Frankreich setzt voll auf Atomkraft: Ausbau der Kernenergie beschleunigt, Erneuerbare zurückgestuft
Frankreich beschleunigt Atomkraft-Ausbau, bremst Erneuerbare

Frankreichs Energiestrategie: Atomkraft im Fokus, Erneuerbare verlieren an Tempo

Die französische Regierung unter Premierminister Sébastien Lecornu hat eine neue Energiestrategie vorgestellt, die einen deutlichen Schwerpunkt auf die Atomkraft legt. Nach dreijährigen Verhandlungen wurde der Plan beschlossen, der den Ausbau der Kernenergie forciert und gleichzeitig die Ziele für erneuerbare Energiequellen reduziert.

Ambitionierte Pläne für Atomenergie

Frankreich plant den Bau von sechs neuen Atomreaktoren, die in bestehende Kraftwerke integriert werden sollen. Der erste Reaktor in Penly am Ärmelkanal soll voraussichtlich 2038 in Betrieb gehen. Zusätzlich besteht eine Option für acht weitere Reaktoren. Um die bestehenden 57 Kernreaktoren am Netz zu halten, wird ihre Laufzeit teilweise auf 50 oder 60 Jahre verlängert, wodurch keine älteren Anlagen stillgelegt werden müssen – eine Abkehr vom vorherigen Energieplan, der die Schließung von 14 Reaktoren vorsah.

Der Atomstrom deckt bereits etwa zwei Drittel der französischen Elektrizitätsversorgung ab, und das Land ist nach den USA und China der drittgrößte Atomstromproduzent weltweit, mit Exporten unter anderem nach Deutschland. Die Strategie unterstreicht die von Präsident Emmanuel Macron 2022 angekündigte Ausrichtung auf Kernenergie.

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Kosten und politische Herausforderungen

Der staatliche Atomkraftbetreiber EDF hat im Dezember angekündigt, dass die Baukosten für die sechs geplanten Reaktoren um etwa 40 Prozent höher ausfallen werden als ursprünglich veranschlagt, mit geschätzten Kosten von knapp 73 Milliarden Euro. EDF und der französische Staat streben bis Ende März eine Einigung auf einen gemeinsamen Kostenplan an. Nach einer Genehmigung durch Brüssel soll die endgültige Investitionsentscheidung Ende 2026 fallen.

Politisch war die Neuauflage der Energiestrategie umstritten: Konservative und rechte Parteien befürworten primär die Kernkraft, während linke und grüne Lager stärkere Investitionen in erneuerbare Energien fordern. Im Juni hatte die Nationalversammlung mit Stimmen der Rechten und Rechtspopulisten überraschend einen vorläufigen Baustopp für neue Wind- und Solaranlagen verabschiedet, der später jedoch wieder aufgehoben wurde.

Rückgang bei erneuerbaren Energien

Erneuerbare Energiequellen bleiben zwar eine zweite Säule der französischen Energieversorgung, doch ihr Ausbau soll langsamer vonstattengehen als bisher geplant. Bei Windkraftanlagen an Land werden die Ausbauziele reduziert: Bis 2030 sollen sie nur noch 31 statt der ursprünglich geplanten 33 Gigawatt produzieren. Das Ziel für Offshore-Windkraftanlagen bleibt unverändert.

Gleichzeitig soll der Anteil fossiler Energiequellen von 58 Prozent im Jahr 2023 auf 40 Prozent bis 2030 sinken. Diese Verschiebung in der Energiepolitik markiert einen signifikanten Wandel gegenüber dem vorherigen Plan, der eine Reduzierung der Atomkraft vorsah.

Insgesamt positioniert sich Frankreich mit dieser Strategie als Vorreiter in der Atomenergie, trotz der Herausforderungen durch steigende Kosten und politische Kontroversen. Die Entscheidung könnte langfristige Auswirkungen auf die europäische Energieversorgung und den Klimaschutz haben.

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