BASF plant Verlagerung von Dienstleistungen nach Indien
Die angekündigten Pläne des Chemiekonzerns BASF, wesentliche Teile seiner Berliner Dienstleistungen nach Indien zu verlagern, haben in der Hauptstadtregion für erhebliche Unruhe gesorgt. Nach Unternehmensangaben könnten mehr als 4000 Arbeitsplätze in Berlin und Brandenburg von den Umstrukturierungsmaßnahmen betroffen sein. Der Konzern prüft aktuell, seinen Service-Hub am Prenzlauer Berg sowie Einheiten der BASF Digital Solutions an bundesweiten Standorten nach Indien zu verlagern.
Politischer Widerstand und Gewerkschaftsproteste
Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) reagierte mit großer Besorgnis auf die möglichen Einschnitte. In einer offiziellen Stellungnahme betonte er, dass Berlin sich über Jahrzehnte als verlässlicher und innovationsfreundlicher Wirtschaftsstandort für BASF erwiesen habe. Wegner forderte von der Unternehmensführung eine transparente Darstellung der weiteren Planungen und einen sozialverträglichen Umgang mit den betroffenen Beschäftigten.
Die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IGBCE) kündigte entschiedenen Widerstand gegen die Verlagerungspläne an. Gewerkschaftschef Michael Vassiliadis, der zugleich Aufsichtsrat bei BASF ist, kritisierte die Entscheidung scharf. Seit 2005 hatte ein spezieller Verbandstarifvertrag ermöglicht, dass interne Dienstleistungen in Berlin gebündelt wurden, statt sie ins Ausland zu verlagern. Dafür hatten die Beschäftigten längere Arbeitszeiten und niedrigere Einstiegsgehälter akzeptiert.
Betroffenheit in der Belegschaft
Die Betriebsratsvorsitzende Judith Nolten-Bertucco bezeichnete die Pläne als verantwortungslos. Die Belegschaft am Berliner Standort sei fassungslos über die Ankündigungen, obwohl das Team wichtige Projekte umgesetzt und maßgeblich zur Kostensenkung im Konzern beigetragen habe. Stephanie Albrecht-Suliak, Leiterin des IGBCE-Landesbezirks Nordost, kritisierte zusätzlich, dass der Konzern in Europa Stellen abbaut, während er gleichzeitig in Asien Milliarden investiert.
Der Service-Hub der BASF in Berlin beschäftigt aktuell mehr als 2700 Menschen. Auch der große Produktionsstandort in Schwarzheide im Kreis Oberspreewald-Lausitz in Brandenburg zählt zu den wichtigsten Standorten des Konzerns in Deutschland. Dort arbeiten nach Unternehmensangaben mehr als 2000 Menschen. Zwar ist der Lausitzer Standort von den aktuellen Sparplänen bislang nicht unmittelbar betroffen, doch der umfassende Konzernumbau sorgt auch hier für erhebliche Verunsicherung.
Gespräche zwischen allen Beteiligten geplant
Regierender Bürgermeister Wegner betonte, dass Berlin für einen starken Industriestandort mit hoher sozialer Verantwortung stehe. Diese Erwartung gelte auch für BASF. Die geplanten Gespräche zwischen Politik, Gewerkschaften und Unternehmensführung sollen kurzfristig beginnen, um Lösungen für die betroffenen Beschäftigten zu finden und die Zukunft der Standorte in der Region zu sichern. Die Tarifbindung und Mitbestimmung müssten nach Ansicht der Politik auch künftig garantiert bleiben.



