Speditionen in Not: Hohe Spritpreise durch Iran-Konflikt drohen Insolvenzwelle
Spritpreisexplosion durch Iran-Krieg bedroht Transportbranche

Speditionen in existenzieller Not: Iran-Krieg treibt Spritpreise in die Höhe

Die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten haben dramatische Auswirkungen auf die deutsche Transportbranche. Durch die Sperrung der Straße von Hormus im Persischen Golf sind die Öl- und Spritpreise förmlich explodiert. Besonders betroffen sind Transportunternehmen in Mecklenburg-Vorpommern, die mit existenziellen Herausforderungen konfrontiert sind.

Monatliche Mehrkosten von 100.000 Euro belasten Rostocker Spedition

Stephan Gustke, Geschäftsführer der traditionsreichen Spedition Heinrich Gustke aus Rostock, schlägt Alarm. Das Familienunternehmen in dritter Generation beschäftigt 250 Mitarbeiter und verfügt über eine Flotte von 120 Lkw. Die Hälfte der Fahrzeuge fährt mit Diesel, die andere mit Bio-Flüssiggas – beide Treibstoffarten sind massiv im Preis gestiegen.

„Wir verbrauchen im Monat circa 250.000 Liter Treibstoff“, erklärt Gustke gegenüber dem Nordkurier. „Mit einer Erhöhung von 0,40 bis 0,50 Euro pro Liter bedeutet das schnell 100.000 Euro Mehrkosten im Monat, die wir nicht zu 100 Prozent an unsere Kunden weitergeben können.“

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Das Unternehmen ist gezwungen, sämtliche Touren zu überprüfen, die Auslastung zu optimieren und sogar Aufträge abzulehnen. Diese Maßnahmen zeigen die dramatische Situation, in der sich viele Transportunternehmen aktuell befinden.

Kleine Unternehmen besonders gefährdet

Während die Spedition Heinrich Gustke durch ihre breite Aufstellung im Bereich Logistik und Lagerlogistik noch über mehrere Standbeine verfügt, sieht Gustke besonders kleine Transportunternehmen in akuter Gefahr. „Für kleinere Transportunternehmen ist es genauso eine Katastrophe wie für uns“, betont der Geschäftsführer.

Die kleineren Betriebe haben laut Gustke weniger Möglichkeiten, die gestiegenen Kosten zu kompensieren. Sie können nur hoffen, möglichst schnell die höheren Preise an ihre Kunden weiterzugeben – ein schwieriges Unterfangen in einer bereits angespannten wirtschaftlichen Lage.

Forderungen an die Bundesregierung

Stephan Gustke hat klare Erwartungen an die Politik: „Vor allem in Mecklenburg-Vorpommern halte ich es für notwendig, dass man einen Preisdeckel einführt und die Mineralölsteuer für eine gewisse Zeit senkt“. Allerdings äußert er die Befürchtung, dass Mineralölkonzerne diese Maßnahmen nutzen könnten, um die Preise weiter zu erhöhen.

Der Geschäftsführer betont die Dringlichkeit staatlicher Unterstützung: „Wir brauchen Unterstützung, und gerade auch kleine Transportunternehmen wirklich Unterstützung, um durch diese Phase zu kommen.“ Er hinterfragt dabei, ob der Erhalt dieser Unternehmen am Standort überhaupt gewollt sei – eine Frage, die sich viele Betriebe in den letzten Jahren bereits gestellt hätten.

Drohende Insolvenzwelle in der Transportbranche

Sollte sich die Lage nicht bald entspannen, rechnet Gustke mit dramatischen Konsequenzen: „Wenn ein Unternehmen gewisse Reserven hat, dann sind irgendwann diese Reserven aufgebraucht. Dann gibt es für den Geschäftsführer eigentlich nur den Gang zum Amtsgericht, Insolvenz anzumelden.“

Diese deutlichen Worte unterstreichen die Ernsthaftigkeit der Situation. Gustke befürchtet, „dass das in den nächsten Wochen und Monaten noch das ein oder andere Unternehmen treffen wird“. Sein Unternehmen versucht alles, um nicht zu den Betroffenen zu gehören, indem es sich breiter aufstellt und in andere Geschäftszweige expandiert.

Alternative Antriebe noch keine Lösung

Obwohl die Hälfte der Gustke-Flotte bereits mit Bio-Flüssiggas fährt, sieht der Geschäftsführer in Elektroantrieben aktuell keine praktikable Alternative. „Ich denke schon, dass die E-Mobilität oder auch Wasserstoff in den nächsten Jahren sicherlich zunehmend an Bedeutung gewinnen werden“, räumt er ein. „Aber aktuell muss man ehrlich sagen: Wer mir rät, E-Lkw zu kaufen, hat die Situation nicht begriffen und auch nicht die Realität, dass das aktuell nicht möglich ist.“

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Die Spedition Heinrich Gustke gibt nach eigenen Angaben alles, um die Arbeitsplätze der 250 Mitarbeiter zu sichern. „Aktuell muss sich noch keiner hier Gedanken machen, dass sein Arbeitsplatz gefährdet ist“, versichert Gustke. Doch die Unsicherheit bleibt, solange die Spritpreise auf dem aktuellen Niveau verharren oder weiter steigen.

Die Sperrung der Straße von Hormus, über die normalerweise etwa ein Fünftel des weltweiten Ölhandels abgewickelt wird, hat unmittelbare Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft. Die Transportbranche steht dabei an vorderster Front – und die nächsten Wochen werden zeigen, wie viele Unternehmen diese Krise überstehen werden.