Kartellamt warnt: RWE, Leag und EnBW dominieren Strommarkt nach Energiekrise
Kartellamt warnt vor Marktmacht von RWE, Leag und EnBW

Kartellamt warnt vor wachsender Marktmacht deutscher Stromerzeuger

Die Energiekrise nach dem russischen Überfall auf die Ukraine hat tiefgreifende und langfristige Auswirkungen auf den deutschen Strommarkt. Das Bundeskartellamt in Bonn hat nun in einer aktuellen Untersuchung alarmierende Entwicklungen festgestellt und warnt vor erheblichen Wettbewerbsverzerrungen.

Marktbeherrschende Stellung von RWE und Leag

Laut dem aktuellen Marktmachtbericht des Kartellamts für den Zeitraum Mai 2024 bis April 2025 hat die Marktmacht der führenden Stromerzeuger RWE, Leag und EnBW signifikant zugenommen. Die Behörde untersuchte dabei, wie häufig ein Stromerzeuger für die Deckung der Stromnachfrage unverzichtbar ist. Überschreitet der Anteil dieser Stunden eine Schwelle von fünf Prozent der Jahresstunden, spricht dies für eine marktbeherrschende Stellung.

„Nach den aktuellen Ergebnissen des Marktmachtberichts liegt RWE deutlich über dieser Schwelle. Auch für Leag werden Werte oberhalb der Vermutungsschwelle festgestellt. Die Werte für EnBW liegen in der Nähe der Schwelle, überschreiten sie jedoch nicht“, erklärten die Wettbewerbshüter. Besonders besorgniserregend ist, dass Kraftwerksbetreiber bereits bei niedrigen Marktanteilen die Marktpreise erheblich beeinflussen können.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Keine kurzfristige Entspannung in Sicht

Das Kartellamt sieht keine kurzfristige Verbesserung der Marktverhältnisse. Die von der Bundesregierung angekündigten Ausschreibungen für den geförderten Neubau steuerbarer Kraftwerkskapazitäten werden frühestens in einigen Jahren zu einer spürbaren Ausweitung des Angebots führen. Behördenpräsident Andreas Mundt betonte: „Die Ausschreibungen sollten daher gezielt dazu genutzt werden, bestehende Marktmacht abzubauen.“

Mehr Wettbewerb auf den Stromerzeugungsmärkten zahle sich nachhaltig aus, insbesondere in Form von niedrigeren Preisen für die Verbraucherinnen und Verbraucher. Die Auswirkungen auf den Wettbewerb hängen dabei maßgeblich davon ab, welche Anbieter die neuen Kapazitäten betreiben werden.

Folgen der Energiekrise für das Stromangebot

Hintergrund dieser Entwicklung ist die Energiekrise nach dem Überfall Russlands auf die Ukraine im Jahr 2022, als die Erdgasversorgung unsicher wurde. Um den Gasverbrauch durch Gaskraftwerke zu begrenzen, durften alte Kohlekraftwerke bis zum Frühjahr 2024 wieder Strom produzieren und am Markt verkaufen.

Mit dem Auslaufen dieser Regelung und weiteren Abschaltungen im Zuge des Kohleausstiegs ist das inländische Stromangebot spürbar knapper geworden. „Diese Verknappung führt tendenziell zu höheren Preisen, erhöht die Abhängigkeit von großen Anbietern im Stromerstabsatz und verstärkt die Bedeutung von Stromimporten in Zeiten geringer Einspeisung aus Wind- und Solaranlagen“, stellte die Behörde fest.

Die gravierenden Langzeitfolgen der Energiekrise zeigen sich somit nicht nur in der Versorgungssicherheit, sondern auch in der Marktstruktur. Das Kartellamt mahnt dringend Maßnahmen an, um den Wettbewerb zu stärken und die Verbraucher vor überhöhten Preisen zu schützen.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration