Deutschland bremst bei Spritpreissenkung: Warum Berlin anders handelt als Österreich und Italien
Deutschland bremst bei Spritpreissenkung: Warum anders als EU-Nachbarn? (28.03.2026)

Deutschland bremst bei Spritpreissenkung: Warum Berlin anders handelt als Österreich und Italien

Während andere europäische Länder aktiv werden, bleibt Deutschland bei der Frage der Spritpreissenkung zurückhaltend. Österreich und Italien haben bereits konkrete Maßnahmen ergriffen, um die Kraftstoffkosten für ihre Bürger zu reduzieren. Deutschland hingegen verfolgt einen deutlich anderen Ansatz, der vor allem auf schärfere Marktkontrollen und erweiterte Eingriffsmöglichkeiten für das Bundeskartellamt setzt.

EU-Mindeststeuern geben Spielraum für Senkungen

Ein wichtiger Fakt: Die Europäische Union verbietet Deutschland keineswegs, die Steuern auf Kraftstoffe zu senken. Die EU-Kommission schreibt lediglich Mindeststeuersätze vor, die deutlich unter den aktuellen deutschen Abgaben liegen. Für Benzin beträgt diese Untergrenze 359 Euro je 1000 Liter, für Diesel 330 Euro. Alles, was darüber liegt, können die Mitgliedstaaten grundsätzlich selbst festlegen.

In Deutschland liegt die Energiesteuer derzeit bei 654,50 Euro je 1000 Liter Benzin und 470,40 Euro je 1000 Liter Diesel. Theoretisch hätte Berlin also erheblichen Spielraum nach unten. Dennoch zögert die Bundesregierung, diesen Weg zu gehen.

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Politische und finanzielle Hürden blockieren Steuersenkung

Die Gründe für Deutschlands Zurückhaltung sind vielfältig. Zunächst würden Steuersenkungen sofort hohe Einnahmeverluste für den Staatshaushalt bedeuten. Diese finanziellen Einbußen scheut die Bundesregierung bislang. Statt eines neuen Tankrabatts setzt sie daher auf alternative Instrumente der Marktaufsicht und Preisregulierung.

Hinzu kommt ein weiteres Problem: Selbst wenn der Staat die Abgaben senken würde, ist nicht garantiert, dass die Entlastung vollständig und dauerhaft bei den Autofahrern ankommt. Genau aus diesem Grund konzentriert sich Berlin derzeit eher darauf, Preissprünge zu begrenzen und den Wettbewerb stärker zu überwachen, anstatt direkt über Steuersenkungen einzugreifen.

Österreich und Italien gehen bewusst andere Wege

Im Gegensatz zu Deutschland nehmen Österreich und Italien die Einnahmeverluste bewusst in Kauf und präsentieren sie als befristete Krisenhilfe. Wien hat eine temporäre Senkung der Mineralölsteuer um 5 Cent je Liter angekündigt und will zugleich überhöhte Margen begrenzen. Die Maßnahme soll nur bis Jahresende gelten und wird mit dem außergewöhnlichen Preisschock infolge des Krieges begründet.

Italien geht sogar noch weiter: Das Land senkt die Verbrauchsteuer auf Benzin und Diesel vorübergehend von 672,9 auf 472,9 Euro je 1000 Liter. Diese Maßnahme finanziert Rom laut Reuters über Kürzungen an anderer Stelle im Haushalt. Beide Länder zeigen damit, dass alternative Wege möglich sind – wenn der politische Wille vorhanden ist.

Politische Prioritäten und langfristige Ziele

Ein weiterer Aspekt darf nicht übersehen werden: Die hohen Spritpreise in Deutschland waren auch politisch gewollt. Ursprünglich sollten sie dazu beitragen, den Umstieg auf Elektroautos zu fördern oder sogar den Autoverkehr insgesamt zu reduzieren. Von diesem Kurs könnte man zwar abrücken, doch es fehlt derzeit der entsprechende politische Wille.

Deutschland könnte ähnlich handeln wie seine Nachbarländer, will den Preis dafür derzeit aber nicht zahlen. Stattdessen setzt die Bundesregierung auf einen Mix aus Marktüberwachung und regulatorischen Eingriffen, um Preissprünge zu begrenzen und faire Wettbewerbsbedingungen zu gewährleisten. Ob dieser Ansatz ausreicht, um die Belastungen für Autofahrer spürbar zu reduzieren, bleibt abzuwarten.

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