Milliardengeschäfte mit Moskau: EU importiert weiter russisches Flüssigerdgas
Obwohl der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine bereits Jahre andauert, fließen weiterhin erhebliche finanzielle Mittel aus der Europäischen Union nach Moskau. Laut aktuellen Daten der EU-Statistikbehörde Eurostat importierte die Staatengemeinschaft im vergangenen Jahr Flüssigerdgas (LNG) aus Russland im Wert von rund 7,4 Milliarden Euro. Dies stellt zwar einen leichten Rückgang von etwa drei Prozent gegenüber dem Vorjahr dar, als noch Einfuhren im Wert von 7,6 Milliarden Euro verzeichnet wurden, doch die Summe bleibt beträchtlich.
Zeitplan für das Importverbot und aktuelle Lieferwege
Erst in etwa eineinhalb Jahren, genauer gesagt ab dem 1. November 2027, wird per Verordnung kein Gas mehr aus Russland in die EU eingeführt werden dürfen. Bis zu diesem Stichtag gelangt russische Energie weiterhin via Tanker als Flüssigerdgas und durch die Pipeline Turkstream in die Mitgliedstaaten. Das vollständige Importverbot für LNG ist Teil eines umfassenden Sanktionspakets, das die EU im Oktober beschlossen hat, um den Druck auf Moskau zu erhöhen.
Insgesamt beliefen sich die LNG-Importe der EU im Jahr 2025 auf einen Gesamtwert von etwa 46,0 Milliarden Euro. Der größte Lieferant waren mit Einfuhren im Wert von rund 24,2 Milliarden Euro die Vereinigten Staaten, gefolgt von Russland. Im Vergleich zu anderen fossilen Energieträgern wie Öl und Kohle, bei denen die EU nach der russischen Invasion der Ukraine schnell weitgehende Einfuhrverbote verhängte, gab es bei Gas aufgrund historischer Abhängigkeiten lange Zeit keine vergleichbaren Sanktionen.
Rechtliche Grundlagen und Ausnahmeregelungen
Die neue Verordnung, die Anfang des Monats in Kraft trat, untersagt schrittweise und spätestens ab November 2027 sämtliche russische Gaseinfuhren in die EU. Sie schafft nicht nur ein Importverbot für Pipeline-Gas, sondern bietet auch rechtliche Sicherheit: Im Gegensatz zu den regelmäßig zu verlängernden Sanktionen, die Einstimmigkeit unter den Mitgliedstaaten erfordern, gilt diese Verordnung dauerhaft.
Allerdings enthält das Regelwerk eine Sicherheitsklausel. Falls die Versorgungssicherheit eines oder mehrerer EU-Länder ernsthaft gefährdet sein sollte, kann die EU-Kommission den betroffenen Staaten erlauben, die Einfuhrverbote zeitweise auszusetzen. Nur im Falle eines offiziell ausgerufenen Notstands sind dann begrenzte Lieferungen möglich. Dieser Mechanismus soll verhindern, dass es zu Engpässen in der Energieversorgung kommt.
Hintergründe und Ziele der Sanktionen
Hintergrund für das geplante Einfuhrverbot ist der anhaltende russische Angriffskrieg gegen die Ukraine. Die Maßnahmen zielen darauf ab, die EU-Staaten langfristig unabhängiger von Energieimporten aus Russland zu machen und sie damit weniger erpressbar zu gestalten. Gleichzeitig soll der vollständige Importstopp es der Rohstoffgroßmacht Russland erschweren, ihren Krieg weiter zu finanzieren.
Betroffene Unternehmen und Verbraucherperspektive
Von dem Importverbot sind auch deutsche Unternehmen betroffen. So importiert das bundeseigene Energieunternehmen Sefe, früher bekannt als Gazprom Germania, auf Basis eines bestehenden Langfristvertrags weiterhin Flüssigerdgas aus Russland in die EU. Das Unternehmen wurde als Folge des Krieges und der Energiekrise in Deutschland verstaatlicht.
Für Verbraucherinnen und Verbraucher dürften die Auswirkungen des Importverbots nach Einschätzung der Europäischen Kommission begrenzt bleiben. Einer Analyse der Behörde zufolge können die verbleibenden Gasmengen ohne Risiken für die Versorgungssicherheit auslaufen. Auf dem globalen Gasmarkt stehen genügend alternative Anbieter zur Verfügung, um mögliche Engpässe zu vermeiden.



