Putin erwägt sofortigen Stopp der Gaslieferungen in die EU: Energiekrise droht zu eskalieren
Putin erwägt sofortigen Gasstopp in die EU

Putin droht mit sofortigem Gasstopp: EU-Energiekrise könnte sich zuspitzen

Die Europäische Union hat sich zu einem vollständigen Stopp der Gaslieferungen aus Russland bis Ende 2027 durchgerungen. Nun droht Kremlchef Wladimir Putin damit, den Hahn selbst schon früher abzudrehen und die Lieferungen in die EU unverzüglich einzustellen. In einem Interview des russischen Staatsfernsehens, das auch vom Kreml veröffentlicht wurde, äußerte Putin Überlegungen, die Gasversorgung nach Europa sofort zu beenden.

Angespannte Lage auf dem Gasmarkt durch Irankrieg

Die Situation auf dem Gasmarkt ist aufgrund der Verwerfungen des Irankriegs bereits äußerst kritisch. Die Preise für Gas in Europa sind zuletzt kräftig in die Höhe geschossen. Angriffe auf Betriebsanlagen haben in Katar, einem der weltweit wichtigsten Produzenten von Flüssigerdgas (LNG), zu Produktionsstopps geführt. Zudem werden etwa 20 Prozent des weltweiten Flüssigerdgases durch die derzeit blockierte Straße von Hormus transportiert, was den globalen Handel weiter einschränkt.

Putin betonte in seinen Aussagen, dass sich für Russland neue Märkte öffnen und es möglicherweise vorteilhafter sei, sich jetzt auf diese zu konzentrieren. "Jetzt öffnen sich andere Märkte. Und vielleicht ist es für uns vorteilhafter, jetzt sofort die Lieferungen für den europäischen Markt einzustellen", sagte der russische Präsident. Er beauftragte die Regierung und Unternehmen, einen solchen Schritt zu prüfen, obwohl noch keine endgültige Entscheidung gefallen ist.

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EU-Sanktionen und russische Diversifizierungsbemühungen

Sollte Russland die Gaslieferungen nach Europa nun selbst stoppen, würde dies dem Inkrafttreten der EU-Sanktionen zuvorkommen. Die Europäische Union plant, bis Ende 2027 vollständig von russischem Gas unabhängig zu werden, nicht jedoch bereits im Frühjahr 2026. Trotz der Sanktionen liefert Russland bislang weiterhin in großem Umfang Gas nach Europa, wobei die LNG-Importe zuletzt leicht zurückgegangen sind. Laut Eurostat importierte die EU im Jahr 2025 Flüssigerdgas aus Russland im Wert von rund 7,4 Milliarden Euro, ein Minus von etwa drei Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Insgesamt wurden 2025 LNG-Importe im Wert von etwa 46,0 Milliarden Euro getätigt, wobei der Großteil aus den USA stammt. Russland arbeitet seit Längerem daran, seine Gaslieferungen massiv zu diversifizieren, insbesondere durch den Ausbau der Exporte nach China. Projekte wie Arctic LNG-2 auf der Gydan-Halbinsel zielen darauf ab, die Kapazitäten für Flüssigerdgas zu erweitern.

Putins Betonung auf Geschäft und Zuverlässigkeit

Putin behauptete, dass seine Überlegungen keinen politischen Hintergrund hätten, sondern rein geschäftlicher Natur seien. "Wenn die EU ohnehin bald kein russisches Gas mehr abnehme, ist es besser, jetzt selbst aufzuhören und in die Länder zu gehen, die zuverlässige Partner sind, und uns dort zu etablieren", erklärte er. Gleichzeitig betonte er, dass Russland ein verlässlicher Lieferant bleiben wolle, wobei er vor allem treue Kunden wie Ungarn und die Slowakei im Blick hat.

Die potenzielle Entscheidung Putins könnte die Energiekrise in Europa weiter verschärfen und die bereits hohen Gaspreise zusätzlich in die Höhe treiben. Die Bundesregierung hat als Reaktion auf die angespannte Lage eine Gas-Taskforce eingesetzt, um die Situation zu managen und alternative Versorgungsquellen zu sichern.

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