Mehr Raser trotz weniger Verkehr
Berlin verzeichnet einen deutlichen Anstieg von Geschwindigkeitsverstößen, obwohl das Verkehrsaufkommen in der Hauptstadt rückläufig ist. Laut einem exklusiven Bericht der Morgenpost hat die Polizei Berlin im vergangenen Jahr rund 1,2 Millionen Temposünder geblitzt – ein Anstieg von 15 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Einnahmen aus Bußgeldern belaufen sich auf etwa 85 Millionen Euro.
Ungenutztes Potenzial bei stationären Blitzern
Experten kritisieren jedoch, dass Berlin im Vergleich zu anderen deutschen Großstädten wie München oder Hamburg deutlich weniger stationäre Blitzer einsetzt. „Berlin lässt nach unserer Einschätzung jährlich mindestens 20 Millionen Euro an zusätzlichen Einnahmen liegen, weil es zu wenige fest installierte Messgeräte gibt“, erklärt Dr. Klaus Wagner, Verkehrsexperte der Technischen Universität Berlin. „Dabei geht es nicht nur um Einnahmen, sondern vor allem um Verkehrssicherheit.“
Mobile Blitzer im Einsatz
Derzeit verfügt Berlin über 84 mobile Blitzer, die regelmäßig an wechselnden Standorten eingesetzt werden. Die Polizei betont, dass die mobilen Geräte flexibler seien und eine abschreckende Wirkung auf einem größeren Gebiet erzielen könnten. Ein Sprecher der Berliner Polizei sagte: „Unsere Strategie zielt darauf ab, Geschwindigkeitsverstöße dort zu ahnden, wo sie besonders gefährlich sind, etwa in Schulzonen oder an Unfallschwerpunkten.“
Kritik an der Standortwahl
Allerdings wird kritisiert, dass die Standorte der mobilen Blitzer oft vorhersehbar seien. „Viele Fahrer kennen die typischen Messpunkte und passen nur dort ihre Geschwindigkeit an“, so Wagner. „Eine dauerhafte stationäre Überwachung an neuralgischen Punkten wäre effektiver.“ Die Zahl der Verkehrstoten in Berlin ist im vergangenen Jahr leicht gestiegen, was die Forderung nach mehr stationären Blitzern untermauert.
Steigende Einnahmen und sinkende Akzeptanz
Trotz der Kritik an der Strategie steigen die Einnahmen aus Blitzer-Bußgeldern kontinuierlich. Im Jahr 2025 nahm die Stadt rund 85 Millionen Euro ein, 2024 waren es noch 74 Millionen. Die Polizei argumentiert, dass die steigenden Zahlen nicht nur auf mehr Kontrollen zurückzuführen seien, sondern auch auf eine zunehmende Raserei. „Die Zahl der Geschwindigkeitsüberschreitungen nimmt zu, was besorgniserregend ist“, so der Polizeisprecher.
Forderungen nach mehr Investitionen
Verkehrsexperten fordern daher, dass Berlin mehr in moderne Blitzertechnik investiert. „Neben stationären Geräten könnten auch Abschnittskontrollen, sogenannte Section Control, eingesetzt werden, um die Durchschnittsgeschwindigkeit zu überwachen. Das wäre deutlich effektiver als einzelne Messpunkte“, sagt Wagner. Die Berliner Verkehrsverwaltung prüft derzeit den Einsatz solcher Systeme, konkrete Pläne gibt es jedoch noch nicht.
Bis dahin bleibt Berlin auf seine mobilen Blitzer angewiesen – und auf die Einsicht der Autofahrer, das Tempo freiwillig zu drosseln. Die Diskussion um die richtige Strategie zur Verkehrsüberwachung wird wohl noch lange anhalten.



