China hat seine zentralen Kreditvergabezinsen den 13. Monat in Folge unverändert gelassen. Der einjährige Referenzzins (LPR) liege weiterhin bei 3,00 Prozent, teilte die chinesische Zentralbank People's Bank of China (PBOC) am Montag mit. Der fünfjährige LPR bleibe bei 3,50 Prozent. Mit der Entscheidung erfüllte die Zentralbank die Erwartungen der Finanzmärkte.
Expertenumfrage bestätigt Erwartungen
In einer Umfrage der Nachrichtenagentur Reuters hatten in der vergangenen Woche alle 30 befragten Experten mit diesem Schritt gerechnet. Das Festhalten an den Zinsen signalisiert, dass die Behörden trotz einer uneinheitlichen wirtschaftlichen Entwicklung keine Eile haben, die Geldpolitik zu lockern.
Wachstum in zwei Geschwindigkeiten
Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt wächst derzeit in zwei Geschwindigkeiten: Während die Industrie von überraschend robusten Exporten profitiert, schwächelt die Binnennachfrage angesichts einer jahrelangen Immobilienkrise. Das Hauptproblem der Wirtschaft sei nicht ein Mangel an Liquidität, sondern eine fehlende Kreditnachfrage, erklärte Jing Sima, Chefstrategin beim Analysehaus BCA Research.
Keine Zinssenkungen in Sicht
„Wir erwarten in der zweiten Jahreshälfte keine direkten Zinssenkungen“, sagte sie weiter. Stattdessen dürfte die Finanzpolitik stützender wirken, während die Zentralbank zwar grundsätzlich expansiv bleibe, aber auf Zinssenkungen verzichte. Notenbankchef Pan Gongsheng hatte in der vergangenen Woche erklärt, das verlangsamte Kreditwachstum sei ein Beweis für eine tiefgreifende wirtschaftliche Umstrukturierung.
Hintergrund: Immobilienkrise und Exportstärke
Die chinesische Wirtschaft leidet unter einer anhaltenden Immobilienkrise, die die Binnennachfrage dämpft. Gleichzeitig stützen starke Exporte die industrielle Produktion. Die PBOC scheint angesichts dieser gemischten Signale eine abwartende Haltung einzunehmen. Analysten erwarten, dass die Regierung eher auf fiskalpolitische Maßnahmen setzen wird, um das Wachstum zu stützen, anstatt die Zinsen weiter zu senken.



