Top-Ökonom fordert höhere Mehrwertsteuer mit Gegenfinanzierung durch andere Steuersenkungen
Ökonom für höhere Mehrwertsteuer mit Ausgleich

Ökonom plädiert für Mehrwertsteuererhöhung mit kompensierenden Senkungen

In der Bundesregierung werden derzeit Überlegungen zu einer möglichen Anhebung der Mehrwertsteuer diskutiert. Der renommierte Volkswirt Moritz Schularick, Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW Kiel), unterstützt diesen Vorstoß grundsätzlich, stellt jedoch eine entscheidende Bedingung: Eine andere Steuer müsste im gleichen Umfang gesenkt werden.

Konkrete Vorschläge zur Steuerumverteilung

Schularicks Idee sieht vor, dass bei einer Erhöhung der Mehrwertsteuer gleichzeitig die Einkommensteuer und die Sozialversicherungsbeiträge reduziert werden müssten. „Wir sind ein Land, das massiv von jung nach alt umverteilt. Wir belasten die Jungen, um es den Alten zu geben“, erklärte der Experte im „Berlin Playbook“-Podcast von Politico. Durch diese Steuerverschiebung würde der Konsum zwar teurer, Arbeitseinkommen würden jedoch spürbar entlastet.

Der Ökonom argumentiert, dass eine höhere Mehrwertsteuer vor allem ältere Menschen mit größeren Vermögen belasten würde, während jüngere Berufstätige von den geplanten Entlastungen profitieren könnten. „Von diesem Geld könne man bei einer höheren Mehrwertsteuer weniger kaufen. Wer arbeitet – vor allem Jüngere – würde hingegen entlastet“, so Schularick.

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Aktuelle Diskussionen und politische Positionen

Derzeit liegt der reguläre Mehrwertsteuersatz in Deutschland bei 19 Prozent. In Regierungskreisen wird über eine Erhöhung auf 21 oder sogar 22 Prozent nachgedacht. Die zusätzlichen Einnahmen könnten genutzt werden, um:

  • Steuerentlastungen für niedrige und mittlere Einkommen zu finanzieren
  • Sozialversicherungsbeiträge für Gesundheit, Pflege und Rente zu senken
  • Den ermäßigten Mehrwertsteuersatz auf Grundnahrungsmittel von 7 auf 4 Prozent zu reduzieren

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat sich zu möglichen Steuerreformen zurückhaltend geäußert: „Wir schließen nichts aus.“ Dagegen positionierte sich Vizekanzler und Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) deutlich gegen eine Mehrwertsteuererhöhung: „Das ist nicht mein Weg.“

Europäischer Vergleich und wirtschaftliche Argumente

Schularick weist darauf hin, dass Deutschland im europäischen Vergleich einen relativ niedrigen Mehrwertsteuersatz habe, während Arbeitseinkommen vergleichsweise hoch besteuert würden. „Und wenn man halt will, dass Arbeiten sich lohnt, dann macht es schon Sinn, die Arbeit geringer zu besteuern“, begründet der IfW-Experte seinen Vorschlag.

Die Debatte um eine mögliche Steuerreform gewinnt vor dem Hintergrund demografischer Veränderungen und generationenpolitischer Fragen an Bedeutung. Schularicks Modell zielt explizit auf eine Umverteilung von Alt zu Jung ab und könnte langfristige Auswirkungen auf das Steuersystem und die soziale Gerechtigkeit in Deutschland haben.

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