Windkraft in Bayern: Jede dritte Region verfehlt gesetzliche Flächenziele deutlich
Bayern: Jede dritte Region verfehlt Windkraft-Flächenziele

Windkraft-Zoff in Bayern: Jede dritte Region verfehlt Flächenziel deutlich

Laut einer aktuellen Potenzialanalyse des Ökoenergie-Instituts Bayern kann in jeder dritten bayerischen Planungsregion das gesetzliche Flächenziel für Windenergie nicht eingehalten werden. Die Untersuchung, die im Landesamt für Umwelt durchgeführt wurde, offenbart erhebliche regionale Unterschiede bei der Verfügbarkeit geeigneter Flächen für Windräder.

Besonders kritische Regionen in Süd- und Ostbayern

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: In Südostbayern liegt das verfügbare Flächenpotenzial bei lediglich 1,3 Prozent – das gesetzliche Ziel von 1,8 Prozent wird damit klar verfehlt. Ähnlich problematisch stellt sich die Situation im Allgäu, Oberland und Donau-Wald dar, wo nur 1,4 Prozent der Flächen für Windkraft genutzt werden könnten. Auch die Regionen Nürnberg (1,6 Prozent) und Ingolstadt (1,7 Prozent) bleiben unter den gesetzlichen Vorgaben.

Positive Ausnahmen in Unterfranken und Oberpfalz

Ganz anders präsentiert sich die Lage in anderen Teilen Bayerns: Bayerischer Untermain, Würzburg, Main-Rhön, Oberfranken-West, Oberfranken-Ost, Oberpfalz-Nord, Westmittelfranken und Augsburg erreichen jeweils beachtliche 2,1 Prozent verfügbarer Flächen. Regensburg kommt auf 1,9 Prozent, während Landshut, München und Donau-Iller mit jeweils 1,8 Prozent exakt das gesetzliche Ziel erfüllen.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Rechtlicher Hintergrund und politische Reaktionen

Hintergrund der Analyse ist das Windenergieflächenbedarfsgesetz des Bundes, das verbindliche Flächenziele für alle Bundesländer festlegt. Bayern muss bis Ende 2027 in jeder Planungsregion 1,1 Prozent der Fläche für Windenergie ausweisen und bis Ende 2032 bayernweit 1,8 Prozent erreichen. Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) zeigt sich dennoch optimistisch: „Ich freue mich sehr, dass inzwischen die Mehrheit der Regionen in Bayern die Windenergiesteuerung erfolgreich umgesetzt hat.“ Über die Hälfte der 18 Planungsverbände habe in den vergangenen drei Jahren zusammen rund 62.540 Hektar neue Windenergiegebiete ausgewiesen.

Kritik von den Grünen und unklare Verbindlichkeit

Martin Stümpfig, energiepolitischer Sprecher der Grünen im Landtag, übt scharfe Kritik am Vorgehen der Staatsregierung: „Eineinhalb Jahre, nachdem das Fachgutachten des Planungsbüros fertig ist, schafft es auch die Regierung in München, die Verteilung der Flächenziele auf die Planungsverbände festzulegen – aber selbst nach so langer Zeit lediglich als unverbindliche Empfehlung. Das ist viel zu spät und zu unverbindlich.“ Die endgültige Entscheidung über konkrete Standorte liegt bei den regionalen Planungsverbänden, wobei die Bundesregierung im Frühjahr 2025 angekündigt hat, die Flächenbeitragswerte nochmals zu überprüfen.

Falls Planungsverbände ihre Ziele verfehlen, drohen Land und Kommunen die Kontrolle über neue Windkraftanlagen zu verlieren. Aiwanger betont die Herausforderung: „Windenergie an verträglichen und möglichst konfliktarmen Standorten bei größtmöglicher kommunaler Akzeptanz auszubauen, ist keine leichte Aufgabe.“ Die vorgelegten Orientierungswerte sollen dabei helfen, „die Spannungen vor Ort“ zu reduzieren.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration