Grüne legen 10-Punkte-Plan für Energiewende vor: Gratis-Strom und scharfe Kritik an Reiche
In einem umfassenden 10-Punkte-Plan für die deutsche Energiewende gehen die Grünen mit deutlichen Forderungen und scharfer Kritik an die Öffentlichkeit. Parteichefs Franziska Brantner (46) und Felix Banaszak (36) attackieren dabei insbesondere Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (52, CDU) und werfen ihr vor, die Energiewende aktiv zu behindern.
„Gas-Lobbyistin“ Reiche im Visier der Grünen
Der Parteivorstand der Grünen übt im Energieplan massive Kritik an der amtierenden Wirtschaftsministerin. „Sie ist eine Gas-Lobbyistin, die die Energiewende kaputt machen will“, heißt es in der schriftlichen Stellungnahme. Den Vorwurf untermauern die Grünen mit der Behauptung, Reiche wolle „Deutschlands Wirtschaft in der Gasabhängigkeit halten“ – mit dem entscheidenden Unterschied zu 2022, dass die Abhängigkeit nun von Trumps Fracking-Gas statt von russischem Gas bestehe.
Kostenloser Strom für alle Haushalte und Betriebe
Ein zentraler Punkt des Plans ist die Forderung nach kostenlosem Strom für die breite Bevölkerung. Die Grünen wollen die Tatsache nutzen, dass im Sommer durch Solarenergie massenhaft Strom produziert wird, und diesen in einen „systemdienlichen Solarbonus für alle“ umwandeln. Konkret bedeutet dies:
- Jeder Haushalt und jeder Betrieb soll an 600 Stunden im Jahr kostenlosen Strom erhalten
- Die Vergabe soll unbürokratisch und digital erfolgen
- Dies entspricht etwa 25 Tagen mit 24-stündiger Gratis-Stromversorgung
Stromsteuer-Senkung und Kritik an schwarz-roter Koalition
Weiter fordern die Grünen eine sofortige Absenkung der Stromsteuer auf das europäische Mindestniveau. „Es ist unerträglich, dass die schwarz-rote Koalition die Absenkung der Stromsteuer mehrfach versprochen hat, aber nur für Großverbraucher geliefert hat“, kritisiert die Parteispitze. Durch die geforderte Senkung würde Strom für die breite Bevölkerung um 2 Cent pro Kilowattstunde billiger werden.
Banaszak: „Update für die Energiewende“
Felix Banaszak verschärft die Kritik an Wirtschaftsministerin Reiche noch einmal: „Ihr Programm ist das Ende der Energiewende. Wir setzen dieser Zerstörungswut ein Update für die Energiewende entgegen: schnell, unbürokratisch, digital.“ Die Grünen fordern zudem die umfassende Umsetzung des europäischen Rechts auf „Energy Sharing“ in Deutschland – netzdienlich, finanziell attraktiv und unbürokratisch.
Konkrete Maßnahmen für erneuerbare Energien
Der 10-Punkte-Plan enthält weitere konkrete Forderungen:
- Beschleunigter Anschluss von Solaranlagen, E-Auto-Ladestationen, Smart Metern und Wärmepumpen
- Anschlusspflicht für Netzbetreiber mit klaren Fristen
- Beibehaltung der 65%-Erneuerbaren-Vorgabe im Gebäudeenergiegesetz
- Auskömmliche Wärmepumpen-Förderung im Heizungsaustausch-Förderprogramm
Klarstellung bei E-Auto-Förderung
Die Grünen positionieren sich deutlich gegen Kompromisse bei der E-Auto-Förderung. Sie fordern, dass die Kaufprämie „ausschließlich für E-Autos gelten“ darf und nicht für Plug-in-Hybride verwendet werden soll. Damit wenden sie sich gegen Zugeständnisse, die Umweltminister Carsten Schneider (50, SPD) nach Verhandlungen mit der Union gemacht hat.
Wärmepumpen als Herzensthema
Besonders hart bleiben die Grünen bei ihrem Kernthema, der Wärmepumpen-Förderung. Sie verweisen darauf, dass „im Jahr 2025 erstmals mehr Wärmepumpen als Öl- und Gasheizungen installiert wurden“ und fordern die Fortsetzung dieses Trends durch entsprechende gesetzliche Rahmenbedingungen und Förderprogramme.
Der 10-Punkte-Plan der Grünen markiert eine deutliche energiepolitische Positionierung im Vorfeld kommender politischer Auseinandersetzungen und zeigt die Entschlossenheit der Partei, ihre energiepolitischen Ziele gegen Widerstände durchzusetzen.



