US-Sanktionen bedrohen PCK-Raffinerie: Bundesregierung verhandelt über Versorgungssicherheit
US-Sanktionen bedrohen PCK-Raffinerie: Bund verhandelt

US-Sanktionen bedrohen PCK-Raffinerie: Bundesregierung verhandelt über Versorgungssicherheit

In Brandenburg herrscht erneut Besorgnis um die Zukunft der PCK-Raffinerie in Schwedt. Nachdem die Anlage die Umstellung von russischem Öl erfolgreich bewältigt hat, drohen nun mögliche US-Sanktionen ab dem 29. April, wenn eine derzeitige Aussetzungsregelung ausläuft. Die Bundesregierung befindet sich in intensiven Verhandlungen mit US-Behörden, um die Versorgungssicherheit mit Benzin, Heizöl und anderen Raffinerieprodukten im Nordosten Deutschlands zu gewährleisten.

Kritische Infrastruktur für mehrere Regionen

Die PCK-Raffinerie versorgt nicht nur Teile von Berlin und Brandenburg, sondern auch Mecklenburg-Vorpommern sowie Westpolen mit lebenswichtigen Produkten wie Sprit, Heizöl und Kerosin. Ein Sprecher des Bundeswirtschaftsministeriums betonte: „Die Bundesregierung setzt sich wie schon seit Beginn der Legislatur dafür ein, dass die Versorgungssicherheit in Deutschland auch weiterhin gewährleistet bleibt sowie der Standort erhalten bleibt.“ Gleichzeitig bereitet sich die Regierung auf Alternativszenarien vor, falls die Sanktionen tatsächlich greifen sollten.

Besorgnis bei PCK-Führung und regionalen Politikern

Die Geschäftsführung der PCK zeigt sich alarmiert. In einem Brief an Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) erklärten Ralf Schairer und Harry Gnorski bereits Mitte Januar: „Wir stellen bereits heute (...) Einschränkungen in unserem Geschäftsbetrieb fest.“ Die Landrätin der Uckermark, Karina Dörk (CDU), drängt auf schnelle Unterstützung: „Das ist das Problem, was zuerst gelöst werden muss, mit der amerikanischen Seite zu verhandeln, dass diese Sanktionen gegen Rosneft auch über den 29. April aufgrund der Treuhandschaft nicht gelten.“

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Hintergrund: Treuhandverwaltung und Sanktionsregime

Die Raffinerie gehört zu 54 Prozent deutschen Töchtern des russischen Staatskonzerns Rosneft, die der Bund wegen des Kriegs in der Ukraine unter Treuhandverwaltung gestellt hat. Die US-Sanktionen verbieten praktisch jede wirtschaftliche Interaktion mit Rosneft und seinen Tochterfirmen – nicht nur für US-Unternehmen, sondern auch für ausländische Banken und Geschäftspartner. Zwar gab es im Oktober eine vorübergehende Zusicherung der US-Behörden, dass sich die Sanktionen nicht gegen die deutschen Rosneft-Töchter richten sollten, doch diese Regelung läuft nun aus.

Zukunftsprojekte in Gefahr

In Schwedt geht es längst nicht mehr nur um die traditionelle Raffinerieproduktion. Am Standort plant das Unternehmen Concrete Chemicals mit 350 Millionen Euro Fördermitteln die Herstellung von synthetischem Flugzeugkraftstoff – ein Leuchtturmprojekt für die Produktion von E-Kerosin in Deutschland. Das Wirtschaftsministerium bezeichnet dies als „zentrales Vorreiterprojekt“, dessen Realisierung durch die Sanktionsunsicherheit gefährdet wird.

Politische Reaktionen und nächste Schritte

Der Linke-Bundestagsabgeordnete Christian Görke warnt vor dramatischen Folgen: „Ein Greifen der US-Sanktionen hätte dramatische Folgen für die Versorgung mit Raffinerieprodukten in Deutschland.“ Das Bundeswirtschaftsministerium verweist auf eine kürzlich beschlossene Änderung des Außenwirtschaftsgesetzes, die eine alternative Grundlage für die Treuhandverwaltung schafft. Am Dienstag (17. Februar) tagt erneut die Taskforce PCK unter Leitung von Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD), um über die weitere Vorgehensweise zu beraten.

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