Einstiges Aushängeschild der DDR-Gastronomie verfällt zur Dauerbaustelle
Direkt gegenüber dem Hotel Neptun in Warnemünde steht ein Gebäude, das einst als gastronomisches Highlight der Region galt. Die Villa in der Schillerstraße 14 beherbergte in den 1980er Jahren sechs internationale Küchen und eine beliebte Cocktailbar. Heute präsentiert sich das einstige Schmuckstück als traurige Ruine ohne Dach, mit wenigen Fenstern und brüchigen Wänden.
Anwohner und Touristen zeigen sich empört
„Eine Schande ist das für Warnemünde!“, schimpft ein älteres Ehepaar, das regelmäßig an der Baustelle vorbeigeht. Die Frustration ist groß, denn seit Jahren scheint sich an dem maroden Gebäude kaum etwas zu verändern. Auch das benachbarte Hotel Neptun beklagt negative Auswirkungen auf das Urlaubsflair der Gäste.
Dr. Harald Wagner, Besitzer des nahegelegenen Hauses Nordstern, erinnert sich mit Wehmut: „Dieses Haus war das Highlight von Warnemünde. Die Gäste fragen mich jedes Jahr, warum sich dort nichts bewegt.“ Die einstige Pracht ist nur noch auf historischen Fotos aus den frühen 1990er Jahren zu erkennen.
Geheimnisvolle Bauaktivitäten und fehlende Transparenz
Laut Anwohnerberichten gab es im vergangenen Sommer sporadische Arbeiten auf der Baustelle, bei denen polnisch gesprochen wurde und grelle Beleuchtung zum Einsatz kam. Seit dem Herbst liegt das Gelände jedoch wieder brach. Die Stadt Rostock bestätigt, dass die Baugenehmigung vom 21. Juni 2022 weiterhin gültig ist und ein erster Nachtrag im September 2024 genehmigt wurde.
Das Immobilienunternehmen Engel & Völkers wirbt vor Ort mit dem Plakat „Exklusive Eigentumswohnungen am Meer zu verkaufen“, doch auf Nachfragen verweist man sich gegenseitig zwischen den Büros in Warnemünde und Rostock. Der eigentliche Eigentümer ist das Unternehmen Casada, das eine Revitalisierung mit 25 Eigentumswohnungen plant. Eine schriftliche Anfrage des Nordkuriers an Geschäftsführer Roman Freytag blieb bisher unbeantwortet.
Kommunale Hilflosigkeit angesichts privater Eigentumsrechte
Alex Tolksdorff, Vorsitzender des Ortsbeirats Warnemünde, zeigt Verständnis für die Unmut der Bürger, betont jedoch die Grenzen kommunaler Einflussnahme: „Dieses Objekt hat einen Eigentümer, und es ist nicht Aufgabe eines Ortsbeirats zu eruieren, warum ein Eigentümer mit seiner Baustelle nicht weiterkommt.“ Nur bei konkreten Bürgerbeschwerden oder Sicherheitsgefährdungen könnte die Kommune aktiv werden.
Die Landesbauordnung Mecklenburg-Vorpommern sieht zwar die Möglichkeit von Gesprächen auf privat-rechtlicher Ebene vor, um den stockenden Baufortschritt zu klären, doch bisher fehlt der politische Wille für ein entschiedenes Vorgehen. So bleibt die einstige DDR-Villa als stummer Zeuge vergangener Zeiten und aktueller Planungsmiseren stehen.



