BASF verlagert Berliner Arbeitsplätze nach Indien: Kritik von Gewerkschaft und Politik
Der weltweit agierende Chemiekonzern BASF hat weitreichende Pläne zur Verkleinerung seines Standortes in Berlin angekündigt. Wie das Unternehmen mitteilte, sollen zahlreiche Stellen von der deutschen Hauptstadt an einen neu geplanten globalen Hub in Indien verlagert werden. Diese Entscheidung stößt bei der Gewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) und bei Berlins Regierendem Bürgermeister Kai Wegner auf massive Kritik und Empörung.
Umfassende Transformation mit gravierenden Folgen
Die geplante Verlagerung ist Teil einer umfassenderen Transformation, die darauf abzielt, das Serviceportfolio zu schärfen, Standardisierung und Automatisierung weiter voranzutreiben und verstärkt kosteneffiziente Standorte zu nutzen. Konkret sollen die Geschäftsbereiche Finanzen, Personal und globale Geschäftsdienstleistungen nach Indien abwandern. In Berlin sollen lediglich Bereiche bestehen bleiben, die sinnvoll auf regionaler Ebene gebündelt werden können.
Welche Leistungen damit genau gemeint sind und wie viele der insgesamt 2.800 Stellen in der Hauptstadt von dieser Verlagerung betroffen sein werden, wurde zunächst nicht bekannt gegeben. Die Unklarheit über das genaue Ausmaß der Stellenverlagerung sorgt für zusätzliche Verunsicherung bei den betroffenen Beschäftigten.
Politische Reaktion: Wegner fordert Transparenz und Sozialverträglichkeit
Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) äußerte sich besorgt über die Ankündigung des Chemiekonzerns. „Berlin hat sich über Jahrzehnte hinweg als verlässlicher, innovationsfreundlicher und stabiler Wirtschaftsstandort für die BASF erwiesen“, betonte er in einer Stellungnahme. Vor diesem Hintergrund erwarte er von dem Unternehmen eine transparente und nachvollziehbare Darstellung der weiteren Planungen für den Standort Berlin.
Wegner machte deutlich, dass ein sozialverträglicher Umgang mit den betroffenen Beschäftigten und die frühzeitige Einbindung der Betriebsräte zwingend erforderlich seien. Der Bürgermeister kündigte an, zeitnah Gespräche mit der Geschäftsführung von BASF und den Arbeitnehmervertretern führen zu wollen, um die Situation zu klären und Lösungen zu erarbeiten.
Gewerkschaftliche Kritik: Verantwortungsloser beschäftigungspolitischer Schlag
Die Gewerkschaft IG BCE kritisierte die Ankündigung des Unternehmens als verantwortungslos und kurzsichtig. „Mit diesem beschäftigungspolitischen Schlag führt BASF ein tarifliches Vorzeigeprojekt zu einem Ende, mit dem wir Tausende gute Arbeitsplätze in der Bundeshauptstadt geschaffen haben“, erklärte der Gewerkschaftsvorsitzende Michael Vassiliadis mit deutlichen Worten.
Die Betriebsratsvorsitzende Stephanie Albrecht-Suliak ergänzte mit scharfer Kritik an der Unternehmensstrategie: „Es kann nicht sein, dass der Konzern am Heimatstandort Scheibchen für Scheibchen Arbeitsplätze abschneidet, während in Asien Milliarden investiert werden.“ Diese Aussage unterstreicht die Wahrnehmung einer ungleichen Behandlung zwischen deutschen und internationalen Standorten.
Die geplante Verlagerung von Arbeitsplätzen aus Berlin nach Indien wirft grundsätzliche Fragen zur Standortpolitik internationaler Konzerne in Deutschland auf und zeigt die Spannungen zwischen globalen Effizienzstrategien und regionaler Beschäftigungssicherung.



