USA bauen Einfluss auf Balkan mit Gaslieferungen aus
USA bauen Einfluss auf Balkan mit Gas aus

Die USA drängen mit milliardenschweren Investitionen und LNG-Lieferungen auf den Balkan. Europa droht in neue Abhängigkeiten zu geraten.

US-Investitionen in die Energieinfrastruktur

Die Vereinigten Staaten investieren massiv in die Energieinfrastruktur auf dem Balkan, um Russland als größten Gaslieferanten abzulösen. Eine Schlüsselrolle spielt dabei Griechenland. Die USA nutzen den Umbau der Energieversorgung in Europa, um ihren geopolitischen Einfluss auszubauen. Mit Investitionen in Pipelines und LNG-Terminals sowie langfristigen Lieferverträgen wollen sie wichtigster Gaslieferant der Region werden. Doch in Brüssel wächst die Sorge, dass Europa damit eine alte Abhängigkeit durch eine neue ersetzt.

Pipeline nach Bosnien: Milliardenprojekt von US-Firma

Am Rande eines Wirtschaftsforums in Dubrovnik unterzeichneten US-Unternehmen kürzlich Verträge im Wert von mehreren Milliarden Dollar. Zu den wichtigsten Projekten gehört der Bau der Erdgasleitung „Southern Interconnection“. Sie soll amerikanisches Flüssigerdgas (LNG), das am Terminal auf der kroatischen Insel Krk anlandet, nach Bosnien und Herzegowina transportieren. Die 236 Kilometer lange Pipeline mit geschätzten Kosten von 1,5 Milliarden Dollar wird vom US-Unternehmen AAFS Infrastructure and Energy LLC finanziert, gebaut und betrieben. US-Energieminister Chris Wright sagte dem Projekt die Unterstützung der amerikanischen Regierung zu. AAFS verfügt über enge Verbindungen in das Umfeld von Präsident Donald Trump.

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Bosnien umgeht Vergaberegeln

Für Bosnien hat das Projekt strategische Bedeutung. Das Land bezieht sein Erdgas bislang nahezu vollständig aus Russland über die TurkStream-Pipeline. Mit der Southern Interconnection, die 2028 in Betrieb gehen soll, erhielte Bosnien erstmals direkten Zugang zu nicht-russischen Gasquellen. Die Regierung in Sarajevo erteilte dem US-Unternehmen per Sondergesetz und ohne Ausschreibung eine 30-jährige Konzession. Das stößt in Brüssel auf Kritik. Die EU warnt, dass die Umgehung von Vergabestandards die Integration des Beitrittskandidaten in den europäischen Energiemarkt gefährden könnte.

LNG-Importe aus USA steigen rasant

Unterdessen machen die USA Geschäfte. Im Februar verabschiedete der US-Kongress das Gesetz „Western Balkans Democracy and Prosperity Act“. Es soll die wirtschaftliche Zusammenarbeit vertiefen. Seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine haben sich die LNG-Importe der EU aus den USA verdreifacht. Im Jahr 2025 deckten die EU-Staaten 58 Prozent ihrer LNG-Einfuhren mit amerikanischem Gas. Analysten erwarten, dass der Anteil bis 2028 auf 80 Prozent steigen könnte. In Griechenland kamen im ersten Quartal 2026 bereits 66 Prozent der LNG-Importe aus den USA.

Griechenland als Drehscheibe für US-Gas

Die USA betrachten Griechenland als wichtigsten Energiepartner im östlichen Mittelmeer. Von den griechischen LNG-Terminals in Revythousa und Alexandroupoli wird amerikanisches Erdgas über den „vertikalen Korridor“ nach Bulgarien, Rumänien, Moldau, Ungarn und bis in die Ukraine weitergeleitet. Auch Nordmazedonien und Serbien beabsichtigen, sich dem Netz anzuschließen. Ende April schloss die griechische Aktor Group einen 20-jährigen Vertrag über die Lieferung von amerikanischem LNG nach Albanien. Das Volumen beläuft sich auf sechs Milliarden Dollar.

EU fürchtet neue Abhängigkeit

Für die Europäische Union ist diese Entwicklung ambivalent. Einerseits hilft amerikanisches LNG dabei, russisches Pipelinegas zu ersetzen. Andererseits wächst die Sorge, dass sich Europa in eine neue strategische Dependenz von den USA begibt. EU-Kommissionsvizepräsidentin Teresa Ribera warnte bereits: „Wir erhöhen unsere Abhängigkeit von LNG-Importen aus den USA erheblich.“ Die US-amerikanische Energieoffensive ist Teil einer umfassenderen Strategie. US-Unternehmen investieren auch in die digitale Infrastruktur auf dem Balkan, um chinesische Anbieter zurückzudrängen. Parallel dazu bauen die USA ihre militärische Präsenz aus. Energie-, Infrastruktur- sowie Verteidigungspolitik greifen damit immer stärker ineinander.

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