Zoll-Chaos stoppt Preissenkungen: EU-USA-Handelsdeal muss neu verhandelt werden
Zoll-Chaos stoppt Preissenkungen: EU-USA-Deal neu verhandeln

Zoll-Chaos stoppt erwartete Preissenkungen für Verbraucher

Die Hoffnungen waren groß: Mit einem weiteren Schritt zum Abbau von EU-Zöllen auf zahlreiche Waren aus den USA sollte am Dienstag ein deutliches Signal der Annäherung im transatlantischen Handel gesendet werden. Verbraucher durften auf sinkende Preise hoffen – insbesondere bei Industrie- und Agrarprodukten. Stattdessen herrscht nun tiefe Ernüchterung und Verwirrung.

US-Gerichtsurteil löst Zollwut bei Trump aus

Nach dem wegweisenden Urteil des Obersten US-Gerichts am vergangenen Freitag, das die bisherigen Trump-Zölle kippte, reagierte der US-Präsident mit einer regelrechten Zollwut. Er kündigte pauschal zunächst 10, später sogar 15 Prozent Strafzölle für die gesamte Welt an. Für die Europäische Union bedeutet diese überraschende Wendung: Der im vergangenen Sommer durch EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen ausgehandelte Handelsdeal mit den USA kann nicht wie geplant ratifiziert werden, sondern muss komplett neu verhandelt werden.

Betroffene Produkte und enttäuschte Erwartungen

Das geplante Handelsabkommen sah vor, dass die EU ihre Zölle auf US-Produkte entweder vollständig abschafft oder deutlich absenkt. Dies hätte Importe erheblich verbilligt und potenziell zu spürbaren Preissenkungen für Verbraucher geführt. Von einer kompletten Absenkung der Zölle auf null betroffen gewesen wären unter anderem Nüsse – insbesondere Mandeln mit regulär 3,8 Prozent –, Zitronen mit regulär 12,8 Prozent, Personenkraftwagen mit regulär 10 Prozent sowie diverse chemische Erzeugnisse mit durchschnittlich etwa 5,5 Prozent.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Expertin warnt vor voreiligen Preis-Erwartungen

„Niedrigere Zölle bedeuten nicht automatisch niedrigere Preise“, stellt Stefanie Eich, Zollexpertin bei Germany Trade & Invest, der Außenwirtschaftsagentur des Bundes, im Gespräch klar. Unternehmen seien keineswegs verpflichtet, etwaige Kostenvorteile direkt an die Verbraucher weiterzugeben. „Es besteht durchaus die reale Möglichkeit, dass Importeure die zusätzlichen Spielräume stattdessen für höhere Margen nutzen“, erläutert die Fachfrau detailliert.

Zudem weist Eich darauf hin, dass der politische Entscheidungsprozess auf EU-Ebene ohnehin noch nicht abgeschlossen gewesen sei. Selbst nach der zunächst ausgesetzten Abstimmung am Dienstag wären weitere formale Schritte notwendig geworden, bevor die Null-Zölle tatsächlich in Kraft hätten treten können. „Das Gesetz hätte noch vom Europäischen Parlament und vom Rat der Europäischen Union bestätigt werden müssen. Dieser Prozess hätte wahrscheinlich noch erhebliche Zeit in Anspruch genommen und gegebenenfalls auch zu signifikanten Änderungen an den geplanten Zollregelungen geführt“, so die Expertin.

Ungewisse Zukunft der Handelsbeziehungen

Derzeit ist völlig unklar, welchen konkreten Weg die Verhandlungen zwischen der EU und den USA nun nehmen werden. Jürgen Matthes, renommierter Ökonom am Institut der deutschen Wirtschaft in Köln, skizziert zwei mögliche Entwicklungsszenarien: „Entweder kommt es relativ rasch zu einer neuen Einigung zwischen der EU und Trump, und das im Sommer vergangenen Jahres vereinbarte Handelsabkommen tritt im Wesentlichen wie geplant in Kraft. Oder der gesamte Vertrag wird noch einmal komplett aufgerollt und in wesentlichen Teilen neu verhandelt.“ Dass der gesamte Handelsdeal am Ende vollständig scheitert, hält der IW-Experte allerdings für eher unwahrscheinlich.

Die Verbraucher müssen sich somit weiterhin in Geduld üben. Die erhofften Preissenkungen bei amerikanischen Produkten bleiben vorerst aus, und die Zukunft der transatlantischen Handelsbeziehungen hängt nun von den kommenden Verhandlungen zwischen Brüssel und Washington ab.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration