Hohe Spritpreise bremsen Autofahrer nicht: Verkehrsaufkommen bleibt stabil
Hohe Spritpreise bremsen Autofahrer nicht

Hohe Spritpreise zeigen kaum Wirkung auf Fahrverhalten

Obwohl die Spritpreise in Deutschland auf Rekordniveau geklettert sind, hat sich das Verkehrsaufkommen nicht verringert. Im Gegenteil: Eine aktuelle Auswertung des Verkehrsdatenspezialisten TomTom zeigt, dass die Fahrleistung sogar leicht angestiegen ist. Die Analyse wurde im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur durchgeführt und basiert auf anonymisierten Daten von mehreren Millionen Fahrzeugen.

Kein messbarer Rückgang trotz Preisexplosion

Unsere Daten liefern keinen Hinweis darauf, dass die Fahrleistung in der Hochpreisphase spürbar zurückgegangen ist, erklärt ein Sprecher von TomTom. Stattdessen lag sie in den betrachteten Zeiträumen tendenziell höher. Dies könnte mit der typischen saisonalen Belebung der Mobilität im Frühjahr zusammenhängen. Falls die höheren Spritpreise überhaupt einen kleinen dämpfenden Effekt hatten, ist er in den Daten jedenfalls nicht erkennbar.

Die Untersuchung verglich spezifische Tage mit extrem hohen Spritpreisen – den 5., 9. und 10. März – mit Tagen vor dem massiven Preisanstieg. Dabei zeigte sich ein um einige Prozent höheres Fahraufkommen während der Hochpreisphase. Dies gilt sowohl für den Vergleich der drei Tage zusammen als auch für den Vergleich der jeweils zusammenpassenden Wochentage.

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Parallelen zur Ukraine-Kriegsphase

Die aktuelle Entwicklung erinnert an die Situation kurz nach Beginn des Ukraine-Krieges, als die Spritpreise ebenfalls massiv gestiegen waren. Damals hatte sich auch in den auf der Autobahn gefahrenen Geschwindigkeiten kein relevantes spritsparendes Verhalten erkennen lassen. Offenbar reicht der Preisanstieg nicht aus, um eine echte Veränderung im Mobilitätsverhalten auszulösen.

Die Daten deuten darauf hin, dass viele Autofahrer trotz der finanziellen Belastung weiterhin auf ihr Fahrzeug setzen. Mögliche Gründe könnten sein:

  • Gewohnheitsmäßige Nutzung des Autos für Alltagswege
  • Fehlende praktikable Alternativen in ländlichen Regionen
  • Flexibilitätsvorteile gegenüber öffentlichen Verkehrsmitteln
  • Psychologische Faktoren wie Bequemlichkeit und Zeitersparnis

Deutsche Bahn profitiert im Fernverkehr

Während das Autofahren stabil bleibt, verzeichnet die Deutsche Bahn derzeit vor allem im Fernverkehr eine gestiegene Nachfrage. Der bundeseigene Konzern führt dies direkt auf die gestiegenen Spritpreise zurück. Auch wenn die Nachfrage tagesweise stark schwankt, stellen wir fest, dass die Buchungen in den letzten Tagen deutlich über den bisherigen Prognosen liegen, teilte die Bahn mit. An einzelnen Tagen lagen die Buchungen sogar bis zu 10 Prozent über dem Vorjahresniveau.

Im Regionalverkehr der Deutschen Bahn hingegen sei die Entwicklung schwieriger zu messen. Dies liegt auch daran, dass dort der Wettbewerb mit anderen Verkehrsunternehmen auf der Schiene deutlich größer ist als im Fernverkehr. Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) teilte mit, für eine bundesweite Einschätzung der Nachfrage im Regionalverkehr infolge von Spritpreisen sei es noch zu früh.

Carsharing ohne spürbaren Effekt

Der Berliner Carsharing-Anbieter Miles verzeichnet bislang keine höhere Nachfrage, die sich direkt auf die gestiegenen Benzin- und Dieselpreise zurückführen lässt. Grundsätzlich ist ein solcher Effekt aber denkbar, teilte das Unternehmen auf Anfrage mit. Gerade in Zeiten, in denen der Unterhalt eines eigenen Pkw durch steigende Versicherungs-, Werkstatt- und Energiekosten zunehmend schwer kalkulierbar wird, sehen wir Carsharing als eine wirtschaftlich sinnvolle Alternative für viele Menschen in der Stadt.

Die aktuelle Situation zeigt ein differenziertes Bild der deutschen Mobilität: Während einige Verbraucher auf die Bahn umsteigen, bleibt für viele das Auto trotz hoher Kosten das bevorzugte Verkehrsmittel. Die langfristigen Auswirkungen der Spritpreisentwicklung auf das Mobilitätsverhalten bleiben abzuwarten, doch kurzfristig scheinen Gewohnheiten und praktische Erwägungen stärker zu wiegen als finanzielle Überlegungen.

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