Woche geplanten Delegationsbesuch in Washington. „Es ist richtig, dass die EU zunächst mehr Klarheit von Washington verlangt“, kommentiert ein Brüsseler Experte. „Die Europäer haben den USA weitreichende Zugeständnisse in Aussicht gestellt, darunter die Abschaffung von Zöllen auf viele Agrar- und Industrieimporte.“
Chaos in Mexiko nach Tod von Drogenboss „El Mencho“
In Mexiko hat der Tod eines mächtigen Drogenbosses eine Welle der Gewalt ausgelöst. Nemesio Rubén Oseguera Cervantes, bekannt unter dem Spitznamen „El Mencho“, ist am Sonntag bei einem Militäreinsatz zu Tode gekommen. Der Anführer des Kartells Jalisco Nueva Generación (CJNG) galt als einer der einflussreichsten Figuren im mexikanischen Drogenmilieu.
Landesweit kam es zu gewalttätigen Ausschreitungen: Tankstellen und Supermärkte stehen in Flammen, über mehreren Städten steigen Rauchsäulen in den Himmel, Busse und Pkw brennen. Der Tod des Drogenbosses könnte die Position von Präsidentin Claudia Sheinbaum stärken, doch wenn die Anschläge weitergehen, könnte auch ihr Rückhalt bröckeln. Experten warnen sogar vor möglichen Auswirkungen auf die geplante Austragung der Fußball-WM in Mexiko.
„El Mencho“ hatte durch seine frühere Tätigkeit als Polizist entscheidende Vorteile beim Aufbau seines kriminellen Netzwerks. Sein Kartell entwickelte sich zu einem der mächtigsten in Mexiko und kontrollierte große Teile des Drogenhandels.
US-Gemeinden protestieren gegen umweltbelastende KI-Rechenzentren
Im Wettlauf um die Vorherrschaft in der künstlichen Intelligenz wehren sich immer mehr US-Gemeinden gegen die Errichtung neuer Rechenzentren. Der Grund: die erhebliche Umweltbelastung durch den immensen Stromverbrauch und die Emissionen der Serverfarmen.
Techfirmen wie xAI, Meta, Google, Microsoft und OpenAI produzieren den Strom für ihre Serverfarmen zunehmend mit gebrauchten Gasturbinen auf Lkw-Anhängern. Diese stoßen Schadstoffe wie Stickoxide, Kohlenmonoxid und Formaldehyd aus. Die Gasturbinen, die Rechenzentren von Elon Musks Firma xAI mit Strom versorgen, gelten als besonders umweltschädlich.
Bis 2030 dürfte der weltweite Stromverbrauch von KI-Servern laut Internationaler Energieagentur auf rund 950 Terawattstunden steigen – fast doppelt so viel, wie Deutschland insgesamt verbraucht. Für die Techkonzerne ist Tempo entscheidend im Wettbewerb um die Dominanz in der künstlichen Intelligenz, doch die lokalen Gemeinden zahlen den Preis mit erhöhter Umweltbelastung.
Weitere wichtige Entwicklungen des Tages
- Ukrainischer Präsident Wolodymyr Selenskyj macht Kremlchef Wladimir Putin für einen angeblichen dritten Weltkrieg verantwortlich und lehnt Gebietsabtretungen für einen Waffenstillstand ab.
- Deutschland behauptet weiterhin Platz drei der weltgrößten Volkswirtschaften, obwohl die Wirtschaft nur schleppend vorankommt und andere Länder aufholen.
- Aktivisten haben im Pariser Louvre ein Bild des ehemaligen Prinzen Andrew mit goldenem Rahmen und sarkastischem Titel ausgestellt.
In kulturellen Nachrichten wird der Sachbuchcomic „Die Frau als Mensch – Schamaninnen“ von Ulli Lust gelobt, der mit zähen Klischees aufräumt und sich dem Überirdischen, dem Glauben und dem Tod widmet. Der Comic ist die Fortsetzung eines mit dem Deutschen Sachbuchpreis ausgezeichneten Werkes und überzeugt durch gründliche Recherche und enthusiastische Erzählweise.



