BASF eröffnet Milliarden-Werk in Südchina: Chemieriese wagt riskanten Spagat
BASF eröffnet Milliarden-Werk in Südchina: Riskante Expansion

BASF eröffnet Milliarden-Werk in Südchina: Chemieriese wagt riskanten Spagat

Der deutsche Chemieriese BASF hat in Zhanjiang in Südchina einen milliardenschweren Verbundstandort eröffnet. Mit dieser Investition von 8,7 Milliarden Euro will der weltgrößte Chemiekonzern seinen Fußabdruck im chinesischen Wachstumsmarkt deutlich vergrößern, obwohl die wirtschaftliche Lage und geopolitische Spannungen erhebliche Risiken bergen.

Größte Einzelinvestition in der Unternehmensgeschichte

Das Werk in der Küstenstadt Zhanjiang mit etwa sieben Millionen Einwohnern stellt die bislang größte Einzelinvestition in der Geschichte von BASF dar. Allein der sogenannte Steam Cracker, das Herzstück der Anlage, kostete rund eine Milliarde Euro. Der Bau des Komplexes dauerte fast sechs Jahre und wurde bereits im November mit der Produktion begonnen.

BASF-Vorstandschef Markus Kamieth betonte bei der Eröffnungszeremonie vor Regierungsvertretern: „In einer Welt, die immer geteilter wird, zeigt der Zhanjiang-Standort etwas Wichtiges: Globale Zusammenarbeit bringt die besten Ergebnisse.“ Gleichzeitig verwies er auf die aktuellen Herausforderungen durch den Iran-Krieg, der in Asien bereits zu Preiseffekten und Verknappungen geführt habe.

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Strategische Expansion in unterversorgten Markt

Mit dem neuen Standort in Zhanjiang erhält BASF einen zweiten Verbundstandort in China nach dem bereits bestehenden Werk in Nanjing, das gemeinsam mit dem staatlichen Ölriesen Sinopec betrieben wird. Das allein verwaltete Werk in Südchina zielt speziell auf den unterversorgten Chemiemarkt in dieser Region und Kunden in der wirtschaftsstarken Provinz Guangdong ab.

Die Attraktivität des chinesischen Marktes liegt für BASF in den erwarteten Wachstumsprognosen bis 2035, einer expandierenden Mittelschicht und steigenden Einkommen. Mehr als die Hälfte des weltweiten Chemiebedarfs entfällt auf China, doch der deutsche Konzern ist dort derzeit noch unterrepräsentiert.

Herausforderungen in schwierigem Marktumfeld

Der chinesische Markt, in dem deutsche Unternehmen über Jahrzehnte exzellente Geschäfte machten, hat sich jedoch deutlich verändert. Schwache Nachfrage und Überangebot führen in vielen Branchen zu harten Preiskämpfen und Rabattschlachten, die auf die Gewinne der Unternehmen drücken.

Kamieth räumte ein, dass sich die Investition in Zhanjiang für BASF später als ursprünglich geplant lohnen werde. Er erklärte: „Man darf aber keine schnellen und sehr starken Reaktionen erwarten, sondern es wird eher über die Zeit zu einer Normalisierung kommen und dann hoffentlich auch zu einer Stärkung der Binnenwirtschaft.“

Kritik und Bedenken zur Standortverlagerung

Das bereits 2018 unter der damaligen Bundeskanzlerin Angela Merkel vereinbarte Projekt stand von Beginn an in der Kritik. Es gab Sorgen vor einer Verlagerung der Produktion von Europa nach China, zumal BASF bereits Tausende Jobs abgebaut hatte, darunter auch in Deutschland.

Der Vorstandschef widersprach diesen Bedenken deutlich: „Es würde sich nicht lohnen, eine Anlage in China zu betreiben, um Produkte von dort nach Europa zu bringen. Das macht einfach keinen Sinn für uns.“ Das Werk in Zhanjiang sei ausschließlich für den chinesischen Markt konzipiert, wo es wettbewerbsfähig sei – nicht für Europa.

Geopolitische Risiken und Abhängigkeiten

Kritiker fürchten zudem eine zunehmende Abhängigkeit von China, besonders angesichts von Menschenrechtsvorwürfen und geopolitischen Spannungen. BASF hatte bereits Anteile an zwei Joint Ventures in Xinjiang verkauft, nachdem Berichte auf Aktivitäten beim Partner hingewiesen hatten, die nicht mit den Unternehmenswerten vereinbar seien.

Kamieth verteidigte die Präsenz in China: „Stellen Sie sich vor, wie eine BASF ohne die Hälfte des Weltmarktes China aussehen würde. Das Abkoppeln vom chinesischen Markt sei das viel größere Risiko.“ China sei zwar ein autokratischer Staat, aber es sei vertretbar dort zu sein, weil BASF seine Werte dafür nicht kompromittieren müsse.

Besonderheiten des Zhanjiang-Standorts

Das Werk verfügt über mehrere strategische Vorteile:

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  • Ein eigener Tiefseehafen garantiert Flexibilität bei der Rohstoffversorgung
  • Durch 100 Prozent grünen Strom ist der CO2-Fußabdruck nur halb so groß wie bei anderen Verbundstandorten
  • Die Produktion ist ausschließlich für den chinesischen Markt bestimmt

Trotz dieser Vorteile bereiten mögliche Konflikte in der Taiwanstraße Sorgen, da diese eine der wichtigsten globalen Schifffahrtsrouten unterbrechen könnten. Der aktuelle Krieg im Nahen Osten zeigt bereits, wie schnell steigende Preise und Versorgungsprobleme mit Rohstoffen auftreten können.

Mit dem Zhanjiang-Werk positioniert sich BASF strategisch im wichtigsten Wachstumsmarkt der Chemieindustrie, nimmt dabei jedoch erhebliche wirtschaftliche und politische Risiken in Kauf. Die kommenden Jahre werden zeigen, ob dieser milliardenschwere Spagat zwischen globaler Präsenz und regionaler Abhängigkeit aufgeht.