Kryptowährungen im Abwärtstrend - Banken wollen trotzdem einsteigen
Die Welt der digitalen Vermögenswerte erlebt derzeit ein dramatisches Kursdebakel. Gleichzeitig bereiten sich traditionelle Finanzinstitute wie Sparkassen und Volksbanken darauf vor, ihren Kunden den Handel mit Kryptowährungen zu ermöglichen. Diese Entwicklung alarmiert Verbraucherschützer und Finanzaufsichtsbehörden gleichermaßen, die vor den immensen Risiken dieser hochspekulativen Anlageform warnen.
Bitcoin verliert dramatisch an Wert
Innerhalb von nur fünf Monaten hat sich der Kurs der wichtigsten Kryptowährung Bitcoin mehr als halbiert. Kostete ein Bitcoin im Oktober 2025 noch zeitweise über 126.000 US-Dollar, so rutschte der Kurs Anfang Februar 2026 auf Niveaus unter 63.000 US-Dollar ab. Diese extreme Volatilität unterstreicht, dass es sich bei Kryptowährungen um eine hochspekulative Anlageform handelt, die Nerven wie Drahtseile erfordert.
Marion Laboure, Finanzanalystin bei der Deutschen Bank, urteilt: "Die anhaltende Verkaufswelle signalisiert unserer Ansicht nach, dass traditionelle Investoren das Interesse verlieren und der allgemeine Pessimismus gegenüber Kryptowährungen zunimmt." Viele Argumente, die zuvor für einen Kauf sprachen, hätten sich nicht bewahrheitet, weshalb Investoren digitale Vermögenswerte nun neu bewerten würden.
Profianleger ziehen sich zurück
Jonathan Osswald, Analyst der DZ-Bank, bestätigt diesen Trend: "Das Interesse von institutionellen Investoren hat jüngst deutlich nachgelassen." Innerhalb weniger Wochen habe es Nettoabflüsse von mehreren Milliarden US-Dollar gegeben. Viele Profianleger, die zuvor den Bitcoin-Kurs nach oben getrieben hatten, seien auf die Verkäuferseite gewechselt. Osswald führt dies auf das insgesamt unruhige makroökonomische Umfeld zurück, unter dem risikoreichere Asset-Klassen besonders stark litten.
Mehrere Faktoren belasten den Kryptomarkt
Die Gründe für den Bitcoin-Kursverlust sind vielfältig:
- Die mögliche Nominierung von Kevin Warsh als neuem Fed-Vorsitzenden könnte zu einer restriktiveren Geldpolitik der US-Notenbank führen
- Ein erhöhtes Zinsniveau macht Kryptowährungen per se weniger attraktiv
- Spekulanten, die mit geliehenem Geld auf steigende Kurse gesetzt hatten, haben die aktuelle Misere angeheizt
- Automatische Verkaufsaufträge bei Unterschreitung kritischer Preisniveaus drücken den Kurs weiter nach unten
Fundamentale Bewertung unmöglich
Für Jonas Krettek, Investmentstratege der Apobank, haben Bitcoins in einem auf nachhaltige Vermögensanlage ausgerichteten Depot nichts zu suchen. "Kryptos sind weder Währung noch eine eigene Anlageklasse, sondern eine hochspekulative Anlageform", warnt der Banker. Er geht sogar noch weiter und spricht Bitcoins & Co. jegliche Werthaltigkeit ab.
Krettek argumentiert: "Aufgrund fehlender Cashflows bei Kryptos gibt es kein Bewertungsmodell und jede Investition wird zu einem Blindflug. Ein fundamental begründbarer fairer Preis lässt sich daher nicht bestimmen - das macht fundierte Investitionsentscheidungen unmöglich."
Risiken überwiegen deutlich
Krettek sieht mehrere grundlegende Probleme bei Kryptowährungen:
- Sie besitzen weder einen intrinsischen Wert noch erfüllen sie eine wichtige Funktion
- Die Akzeptanz als Zahlungsmittel für Waren und Dienstleistungen ist äußerst gering
- Es fehlt ein stabiler fundamentaler Bezugspunkt, weshalb die Preisfindung rein spekulativ getrieben wird
- Ökologische Bedenken aufgrund des hohen Energieverbrauchs
- Weitverbreitete Nutzung durch kriminelle Akteure
"Insgesamt würden die Risiken gegenüber den Chancen deutlich überwiegen", so Krettek. Insbesondere jüngere und nach Marktkapitalisierung kleine Kryptos würden rasch illiquide werden, mit der Folge, dass Investoren nicht selten einen Totalverlust erlitten.
Banken planen trotzdem den Einstieg
Besonders alarmierend ist, dass immer mehr Banken ihren Kunden den Handel mit Kryptowährungen ermöglichen wollen. Privatbanken wie die Deutsche Bank, aber auch die Sparkassen und Volksbanken planen noch in diesem Jahr ins Krypto-Geschäft einzusteigen. Sie wollen ihren Kunden Kauf und Verkauf sowie die Verwahrung von Bitcoin und anderen Kryptowährungen anbieten.
Dies markiert einen deutlichen Kurswechsel. Noch vor wenigen Jahren hatte Ulrich Reuter, inzwischen Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands, erklärt, Kryptowährungen seien keine Geldanlagen, die die Sparkassen ihren Kunden anbieten wollten.
Verbraucherschützer schlagen Alarm
Verbraucherschützer reagieren besorgt auf diese Entwicklung. Sandra Klug von der Verbraucherzentrale Hamburg warnt: "Wenn Kryptowährungen plötzlich bei jeder Sparkasse erhältlich sind, wirken sie womöglich weniger riskant, als sie sind."
Auch Mark Branson, Präsident der Finanzaufsicht Bafin, sieht in Kryptowährungen mittlerweile ein "zentrales Verbraucherrisiko". Auf einer Bankentagung im vergangenen September erklärte er: "Denn wenn etwas zugänglicher werde, mache es das nicht zu einer sinnvolleren Investition." Für ihn sei die Anlageklasse "mehr Casino als Investment".
Die Kombination aus massiven Kursverlusten bei Kryptowährungen und dem geplanten Einstieg traditioneller Banken in dieses Geschäft sorgt somit für erhebliche Besorgnis bei Aufsichtsbehörden und Verbraucherschützern. Anleger sollten sich der extremen Risiken bewusst sein, bevor sie in diese volatile Anlageklasse investieren.



