Energiepreise im Fokus: Droht Haushalten ein neuer Preisschock bei Strom und Gas?
Die jüngsten Entwicklungen an den internationalen Energiemärkten sorgen für erhebliche Verunsicherung bei Verbrauchern in Deutschland. Nach dem Ausbruch des Iran-Konflikts sind die Großhandelspreise für Erdgas sprunghaft angestiegen, was die Frage aufwirft, ob auch die Endkunden bald höhere Rechnungen für Strom und Gas erhalten könnten.
Großhandelspreise explodieren nach Konfliktausbruch
Der Iran hatte auf Angriffe durch die USA und Israel mit Gegenangriffen reagiert, was zur vorübergehenden Schließung der strategisch wichtigen Straße von Hormus führte. Diese Meerenge gilt als Nadelöhr des weltweiten Energiehandels, da etwa 20 Prozent des globalen Flüssigerdgases (LNG) durch sie transportiert werden. Zusätzlich stellte das katarische Unternehmen Qatar Energy nach Angriffen auf Betriebsanlagen die LNG-Produktion ein.
Diese Ereignisse lösten an der für Europa bedeutenden niederländischen Börse TTF in Amsterdam einen massiven Preissprung aus. Der Preis für eine Megawattstunde Erdgas mit April-Lieferung kletterte zeitweise auf fast 66 Euro – den höchsten Stand seit mehr als drei Jahren. Zum Vergleich: Am Freitag vor Konfliktausbruch lag er noch bei knapp 32 Euro.
Zeitfaktor entscheidend für Verbraucherpreise
Die entscheidende Frage für deutsche Haushalte lautet: Wann und in welchem Umfang schlagen diese Großhandelsentwicklungen auf die Endverbraucherpreise durch? Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) äußert sich hierzu zurückhaltend. „Ob und wie sich die aktuellen Entwicklungen an den Großhandelsmärkten auf Verbraucherpreise für Strom und Gas auswirken, lässt sich pauschal nicht beantworten“, heißt es in einer Stellungnahme.
Gasmarktexperte Andreas Schröder vom Analysehaus ICIS betont den Zeitfaktor: „Sollte der Konflikt morgen vorbei sein, dann können wir das fast vernachlässigen, weil Haushaltskunden meistens Einjahresverträge haben.“ Bei einer längeren Konfliktdauer würden jedoch auch für Verbraucher im nächsten Jahr die Gaspreise steigen.
Versorgungssicherheit weiterhin gewährleistet
Trotz der Preissprünge sieht die Energiebranche die physische Versorgungssicherheit in Deutschland nicht gefährdet. BDEW-Hauptgeschäftsführerin Kerstin Andreae erklärt: „Direkte Auswirkungen auf die physische Gasversorgung in Deutschland sind nach aktueller Einschätzung nicht zu erwarten.“ Die deutsche Versorgung werde durch Gasspeicher, heimische Förderung, Pipeline-Importe aus Norwegen und LNG-Importe aus verschiedenen Ländern gesichert.
Allerdings könnte teures LNG zu einer stärkeren Entleerung der europäischen Gasspeicher führen, was wiederum einen höheren Einspeicherbedarf im Sommer bedeuten würde. Experten halten es für möglich, dass die Politik die verpflichtenden Einspeichermengen verringern könnte, um den Preisdruck zu mildern.
Prognosen für verschiedene Szenarien
ICIS hat verschiedene Szenarien berechnet: Eine vierwöchige Blockade der Straße von Hormus könnte die TTF-Preise noch im März auf 60 Euro je Megawattstunde steigen lassen. Die Sommerpreise würden dauerhaft 20 Prozent über den Vorkriegs-Preisen liegen. Bei einer dreimonatigen Schließung könnten sogar Preise von 85 Euro möglich sein.
Am Mittwoch gingen die Großhandelspreise zwar wieder leicht zurück – auf etwa 50 Euro pro Megawattstunde –, lagen damit aber immer noch gut 56 Prozent über dem Niveau vom Freitag vor Konfliktausbruch. Die weitere Entwicklung hängt maßgeblich davon ab, wie lange die kritische Meerenge für den Schiffsverkehr blockiert bleibt und wie sich die politische Lage im Nahen Osten entwickelt.



