Gasreserven auf historischem Tiefstand: Droht Deutschland eine neue Energiekrise?
Gasreserven auf historischem Tiefstand: Droht Energiekrise?

Gasreserven auf historischem Tiefstand: Droht Deutschland eine neue Energiekrise?

Die Gasspeicher in Deutschland befinden sich auf einem alarmierend niedrigen Niveau. Aktuell sind die Speicher nur noch zu 25,6 Prozent gefüllt - ein Wert, der im Vergleich zu den Vorjahren dramatisch niedrig ausfällt. Am 10. Februar 2025 lag die Füllmenge noch bei fast 48 Prozent, während sie am 10. Februar 2024 sogar bei 72 Prozent verzeichnet wurde.

Politische Reaktionen und Expertenmeinungen

Die Grünen fordern angesichts dieser Entwicklung eine Sondersitzung des Bundestagsausschusses für Wirtschaft und Energie unter Anwesenheit von Ministerin Katherina Reiche (CDU). Der Grünen-Energiepolitiker Michael Kellner kritisiert: „Das Ministerium wiegelt ab. Sie hoffen aufs Wetter, doch die Lage ist angespannt.“ Die Bundesregierung verweist dagegen auf die mittlerweile gut ausgebaute LNG-Infrastruktur, die die ausgefallenen Pipeline-Lieferungen ersetzen soll.

Probleme mit der LNG-Versorgung

Die Abhängigkeit von Flüssiggasimporten zeigte sich zuletzt in Mukran auf Rügen. Das dortige LNG-Terminal war Anfang Februar aufgrund von dickem Eis auf der Ostsee deutlich eingeschränkt verfügbar. Gastanker konnten zeitweise nicht anlegen, was zu Lieferverzögerungen führte. Erst am 11. Februar machte der Eisbrecher „Neuwerk“ die Fahrrinne wieder frei.

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Experten fordern strategische Reserven

Energie-Experte Professor Manuel Frondel vom RWI Leibniz-Institut Essen warnt: „Für die Zukunft sollte die Bundesregierung eine strategische Erdgasbevorratung anlegen, angelehnt an die strategische Ölreserve.“ Er betont, dass eine solche Reserve nicht viel koste, aber Wirtschaft und Haushalte vor teuren Überraschungen schützen könne. Zudem müssten die LNG-Importe diversifiziert werden, da aktuell etwa 90 Prozent des Flüssiggases aus den USA stammen.

Aktuelle Importzahlen und Marktlage

Die täglichen LNG-Importe liegen aktuell (1. bis 11. Februar 2026) bei durchschnittlich 224,6 Gigawattstunden pro Tag. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum mit nur 79,7 GWh/Tag bedeutet dies fast eine Verdreifachung der Importmengen. Eine Sprecherin der Bundesnetzagentur erklärt: „Gas kann auch kurzfristig am Weltmarkt eingekauft und ins deutsche Netz eingespeist werden, der Markt zeigt aktuell keinerlei Knappheiten.“

Entwarnung mit Vorbehalt

Professor Frondel gibt vorläufig Entwarnung: „Mit einem Engpass ist aktuell nicht mehr zu rechnen, solange es keine Sabotageakte bei den Pipelines oder Lieferunterbrechungen bei LNG-Gas gibt.“ Für die kommenden zwei Wochen sei nach den Wetterprognosen nicht mehr von einer Kälteperiode auszugehen. Dennoch bleibt die Situation angespannt, und die Diskussion über langfristige Strategien zur Energiesicherheit gewinnt an Bedeutung.

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