Wasserstoff-Leitung südlich von Hamburg erhält grünes Licht für Weiterbau
Ein bedeutender Schritt für die deutsche Energiewende ist getan: Das niedersächsische Landesbergbauamt hat den Weiterbau und Betrieb einer Wasserstoffleitung von Hamburg-Moorburg zur Gemeinde Rosengarten im Landkreis Harburg offiziell genehmigt. Diese Entscheidung ebnet den Weg für eine zukunftsweisende Infrastruktur, die bereits im nächsten Jahr Industriebetriebe mit dem klimafreundlichen Energieträger versorgen soll.
Pionierprojekt mit teilweise bestehender Infrastruktur
Die geplante Leitung mit der Bezeichnung HH-Win-C70 wird insgesamt etwa zwölf Kilometer lang sein. Ein Sprecher der Hamburger Energienetze GmbH erklärte dazu, dass nicht die gesamte Strecke neu gebaut werden müsse. Bereits 7,5 Kilometer bestehen aus einer alten Bestandsleitung, die intensiv getestet und gründlich gereinigt wurde. Lediglich 4,5 bis 5 Kilometer müssen noch neu verlegt werden. Auf Hamburger Stadtgebiet laufen die Bauarbeiten bereits.
„Wir sind Pioniere auf diesem Gebiet“, betonte Bernd Eilitz, Sprecher der Hamburger Energienetze. Tatsächlich existiert in Deutschland bislang noch kein flächendeckendes Wasserstoffleitungsnetz. Bisher finden sich solche Leitungen nur auf den Geländen großer Industrieunternehmen.
Hamburg als europäisches Wasserstofftor
Die geplante Leitung soll Wasserstoff transportieren, der entweder über den Hamburger Hafen importiert oder direkt vor Ort produziert wird. Am Standort des ehemaligen Kohlekraftwerks Moorburg entsteht derzeit ein leistungsstarker 100-Megawatt-Elektrolyseur, dessen Grundstein im Dezember 2025 gelegt wurde. Ab der zweiten Jahreshälfte 2027 sollen hier jährlich etwa 10.000 Tonnen grüner Wasserstoff erzeugt werden.
Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) bezeichnete die Produktion von grünem Wasserstoff als „Zukunftstechnologie mit enormem Potenzial zur CO₂-Reduktion“. Umweltsenatorin Katharina Fegebank (Grüne) ergänzte: „Wasserstoff ist ein zentraler Baustein für eine klimaneutrale Energieversorgung unserer Industrie. Wir schaffen in Hamburg die Voraussetzungen, um zum Wasserstofftor für Deutschland und Europa zu werden.“
Grüner Wasserstoff für die Stahlindustrie
Ein wichtiger Abnehmer des produzierten Wasserstoffs soll das Hamburger Werk des Stahlkonzerns ArcelorMittal sein. Hier könnte der klimafreundliche Energieträger zur Herstellung von grünem Stahl verwendet werden, bei dem Wasserstoff traditionelle Kohle und Koks ersetzt. Diese Umstellung wäre ein wesentlicher Beitrag zur Reduzierung der CO₂-Emissionen in der Stahlindustrie.
Allerdings gibt es bei diesem ambitionierten Vorhaben auch Verzögerungen. Der Hamburger Senat räumte im Dezember 2025 ein, dass sich die Umstellung auf eine grüne Stahlproduktion um mehrere Jahre verzögern könnte. Diese Aussage erfolgte als Antwort auf eine Kleine Anfrage des Linken-Abgeordneten Stephan Jersch. Bereits im Juni 2024 hatte ArcelorMittal Pläne für klimaneutrale Produktionsumstellungen an anderen Standorten aufgegeben.
Finanzierung und Zeitplan
Für den Elektrolyseur und die notwendige Infrastruktur in Moorburg werden erhebliche Mittel investiert:
- Ein mittlerer dreistelliger Millionenbetrag aus Senatsmitteln
- Eine Fördermittelzusage über 154 Millionen Euro
- Private Investitionen der Projektpartner
Die Wasserstoffleitung nach Rosengarten soll nach aktueller Planung im Sommer oder Herbst 2027 in Betrieb genommen werden. Sie wird den transportierten Wasserstoff an das Fernleitungsnetz anschließen und so eine wichtige Verbindung zwischen Produktionsstandort und industriellen Verbrauchern schaffen.
Grüner Wasserstoff, der durch Elektrolyse von Wasser mittels Strom aus erneuerbaren Energien gewonnen wird, gilt als einer der vielversprechendsten Hoffnungsträger im Kampf gegen den Klimawandel. Das nun genehmigte Projekt südlich von Hamburg markiert einen konkreten Schritt hin zu einer nachhaltigen Energieinfrastruktur in Deutschland.



