Finanzaufsicht warnt vor Risiken bei offenen Immobilienfonds
Die Finanzaufsicht Bafin sieht bei offenen Immobilienfonds erhebliche Risiken für Privatanleger. Bafin-Präsident Mark Branson äußerte in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung deutliche Bedenken gegenüber diesen Anlageprodukten, die lange als grundsolide galten.
Gefahr von Fonds-Schließungen und Verlusten
Branson kann weitere Schließungen von Immobilienfonds nicht ausschließen. „Bei kleineren Immobilienfonds gibt es ein erhöhtes Risiko“, sagte der Bafin-Chef. Zuletzt verweigerten bereits zwei kleinere Fonds die Rücknahme von Anteilen, was Anleger in eine schwierige Lage bringt. In solchen Fällen bleibt ihnen nur, abzuwarten oder ihre Anteile mit möglichen deutlichen Verlusten an der Börse zu verkaufen.
Kritik an der Risikoeinstufung und Beratungspraxis
Besonders kritisch sieht Branson die Einstufung offener Immobilienfonds in die niedrigste Risikoklasse eins. „Die Vorstellung, ein Portfolio aus Gewerbeimmobilien sei weniger riskant als ein Portfolio aus Bundesanleihen, entspricht nicht dem gesunden Menschenverstand“, so der Bafin-Präsident. Zudem bemängelt er die Qualität der Beratung: „Beratung ist eben nicht immer Beratung, oft ist es vertriebsgetriebener Verkauf“.
Marktturbulenzen und Kapitalabflüsse
Offene Immobilienfonds investieren vorwiegend in Gewerbeimmobilien wie Büro- und Handelsobjekte. Diese werden durch gestiegene Zinsen und den Trend zum Home-Office seit Jahren unter Druck gesetzt. Seit Januar 2025 haben Anleger netto rund zehn Milliarden Euro aus offenen Immobilienfonds abgezogen, wie der Geldratgeber Finanztip auf Basis von Bundesbank-Zahlen berichtete.
Probleme mit regulatorischen Schutzmaßnahmen
Branson zeigte sich auch skeptisch gegenüber den seit der Finanzkrise eingeführten Protokollierungspflichten. „Dienen sie wirklich dem Kundenschutz oder eher dem Schutz der Institute?“, fragte er. Die umfangreichen Unterlagen überforderten gerade jene Kunden, die am dringendsten geschützt werden müssten, was erhebliche Tücken im System offenbare.
Volksbanken und Sparkassen vertreiben offene Immobilienfonds in großem Stil an Privatanleger, häufig in der niedrigsten Risikokategorie. Branson betonte zwar, dass es sich um legitime Produkte handle, entscheidend sei jedoch deren richtiger und fairer Verkauf. Die aktuellen Marktentwicklungen und regulatorischen Herausforderungen machen eine kritische Betrachtung dieser Anlageform dringend erforderlich.



