Iran-Krieg bedroht globale Energiesicherheit: Reparaturen dauern Jahre
Die Öl- und Gaslieferungen aus der Golfregion werden nach Einschätzung von Experten aufgrund des anhaltenden Iran-Kriegs noch für viele Monate massiv gestört sein. Fatih Birol, der Geschäftsführer der Internationalen Energieagentur (IEA), bezeichnete die Situation in einem Interview mit der britischen Financial Times als „die größte Bedrohung für die globale Energiesicherheit in der Geschichte“. Politiker und Märkte würden das Ausmaß der Ausfälle erheblich unterschätzen.
Energieinfrastruktur schwer beschädigt
Laut IEA-Chef Birol fehlt der Weltmarkt derzeit doppelt so viel Gas, wie Europa durch den Stopp der russischen Lieferungen im Jahr 2022 verloren hat. Es könne mehr als sechs Monate dauern, bis die Öl- und Gaslieferungen vom Golf wiederhergestellt sind. Die tatsächliche Behebung der Kriegsschäden an der Energieinfrastruktur wird jedoch noch deutlich länger in Anspruch nehmen.
Der katarische Staatskonzern QatarEnergy teilte mit, dass die Instandsetzung der massiv beschädigten Förderanlagen im Industriegebiet Ras Laffan bis zu fünf Jahre dauern wird. Der Iran hatte diese Anlagen als Vergeltung für israelische Angriffe auf das wichtige Gasfeld „South Pars“ attackiert.
In Kuwait wurden nach Drohnenangriffen Teile der großen Ölraffinerie Mina al-Ahmadi abgeschaltet. In einigen Anlagen brach Feuer aus, wie die staatliche Nachrichtenagentur unter Berufung auf die Kuwait Petroleum Corporation (KPC) berichtete.
Deutschland lockert Rüstungsexporte
Als Reaktion auf die Eskalation hat die deutsche Bundesregierung die Regeln für den Export bestimmter Rüstungsgüter in die Golfregion und die Ukraine vereinfacht. Eine neue, auf sechs Monate befristete Allgemeine Genehmigung trat in Kraft, wie das Wirtschaftsministerium mitteilte.
Exporteure können nun schnellere Ausfuhrgenehmigungen nutzen, ohne vorher beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle einen Antrag stellen zu müssen. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) sagte, die Regierung setze damit ein „Zeichen der Solidarität“. Die wahllosen Angriffe des Irans auf die Golfstaaten hätten zur Folge, dass dort dringend Rüstungsgüter zur Luftverteidigung benötigt würden.
Feiertage im Schatten des Krieges
Die gegenseitigen Angriffe überschatten derzeit hohe Feiertage in der Region. Während mit dem Fastenbrechen Eid al-Fitr der heilige Fastenmonat Ramadan endet, beginnt im Iran das persische Neujahrsfest Norus. Noch am Morgen des Festbeginns griffen Kampfflugzeuge Ziele in Teheran an, wie Augenzeugen und staatliche Medien berichteten.
Israel bombardierte nach eigenen Angaben Stellungen der iranischen Führung in der Gegend der Stadt Nur im Norden des Landes. Die humanitäre Lage im Iran könnte sich dramatisch verschlechtern, warnte Jan Egeland, der Leiter des Norwegischen Flüchtlingsrates (NRC), im arabischen Fernsehsender Al Jazeera. Schiffs- und Flugverkehr seien unterbrochen, sodass Hilfsorganisationen Schwierigkeiten hätten, dringend benötigte Güter ins Land zu bringen.
Weitere Eskalationen in der Region
Die iranischen Revolutionsgarden meldeten den Tod ihres Sprechers Ali Mohammed Naini, der nach Angaben der israelischen Armee bei einem Luftangriff getötet wurde. Israel bezeichnete ihn als „wichtigsten Propagandisten“ der Revolutionsgarden, der Terroranschläge gegen Israel gefördert habe.
Israels Armee griff zudem in der Nacht zum Freitag Ziele in Syrien an, nachdem es zu neuer Gewalt zwischen Angehörigen der drusischen Minderheit und sunnitischen Stammesgruppen gekommen war. Verteidigungsminister Israel Katz drohte: „Falls nötig, werden wir mit noch größerer Härte zuschlagen.“
Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit Sitz in Großbritannien meldete Verstöße gegen die seit Juli 2025 geltende Waffenruhe. Bereits damals war es in der Region Suwaida zu heftigen Auseinandersetzungen gekommen, und Israel hatte zur vermeintlichen Schutz der Drusen Ziele in Syrien bombardiert.



