Porsche steht vor einem tiefgreifenden Umbau: Der neue Konzernchef Michael Leiters plant, die Fertigung des erfolgreichen SUV-Modells Cayenne aus der Slowakei zurück nach Leipzig zu verlagern. Das berichten Arbeitnehmerkreise. Doch die gute Nachricht für den sächsischen Standort hat einen Haken: Die Beschäftigten sollen dafür massive Lohneinbußen in Kauf nehmen.
Arbeitnehmer kritisieren Erpressungsversuch
„Man hält uns die Mohrrübe vor die Nase, indem man uns den Cayenne und eine sichere Werksbelegung verspricht, fordert aber tiefe Einschnitte“, zitierte die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ aus Arbeitnehmervertreterkreisen. Dabei war Leiters erst Anfang Januar nach Bratislava gereist, um den Produktionsstart des elektrischen Cayenne im modernen VW-Werk zu feiern. Nur wenige Monate später soll die Fertigung dort wieder eingestellt werden.
Hintergrund ist die tiefe Krise bei Porsche. Die Werke in Leipzig (SUV-Fabrik) und Zuffenhausen (Sportwagen) sind nicht ausgelastet. Im ersten Quartal 2026 brach der Absatz um 15 Prozent auf nur noch 60.991 Fahrzeuge ein. In China stieg das Minus sogar auf 21 Prozent (7519 verkaufte Autos). Zwischenzeitlich machte ein Schock-Gerücht die Runde: Droht dem Leipziger Werk die Schließung? Auslöser war eine Aussage von Leiters, der gesagt hatte, „Porsche habe von der Kapazität zwei halbe Werke“. Viele Mitarbeiter deuteten das als Warnsignal.
Offizielle Schweige und harte Verhandlungen
Offiziell schweigt Porsche zu den Verlagerungsplänen. Voraussetzung für die Rückholung ist allerdings, dass die Mitarbeiter auf einen Teil ihres Lohns verzichten. Denn in der Slowakei verdienen die Beschäftigten deutlich weniger als in Deutschland. Gesamtbetriebsratschef Ibrahim Aslan bestätigte die Verhandlungen: „Allerdings sind noch einige Themen offen, über die es zu diskutieren gilt.“
Bereits mehrere Hundert befristete Arbeitsverträge wurden nicht verlängert. Bis August sollen weitere 200 Stellen über freiwillige Aufhebungsverträge wegfallen. Zusätzlich könnten bis zu 400 Mitarbeiter vorübergehend nach Wolfsburg wechseln. Leiters verteidigt den Sparkurs: „Der anhaltende Druck auf die Automobilindustrie erfordert auch bei Porsche konsequente Maßnahmen“, sagte er der „Leipziger Volkszeitung“. Zugleich betonte er: „Wir bekennen uns zum Standort Deutschland und insbesondere auch zu unserem Werk in Leipzig.“
Dramatische Geschäftszahlen
Die finanzielle Lage ist prekär: 2025 stürzte der operative Gewinn um 92,7 Prozent auf nur noch 413 Millionen Euro ab. Das klassische Autogeschäft brachte gerade einmal 90 Millionen Euro ein. Schlechte China-Verkäufe, US-Zölle und milliardenschwere Kosten für die Neuausrichtung haben den Sportwagenbauer schwer getroffen. Die Zukunft des Cayenne-Standorts Leipzig bleibt ungewiss – die Belegschaft steht vor harten Einschnitten.



