Deutschland bremst bei Spritpreissenkungen: Warum Berlin anders als Österreich und Italien handelt
Deutschland bremst bei Spritpreissenkungen: Warum anders gehandelt wird

Deutschland hält an hohen Spritpreisen fest – trotz EU-Spielraum

Während andere europäische Länder aktiv gegen die hohen Kraftstoffkosten vorgehen, bleibt Deutschland bei seiner zurückhaltenden Strategie. Österreich hat eine befristete Senkung der Mineralölsteuer um 5 Cent pro Liter angekündigt und plant gleichzeitig, überhöhte Margen zu begrenzen. Italien geht noch weiter und reduziert die Verbrauchsteuer auf Benzin und Diesel vorübergehend von 672,9 auf 472,9 Euro je 1000 Liter. Deutschland hingegen konzentriert sich bisher vor allem auf schärfere Regeln für Preisaufschläge und erweiterte Eingriffsmöglichkeiten für das Bundeskartellamt.

EU-Verbot existiert nicht – Deutschland könnte theoretisch senken

Ein entscheidender Fakt: Die Europäische Union verbietet Deutschland keine Steuersenkung bei Kraftstoffen. Die EU-Kommission schreibt lediglich Mindeststeuersätze vor, keine einheitlichen Beträge für alle Mitgliedstaaten. Für Benzin liegt diese Untergrenze bei 359 Euro je 1000 Liter, für Diesel bei 330 Euro. Alles, was darüber liegt, können die Nationalstaaten grundsätzlich selbst festlegen. Deutschland verfügt damit theoretisch über ausreichend Spielraum für eine Reduzierung.

Politische und finanzielle Bedenken blockieren Entlastung

Warum nutzt Berlin diese Möglichkeit nicht? Die Antwort liegt in politischen und finanziellen Risiken. Laut aktuellen Zolldaten beträgt die Energiesteuer hierzulande 654,50 Euro je 1000 Liter Benzin und 470,40 Euro je 1000 Liter Diesel. Zwar existiert Spielraum nach unten, doch müsste die Bundesregierung dafür sofort hohe Einnahmeausfälle akzeptieren. Vor diesem finanziellen Verlust schreckt Berlin bislang zurück. Statt eines neuen Tankrabatts setzt die Regierung konsequent auf verstärkte Marktaufsicht und präzisere Preisregulierungen.

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Ein weiterer Aspekt: Die hohen Spritpreise waren ursprünglich auch politisch gewollt. Die Strategie zielte darauf ab, den Umstieg auf Elektroautos zu fördern oder den Autoverkehr generell zu reduzieren. Von diesem Kurs könnte man zwar abrücken, doch fehlt es aktuell am entsprechenden politischen Willen für eine grundlegende Kehrtwende.

Unsicherer Effekt an der Zapfsäule als zusätzliches Hindernis

Hinzu kommt ein strukturelles Problem: Eine Steuersenkung verursacht für den Staat zwar definitive Kosten, ihr Effekt an der Zapfsäule ist jedoch nicht vollständig kontrollierbar. Der Staat kann die Abgaben reduzieren, kann aber nicht garantieren, dass diese Entlastung komplett und dauerhaft bei den Autofahrern ankommt. Genau aus diesem Grund versucht Berlin derzeit eher, Preissprünge wirksam zu begrenzen und den Wettbewerb intensiver zu überwachen, statt direkt Steuergelder über den Steuerhebel zu verschenken.

Österreich und Italien: Bewusste Einnahmeverluste als Krisenhilfe

Der Unterschied zu Österreich und Italien ist daher vor allem politischer Natur: Diese Länder nehmen die Einnahmeverluste bewusst in Kauf und präsentieren sie als befristete Krisenhilfe. Italien finanziert seine Maßnahme laut Reuters-Berichten über gezielte Kürzungen an anderer Stelle im Staatshaushalt. Österreich begründet den Schritt mit dem außergewöhnlichen Preisschock infolge des Krieges und will die Regelung nur bis zum Jahresende aufrechterhalten. Deutschland könnte ähnlich handeln, ist jedoch aktuell nicht bereit, den dafür notwendigen finanziellen Preis zu zahlen.

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