Deutsche-Finance-Fonds in der Krise: Bafin schickt Sonderbeauftragten
Deutsche-Finance-Fonds: Bafin schickt Sonderbeauftragten

Die Finanzaufsicht Bafin hat einen Sonderbeauftragten zur Deutsche-Finance-Gruppe (DF) nach München entsandt, um die ordnungsgemäße Verwaltung der geschlossenen Publikumsfonds zu prüfen. Der Schritt verunsichert rund 50.000 Anleger, die rund 1,5 Milliarden Euro in die Fonds des Investmenthauses investiert haben. Besonders brisant: Der zentrale Fondsverwalter des DF Deutsche Finance Real Assets RAIF in Luxemburg hat sein Mandat zum 31. Januar 2026 gekündigt, wie aus dem Testat zum Jahresabschluss 2024 hervorgeht. Die Wirtschaftsprüfer von EY sehen dadurch „erhebliche Zweifel an der Fähigkeit des Fonds zur Fortführung“.

Hintergrund: Club-Deals und Intransparenz

Die DF-Gruppe, geführt von den Vorständen Oliver Thomas Müller (58) und Sven Neubauer (52), ist bekannt für sogenannte Club-Deals. Dabei konzipiert DF Investments exklusiv für institutionelle Investoren und bietet Privatanlegern später Zugang zu einer reservierten Eigenkapitaltranche. Auf der Webseite wirbt die Gruppe mit sieben Milliarden Euro platziertem Eigenkapital und verwalteten Assets von über zwölf Milliarden Dollar. Zu den institutionellen Anlegern zählen nach Unternehmensangaben 50 Versorgungswerke, 50 Privatbanken, 250 Stiftungen, 250 Versicherungen, 350 Family-Offices und 375 Pensionskassen.

Doch die Transparenz lässt zu wünschen übrig: Die Fonds in München veröffentlichen ihre Jahresabschlüsse mit erheblicher Verspätung. Für die meisten Fonds liegen nur Zahlen bis 2023 vor. Zudem ist durch mehrstufige Fondsstrukturen oft nicht nachvollziehbar, in welche konkreten Immobilien die Gelder fließen. Ein Beispiel: Der DF Deutsche Finance Private Fund I sammelte 100 Millionen Euro von 4427 Anlegern ein. Davon flossen rund 45 Millionen Euro an den DF Deutsche Finance Real Assets RAIF in Luxemburg, wo sie sich mit anderen Geldern vermischten. Die genaue Verwendung ist unklar; der Jahresabschluss nennt zwar Rechtsform und Domizilstaat der Empfänger, aber keine Namen. Die Gelder gingen unter anderem in die USA und in Steueroasen wie Mauritius oder Guernsey.

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Verlust des Fondsmanagers: AIFM kündigt Mandat

Der RAIF machte 2024 einen Verlust von 30 Millionen Euro. Die Kritik der Wirtschaftsprüfer bezog sich jedoch nicht auf die Verluste, sondern auf die Kündigung des Alternative Investment Funds Managers (AIFM). Der AIFM ist in Luxemburg als Betriebsgesellschaft zentral zuständig für Liquidität, Bewertungen, Reporting und Compliance. Ohne AIFM dürfen Fonds in Luxemburg nicht dauerhaft existieren. Beim RAIF übernahm bis Ende Januar 2026 Hauck & Aufhäuser Fund Services (HAFS) diese Rolle, dann legte HAFS das Mandat nieder. Dem Handelsblatt sind zwei weitere DF-Fonds in Luxemburg bekannt, bei denen HAFS zum gleichen Datum ausschied.

DF wollte sich zu den Gründen nicht äußern und verwies auf Vertraulichkeit. Auf die Frage, ob ein Nachfolger mandatiert sei, antwortete das Unternehmen: „Wir bitten um Ihr Verständnis, dass wir zu diesen Themen aus Gründen der Vertraulichkeit nicht für eine Stellungnahme zur Verfügung stehen.“ Die luxemburgische Aufsichtsbehörde CSSF erklärte, dass ein Fonds ohne AIFM die Zulassungsvoraussetzungen nicht mehr erfülle. In der Folge müsse die CSSF den Fonds von der Liste streichen, was die Aussetzung aller Zahlungen und ein Verbot zur Folge habe. Bei Rechtskraft würde die CSSF die Auflösung und Zwangsliquidation beantragen. Den konkreten Fall der DF-Fonds kommentierte die CSSF nicht.

Auswirkungen auf Anleger und institutionelle Investoren

Die Vorgänge in Luxemburg könnten dazu führen, dass weniger Geld an die Münchener Fonds zurückfließt. Zudem zeigte eine Studie der Stiftung Warentest, dass bei neun der 24 Fonds der Wert aus Anlegersicht unter 70 Prozent der Zeichnungssumme liegt. Auch institutionelle Anleger sind betroffen: Die Bayerische Versorgungskammer (BVK) musste im September 2025 rund 163 Millionen Euro abschreiben, die über DF-Fondsstrukturen investiert waren. Das weitere Verlustrisiko beziffert die BVK mit 690 Millionen Euro. Finanziert wurde unter anderem die Transamerica Pyramid in San Francisco, die im Februar 2026 verkauft wurde. Der DF Deutsche Finance San Francisco Investment in Luxemburg, bei dem HAFS ebenfalls das Mandat niederlegte, machte 2024 knapp 35 Millionen Euro Verlust. Ein Zusammenhang mit dem Verkauf der Pyramid wurde von DF nicht bestätigt.

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Die BVK schaltete Anwälte ein, um Compliance-Aspekte zu prüfen, und erstattete im Sommer 2025 Strafanzeige bei der Münchner Staatsanwaltschaft. Die Ermittlungen dauern an; eine Sprecherin teilte mit: „Die Erkenntnisse der Bafin werden dabei natürlich berücksichtigt.“ DF äußerte sich nicht zu den Ermittlungen, aus dem Umfeld hieß es, es gebe keine Ermittlungen gegen konkrete Beschuldigte.