VR Plus in der Krise: Mitglieder verweigern Vorstand die Entlastung
Die VR Plus Altmark-Wendland befindet sich in stürmischen Gewässern. Bei der jüngsten Mitgliederversammlung erhielt der Vorstand für das Geschäftsjahr 2024 keine Entlastung von den Mitgliedern. Diese Entscheidung markiert einen deutlichen Vertrauensverlust und hat zu erheblichen Unsicherheiten innerhalb der Bank geführt. Personalwechsel und strategische Unklarheiten sind die unmittelbaren Folgen dieser Entwicklung.
Neue Vorstandsmitglieder sollen den Kurs korrigieren
Als Reaktion auf die Krise hat der Aufsichtsrat beschlossen, das Vorstandsgremium um zwei zusätzliche Mitglieder zu erweitern. Thorsten Briest und Mathias Knoll, beide bereits als Generalbevollmächtigte in verantwortlichen Positionen tätig, wurden berufen. Die Bank setzt damit bewusst auf interne Expertise, um den bildlich gesprochen großen Tanker wieder in sicherere Fahrwasser zu lenken.
Christoph Feil, bereits seit Januar 2026 im Vorstand, übernimmt nun die Gesamtbanksteuerung mit Rechnungswesen, Meldewesen, Betriebsorganisation und IT. Mathias Knoll wird für Marktfolge Kredit und Passiv, Innenrevision sowie Beauftragtenwesen verantwortlich sein. Thorsten Briest übernimmt als neuer Marktvorstand die Verantwortung für alle fünf Geschäftsfelder sowie für Handel, Personal, Öffentlichkeitsarbeit und Marketing.
Die Bedeutung der VR Plus in der Region
Die 1917 gegründete VR Plus Altmark-Wendland mit Hauptsitz in Lüchow gehört mit einer Bilanzsumme von 1,029 Milliarden Euro zu den größten gemischtwirtschaftlichen Kreditgenossenschaften Deutschlands. Mit über 800 Mitarbeitern und fünf Geschäftsfeldern – Bank, Technik, Energie, Markt und Agrar – ist die Genossenschaft in vier Bundesländern aktiv: Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern. Knapp 13.000 Mitglieder vertrauen der Bank im Privat- und Firmenkundengeschäft.
Ungewisse Zukunft für Filialen wie Dömitz
Besonders betroffen von der Krise sind Standorte wie Dömitz, wo die VR Plus nicht nur mit einer Bankfiliale, sondern auch mit einer Tankstelle und einem Baumarkt vertreten ist. Diese Einrichtungen prägen maßgeblich das örtliche Geschäftsleben. Auf konkrete Nachfragen zur Zukunft dieser Standorte gibt die Bank jedoch nur vage Antworten.
„Vorstand und Aufsichtsrat überprüfen regelmäßig die strategische Ausrichtung und operative Aufstellung der VR Plus und seiner Tochterunternehmen“, teilt die Bank mit. Dabei würden Marktentwicklungen, Kundenbedürfnisse, makroökonomische Herausforderungen und sich ändernde bankaufsichtsrechtliche Rahmenbedingungen berücksichtigt.
Neustrukturierungsprozess noch nicht abgeschlossen
Der nach den Wirren um den alten Vorstand gestartete Neustrukturierungsprozess ist laut Bankangaben noch nicht abgeschlossen. Man verspricht jedoch, zu gegebener Zeit transparent über die Ergebnisse dieser Neufindung zu informieren. Für die Mitarbeiter, Kunden und die betroffenen Regionen bedeutet dies weiterhin eine Phase der Unsicherheit.
Die Schockwellen der Vertrauenskrise sind in der gesamten Elbregion spürbar. Die Entscheidung der Mitglieder, dem Vorstand die Entlastung zu verweigern, hat tiefe Spuren hinterlassen. Ob die neuen Vorstandsmitglieder den großen Tanker tatsächlich wieder in ruhigere Gewässer steuern können, bleibt abzuwarten. Die Zukunft von Filialen, Tankstellen, Baumärkten und damit verbundenen Arbeitsplätzen hängt maßgeblich vom Erfolg dieses Neustrukturierungsprozesses ab.



