Unicredit kommt Commerzbank-Übernahme näher: Bafin gibt Antrag frei
Unicredit: Bafin ebnet Weg für Commerzbank-Übernahme

Die Bafin hat den Antrag der italienischen Großbank Unicredit auf Aufstockung ihrer Beteiligung an der Commerzbank als vollständig eingestuft. Damit ist der Weg für die nächste Phase des Übernahmeverfahrens frei: Nun prüft die Europäische Zentralbank (EZB) den Einstieg. Wie mit der Angelegenheit vertraute Personen berichten, teilte die deutsche Finanzaufsicht Unicredit bereits Ende Juli mit, dass der Antrag zur Erhöhung des Anteils an der Commerzbank vollständig sei.

Verfahren: Bafin leitet an EZB weiter

Die Bafin ist im Inhaberkontrollverfahren zunächst federführend, obwohl die EZB die direkte Aufsicht über beide Banken ausübt. Die deutsche Behörde wird der EZB eine vorläufige Einschätzung samt Entscheidungsvorschlag übermitteln. Die finale Entscheidung liegt dann bei der EZB. Da Unicredit ebenso wie die Commerzbank seit Jahren unter der Aufsicht der EZB steht, gingen alle Beteiligten von Anfang an davon aus, dass die Aufsichtsbehörde den Italienern die Aufstockung genehmigen wird.

Mit der Freigabe durch die Bafin läuft nun die Frist für die EZB, ihre Prüfung innerhalb von 60 Arbeitstagen abzuschließen. Theoretisch kann die Aufsichtsbehörde weitere Informationen anfordern, was die Prüfung um maximal 20 Arbeitstage verlängern würde. Vertreter von Unicredit, EZB, Bafin und Commerzbank lehnten eine Stellungnahme zu dem Vorgang ab.

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Hintergrund: Orcels langwieriger Übernahmekampf

Dies ist der nächste entscheidende Schritt in dem seit zwei Jahren andauernden Bestreben von Unicredit-Chef Andrea Orcel, die Commerzbank zu übernehmen. Sein Übernahmeangebot in Höhe von umgerechnet 44 Milliarden Euro, das Anfang Juli auslief, würde ihm eine Beteiligung von knapp 50 Prozent an dem deutschen Konkurrenten sichern – sobald die behördliche Genehmigung vorliegt.

Orcel hat tiefgreifende Veränderungen für die Commerzbank angekündigt, sobald er die Kontrolle übernommen hat. Doch Teile seiner Pläne stoßen bei der Geschäftsführung des deutschen Kreditinstituts und in weiten Teilen der Belegschaft auf Widerstand. Die deutsche Bundesregierung, die rund 12 Prozent der Anteile an der Commerzbank hält, hat erklärt, sie wolle die Rolle des Kreditinstituts bei der Finanzierung der deutschen Wirtschaft erhalten.

Commerzbank-Vorstandsvorsitzende Bettina Orlopp und Orcel werden voraussichtlich eine möglicherweise monatelange Diskussion über die Zukunft der Bank einleiten, wenn sie sich kurz nach der Veröffentlichung der Ergebnisse des zweiten Quartals durch die Deutsche Bank am Donnerstag zu einer geplanten Videokonferenz treffen, wie Bloomberg berichtet. Frühere Treffen zwischen den beiden haben ihre Meinungsverschiedenheiten letztlich noch vertieft.

Marktreaktion: Aktien legen kräftig zu

Die Aktien von Unicredit und Commerzbank bauten ihre Gewinne aufgrund dieser Nachricht weiter aus. Die Aktie des italienischen Kreditinstituts legte um bis zu 2,3 Prozent zu, erreichte den höchsten Tageskurs seit fast 17 Jahren und erreichte damit eine Marktkapitalisierung von 129 Milliarden Euro. Die Commerzbank-Aktie legte um bis zu 2,2 Prozent zu, erreichte den höchsten Stand seit fast 16 Jahren und steigerte ihre Marktkapitalisierung auf fast 43 Milliarden Euro.

Unicredit wartet noch auf die Genehmigungen der Kartellbehörden der Europäischen Union, der US-Notenbank und der zuständigen polnischen Aufsichtsbehörde. Die Commerzbank ist in den USA tätig und besitzt die mBank SA in Polen.

Ausblick: EZB-Prüfung und Kapitalanforderungen

Im Mittelpunkt der Prüfung durch die EZB steht die Frage, ob Unicredit die erforderlichen Kriterien erfüllt, um ihre bestehende Beteiligung an der Commerzbank – die im aufsichtsrechtlichen Sprachgebrauch bereits als „qualifizierte Beteiligung“ gilt – auf über 30 Prozent auszubauen. Unicredit geht davon aus, dass die EZB verlangen wird, die Commerzbank in ihre Bilanz einzubeziehen, sobald die Aufsichtsbehörde zu dem Schluss kommt, dass das italienische Kreditinstitut die tatsächliche Kontrolle über sie ausübt. Diese Entscheidung würde die Kapitalanforderungen für Unicredit erhöhen.

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Orcel hat erklärt, er rechne noch vor Jahresende mit der behördlichen Genehmigung für die Aufstockung der Beteiligung. Dies werde es ihm ermöglichen, die Kontrolle über die Commerzbank zu übernehmen und anschließend seine strategische Vision für das Kreditinstitut umzusetzen, auch wenn das Management der Commerzbank bezweifelt, wie viel er mit einer Beteiligung von weniger als 50 Prozent erreichen könne.