Hitzige Debatte um Spritpreise: Staat kassiert mehr als Tankstellen
Die Preise für Benzin und Diesel in Deutschland steigen kontinuierlich, was zu einer hitzigen politischen Debatte führt. Die schwarz-rote Bundesregierung aus CDU/CSU und SPD unter Bundeskanzler Friedrich Merz plant nun, mit neuen Vorschriften für Tankstellen auf die ausufernden Spritpreise zu reagieren. Interessant dabei: Bei jedem Liter Benzin und Diesel fließt ein erheblicher Teil des Geldes direkt an den deutschen Staat selbst.
Regierung will Preiserhöhungen begrenzen
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) kündigte am Mittwoch, den 11. März, in Berlin an, dass Tankstellen deutschlandweit künftig nur noch einmal täglich ihre Spritpreise erhöhen dürfen sollen. Dieses aus Österreich bekannte Modell soll so schnell wie möglich eingeführt werden, um die Preissprünge einzudämmen. Zudem plant die Regierung eine strengere Kontrolle der Mineralölkonzerne, nachdem Bedenken über mögliche Preisabsprachen im Umfeld des Iran-Kriegs aufkamen.
Herbert Rabl, Sprecher des Tankstelleninteressenverbandes, warnte bereits in der „Bild“ vor Preisen von bis zu 2,50 Euro pro Liter, nachdem die Zwei-Euro-Schwelle beim E10-Benzin bereits überschritten wurde. In der Europäischen Union sind die Spritpreise nur in den Niederlanden noch höher als in Deutschland, während Länder wie Polen und Tschechien deutlich günstigere Preise aufweisen.
Hohe Steuern und Abgaben treiben Preise
Die enormen Preisunterschiede haben maßgeblich mit der nationalen CO₂-Abgabe und der Energiesteuer zu tun. Laut ADAC liegt die CO₂-Abgabe in Deutschland 2026 bei 55 bis 65 Euro je Tonne Kohlendioxid, was zu einem Preisanstieg von 15,7 bis 18,6 Cent je Liter Benzin und 17,3 bis 20,5 Cent je Liter Diesel führt. Diese Zahlen stammen noch aus der Zeit vor dem Iran-Krieg und könnten sich weiter erhöhen.
Die Energiesteuer, die in Deutschland erhoben wird, macht laut „NDR“ mehr als 65 Cent je Liter Sprit aus und wird von den Tankstellenbetreibern auf die Verbraucher umgelegt. Zusammen mit der Mehrwertsteuer von 19 Prozent ergibt sich ein erheblicher Steueranteil an den Spritpreisen.
Staatlicher Anteil überwiegt deutlich
Ein Ratgeber-Beitrag des ADAC verdeutlicht, dass der Energiesteuersatz bei Benzin bei 65,4 Cent je Liter und bei Diesel bei 47,0 Cent je Liter liegt. Nach dem Anstieg des Ölpreises Anfang März 2026 betrug der Steuer- und Abgabenanteil im Schnitt rund 58 Prozent bei Benzin und 48 Prozent bei Diesel. Das bedeutet: Von jedem Euro Spritpreis gehen beim Benzin 58 Cent und beim Diesel 48 Cent an den Staat.
Damit profitiert der deutsche Staat deutlich stärker von den hohen Spritpreisen als die Tankstellen selbst. Diese Rechnung unterstreicht die Komplexität der Debatte und zeigt, dass regulatorische Maßnahmen allein möglicherweise nicht ausreichen, um die Belastung für Verbraucher zu verringern.



