Protest in der Lausitz: Sorge um neue Gaskraftwerke wächst
Protest in der Lausitz gegen Gaskraftwerks-Pläne

Der Energiekonzern Leag sieht die Lausitz bei den Plänen des Bundeswirtschaftsministeriums für neue Gaskraftwerke benachteiligt. Vorstandsvorsitzender Adi Roesch sagte der Deutschen Presse-Agentur: „Wir sehen unsere Chancen extrem reduziert.“ Dennoch betont er: „You never give up“ – als Fußballfan sei sein Motto, niemals aufzugeben.

Gesetzentwurf bevorzugt Süden

Ein Gesetzentwurf sieht vor, dass rund zwei Drittel der neuen Kraftwerkskapazitäten in ersten Ausschreibungsrunden in den sogenannten „netztechnischen Süden“ gelenkt werden. Dieses Gebiet umfasst Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und das Saarland. Roesch fordert: „Wenn es eine Priorisierung für zwei Drittel der ausgeschriebenen Kapazitäten im Süden und Westen gibt, muss mindestens das verbleibende Drittel für den Norden und Osten reserviert werden.“

Protestkundgebung angekündigt

Der Leag-Konzernbetriebsrat rief für Freitagvormittag zu einer Protestkundgebung im Industriepark Schwarze Pumpe in Spremberg auf. Die Befürchtung: Keine Gaskraftwerke kommen in die Lausitz. „Unsere Geduld ist am Ende“, heißt es in einem Schreiben, das der Betriebsrat unter anderem an Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) schickte.

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Leag-Vorstandschef Roesch erklärte, das Unternehmen werde trotz der schlechteren Ausgangslage an den Ausschreibungen teilnehmen. Seit zwei Jahren liefen umfangreiche Vorbereitungen für den Bau zweier wasserstofffähiger Gaskraftwerke im Osten – an den Standorten Schwarze Pumpe in Brandenburg und Lippendorf in Sachsen. „Das werde ich nicht einfach zur Seite legen, sondern dafür kämpfen“, sagte Roesch. Wegen des gesetzlich vereinbarten Kohleausstiegs müsse gesicherte Kraftwerksleistung im Norden und Osten Deutschlands ersetzt werden.

Die Enttäuschung in der Region sei derzeit groß, weil die Politik beim 2020 beschlossenen Ausstieg aus der Braunkohle zugesagt habe, den Strukturwandel der Lausitz zu unterstützen. Es entstehe das Gefühl, dass der Osten „wieder nicht berücksichtigt“ werde, meinte Roesch.

Ministerin: Gaskraftwerke in der Lausitz werden gebraucht

„Gaskraftwerke in der Lausitz werden gebraucht, und sie werden auch gebaut“, hatte Bundeswirtschaftsministerin Reiche bei einem Besuch des Energiekonzerns Leag in der Lausitz im vergangenen August gesagt. Damals hatte es bereits Proteste der Belegschaft gegeben.

Neue Gaskraftwerke sollen künftig als Backups einspringen, wenn der Strombedarf durch erneuerbare Energien nicht zu decken ist – in sogenannten „Dunkelflauten“, wenn weder Sonne noch Wind ausreichend Energie liefern. Deutschland will schrittweise bis 2038 aus der Kohleverstromung aussteigen, wodurch viel gesicherte Leistung verloren geht.

Die ersten Ausschreibungen für den Bau neuer Gaskraftwerke sollen der Leag zufolge Anfang September starten. Angesichts des boomenden Marktes für Gaskraftwerke seien schnelle Entscheidungen nötig, so Vorstandschef Roesch.

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