Bis zu 19,75 Prozent Zinsen für Überziehung: Tiefrot im Dispo? So gnadenlos kassieren Banken ab
Mehr Geld abzuheben, als man auf dem Konto hat, kann extrem teuer werden. Eine aktuelle Verivox-Auswertung von mehr als 6600 Girokonten auf Basis von BaFin-Daten zeigt, dass Bankkunden für die Überziehung ihres Girokontos nach wie vor sehr hohe Zinsen zahlen müssen. Im Durchschnitt verlangen die Kreditinstitute aktuell 11,28 Prozent, in der Spitze sogar 15,31 Prozent. Wird der vereinbarte Disporahmen überschritten, kassiert knapp die Hälfte aller Geldhäuser einen zusätzlichen Zinsaufschlag für die sogenannte geduldete Überziehung.
Bis zu 15,31 Prozent Dispozinsen: Genossenschaftsbanken und Sparkassen besonders teuer
Den bundesweit höchsten Dispozins berechnet aktuell die VR-Bank Landsberg-Ammersee mit 15,31 Prozent. Dahinter folgen die Volksbank Nordharz mit 14,77 Prozent und die vor allem in Dänemark und Norddeutschland aktive Sydbank mit 14,55 Prozent. Oliver Maier, Geschäftsführer der Verivox Finanzvergleich GmbH, ordnet ein: „Zur kurzfristigen Überbrückung eines finanziellen Engpasses ist der Dispo praktisch, doch diese Flexibilität müssen Bankkunden teuer bezahlen.“
Unter den Kreditinstituten mit einem besonders teuren Dispo ist die Sydbank die einzige Privatbank. Ansonsten befinden sich unter den 20 Geldhäusern mit den höchsten Dispozinsen elf Genossenschaftsbanken und acht Sparkassen. Dieses Bild zeigt deutlich, dass gerade regionale und genossenschaftliche Institute oft besonders hohe Zinsen für Dispokredite verlangen.
Jedes zweite Konto verlangt Extra-Aufschlag bei Überschreitung
Wenn Verbraucher den eingeräumten Verfügungsrahmen überschreiten, müssen sie für diese geduldete Überziehung bei 45 Prozent aller Konten nochmals einen Zinsaufschlag bezahlen – meist in einer Größenordnung von 2 bis 6 Prozentpunkten. Der durchschnittliche Aufschlag für die geduldete Kontoüberziehung liegt aktuell bei 4,25 Prozentpunkten.
Am teuersten ist die geduldete Kontoüberziehung bei der Raiffeisenbank Pfaffenhofen an der Glonn. Hier müssen Kundinnen und Kunden satte 19,75 Prozent Zinsen zahlen, wenn sie den eingeräumten Dispo-Rahmen überschreiten. Der reguläre Dispozins ist mit 13,75 Prozent ebenfalls überdurchschnittlich hoch und zeigt, wie kostspielig eine dauerhafte Überziehung werden kann.
Ähnliches Bild bei Überziehungszinsen: Genossenschaftsbanken dominieren
Auch für die geduldete Kontoüberziehung hat Verivox anhand der BaFin-Daten die 20 Kreditinstitute mit den höchsten Zinsen identifiziert. Bei der Verteilung auf die unterschiedlichen Bankengruppen zeigt sich ein ähnliches Bild wie bei den regulären Dispozinsen: Unter den 20 Geldhäusern mit den höchsten Zinsen befinden sich zwölf Genossenschaftsbanken, sieben Sparkassen und eine Privatbank.
Maier betont: „Bei der Wahl des passenden Girokontos sollten Verbraucher nicht nur auf die Dispo- und Überziehungszinsen achten. Aber je häufiger Bankkunden den Dispokredit in Anspruch nehmen, desto wichtiger sind natürlich auch günstige Konditionen.“ Ein gutes Konto zeichne sich darüber hinaus durch niedrige Kontoführungsgebühren sowie geringe Kosten für die zugehörige Karte und fürs Geldabheben aus.
Ratenkredite oft nur halb so teuer: Umschuldung kann sich lohnen
Bei kurzfristiger Disponutzung bleiben die Kosten trotz der hohen Zinsen überschaubar. Wer für zehn Tage mit 500 Euro im Minus steht, muss dafür bei einem durchschnittlichen Dispozins von 11,28 Prozent lediglich 1,57 Euro Zinsen zahlen. Wenn das Konto hingegen dauerhaft in den roten Zahlen steht, sollten Verbraucher günstigere Alternativen zum Dispo prüfen und eine Umschuldung in Erwägung ziehen.
Die Zinsen für einen Ratenkredit mit guten Konditionen sind oft nur etwa halb so hoch wie die Dispozinsen auf dem Girokonto. Für die Analyse hat Verivox am 26. Februar 2026 bei der BaFin einen Datensatz mit über 6600 Girokontomodellen von rund 1100 Banken und Sparkassen heruntergeladen und ausgewertet. Die Ergebnisse zeigen deutlich: Wer regelmäßig seinen Dispo nutzt, sollte die Konditionen genau prüfen und gegebenenfalls über einen Wechsel nachdenken.



