Der vom chinesischen Geely-Konzern kontrollierte schwedische Elektroautobauer Polestar darf ab dem Modelljahr 2027 keine neuen Fahrzeuge mehr in den USA verkaufen. Das gab das Unternehmen am Freitag bekannt. Grund ist eine Entscheidung des US-Handelsministeriums, Polestar keine Genehmigung nach der sogenannten Connected Vehicle Rule zu erteilen.
Connected Vehicle Rule als Hindernis
Die Regel beschränkt den Import und Verkauf vernetzter Fahrzeuge und Fahrzeugtechnik mit Bezug zu China oder Russland. Die US-Regierung begründet dies mit Risiken für die nationale Sicherheit, etwa beim Zugriff auf Fahrzeugdaten oder vernetzte Systeme. Bereits vorhandene Bestände der Modelle Polestar 3 und Polestar 4 sollen in den USA weiter verkauft werden.
Polestar teilte mit, man habe die Entscheidung des Handelsministeriums zur Kenntnis genommen. Man werde nun die Strategie anpassen und sich stärker auf den europäischen Markt konzentrieren. Dort erzielt das Unternehmen nach eigenen Angaben knapp 80 Prozent seiner Verkäufe. Im ersten Quartal 2026 kamen 94 Prozent der Verkäufe aus Märkten außerhalb der USA.
Strategische Neuausrichtung auf Europa
Polestar-CEO Michael Lohscheller betonte die Bedeutung Europas: „Europa ist und bleibt unser Kernmarkt. Wir werden unsere Präsenz dort weiter ausbauen und die Produktion in den USA gegebenenfalls überdenken.“ Der Hauptsitz des an der US-Börse Nasdaq notierten Unternehmens liegt im schwedischen Göteborg. Die Aktie reagierte am Freitag mit einem Minus von rund fünf Prozent.
Die Entscheidung der USA reiht sich ein in eine härtere Linie Washingtons gegenüber chinesischen Elektroautos und vernetzter Fahrzeugtechnik. Washington will solche Fahrzeuge und Komponenten wegen Sicherheitsbedenken stärker vom eigenen Markt fernhalten. Auch in Europa gibt es seit längerem eine Debatte über den Umgang mit chinesischen Elektroautos. Die EU hat bereits Ausgleichszölle auf batterieelektrische Autos aus China verhängt.
Auswirkungen auf die Branche
Polestar ist nicht der einzige Hersteller, der unter den US-Beschränkungen leidet. Auch andere chinesische oder chinesisch kontrollierte Marken wie BYD oder Nio haben Schwierigkeiten, in den USA Fuß zu fassen. Experten erwarten, dass die Regulierung den Wettbewerb auf dem US-Markt für Elektroautos weiter verschärfen wird. Polestar selbst sieht sich gut aufgestellt: Man habe eine starke Marke in Europa und werde die Modellpalette weiter ausbauen.
Bereits 2025 hatte Polestar angekündigt, die Produktion in den USA zu prüfen. Ein Werk in South Carolina war im Gespräch. Ob diese Pläne nun aufgegeben werden, ließ das Unternehmen offen. Klar ist: Ab 2027 wird Polestar in den USA nur noch Bestandsfahrzeuge verkaufen dürfen.



