Historischer Moment für die Energiewende: Schornstein-Sprengung in Ibbenbüren
Ein lauter Knall und eine gewaltige Staubwolke markierten das Ende einer Ära: In Ibbenbüren im nördlichen Westfalen wurde der imposante 275 Meter hohe Schornstein des ehemaligen Steinkohlekraftwerks gesprengt. Die spektakuläre Aktion bildet den Abschluss einer umfassenden Transformation des Geländes, das künftig eine zentrale Rolle für die erneuerbare Energieversorgung übernehmen wird.
Monatelange Vorbereitungen für den kontrollierten Abriss
Der Abriss des Stahlbeton-Kolosses erforderte akribische Planung und umfangreiche Vorbereitungen. Die Abriss- und Recyclingfirma Hagedorn, die seit 2023 Eigentümerin des Geländes ist, füllte das Fallbett für den Schornstein mit beeindruckenden 35.000 Tonnen Bauschutt auf. Aus dem Inneren des Bauwerks mussten die Arbeiter zunächst etwa 2.000 Kubikmeter Füllsand entfernen, um eine kontrollierte Sprengung zu ermöglichen.
Insgesamt brachte der Sprengmeister neben dem Schornstein auch eine Rauchgas-Entschwefelungsanlage und eine Entstickungsanlage zu Fall. Die Gesamtmasse der gesprengten Bauwerke belief sich auf gewaltige 15.500 Tonnen. Für diese monumentale Aufgabe setzten die Experten 600 Kilogramm Sprengstoff ein – eine präzise berechnete Menge, um die Strukturen sicher zu Fall zu bringen.
Von Kohle zu Windkraft: Ein neues Kapitel beginnt
Mit der Sprengung verschwand die letzte weithin sichtbare Landmarke des früheren RWE-Kraftwerks, die bis nach Niedersachsen zu sehen war. Bereits im April 2025 waren der Kühlturm und das Kesselhaus des Kraftwerks gesprengt worden. RWE hatte 2021 in Hamm und Ibbenbüren seine letzten beiden Steinkohlekraftwerke in Deutschland stillgelegt, was den endgültigen Abschied von der Kohleverstromung an diesen Standorten markierte.
Nach der Aufarbeitung des Geländes durch Hagedorn wird der Übertragungsnetzbetreiber Amprion das Grundstück ab Sommer übernehmen. Das Unternehmen plant den Bau einer modernen Konverterstation, die ab 2031 in Betrieb gehen soll. Diese Anlage wird eine zentrale Funktion in der Energieinfrastruktur übernehmen: Sie soll Windstrom von den Offshore-Anlagen in der Nordsee ins nordrhein-westfälische Stromnetz einspeisen und so einen wichtigen Beitrag zur Energiewende leisten.
Sicherheitsvorkehrungen und Recycling-Quote
Die Sicherheit stand bei der Sprengung an erster Stelle. Knapp 500 Anwohner in einem Radius von 600 Metern mussten den Bereich für die Sprengung vorübergehend verlassen. Zahlreiche Schaulustige verfolgten das Spektakel, konnten allerdings nur einen Teil des Geschehens beobachten, da die obere Hälfte des Schornsteins von Nebel und Wolken verdeckt war.
Ein bemerkenswerter Aspekt des Abrisses ist die hohe Recycling-Quote: Laut Mitteilung von Hagedorn können 97 Prozent des Materials wiederverwertet werden. Diese nachhaltige Vorgehensweise unterstreicht den ganzheitlichen Ansatz des Projekts, das nicht nur den Übergang zu erneuerbaren Energien symbolisiert, sondern auch ressourcenschonend umgesetzt wird.
Die Sprengung des Schornsteins in Ibbenbüren markiert somit nicht nur das Ende einer fossilen Energie-Ära, sondern auch den Beginn einer neuen Infrastruktur für saubere Energie aus der Nordsee. Das Projekt steht exemplarisch für den strukturellen Wandel in ehemaligen Kohleregionen und zeigt, wie Industrieflächen nachhaltig umgenutzt werden können.



