Vermieter dreht Heizung ab: Mieter in Freiburg frieren in marodem Haus
In einem Mehrfamilienhaus in Freiburg müssen die letzten verbliebenen Bewohner bei eisigen Temperaturen frieren. Der Vermieter hat ihnen die Heizung und das Warmwasser abgedreht, während das Gebäude in einem katastrophalen Zustand ist. Die meisten Mieter sind bereits entnervt ausgezogen, doch die übrigen 25 Personen harren unter unzumutbaren Bedingungen aus.
Katastrophale Zustände im Wohnhaus
Das Haus in der Breisacher Straße 38 befindet sich in einem desolaten Zustand. Seit zehn Monaten ist der Aufzug defekt, was besonders für ältere oder mobilitätseingeschränkte Bewohner wie Shefikat Beti (62) eine enorme Belastung darstellt. Im Innenhof türmen sich Müllberge, zwischen denen Ratten umherflitzen. Die schlimmste Phase erlebten die Mieter jedoch an Weihnachten: Acht Tage lang gab es weder Heizung noch Warmwasser, weil der Eigentümer den Heizöltank leerlaufen ließ und nicht wieder auffüllte. Ende Januar wiederholte sich dieses Szenario, sodass die Wohnungen erneut eine Woche lang kalt blieben.
Mieterin Brigitte Veser (64) berichtet: „Was hier geschieht, ist menschenverachtend.“ Sie und ihr Partner mussten zwei Wochen lang frieren, nachdem die Heizung zunächst nur noch schwach und dann gar nicht mehr funktionierte. Unter den Betroffenen befindet sich auch ein Baby, das der Kälte schutzlos ausgeliefert war.
Eigentümer plant Sanierung und Kündigungen
Der Eigentümer, die Schweizer Immobilienfirma Caprise, hat allen Mietparteien gekündigt. In einem Schreiben begründet er dies mit einer geplanten Kernsanierung des 1970 errichteten Gebäudes. Es besteht jedoch der Verdacht, dass die 30 Mietwohnungen in Eigentumswohnungen umgewandelt und mit maximalem Profit verkauft werden sollen, wie die „Badische Zeitung“ berichtete.
Der Geschäftsführer von Caprise äußerte sich auf Anfrage: „Wir nehmen die Anschuldigungen seitens der Mieterschaft sehr ernst.“ Er betonte, dass das Gebäude unmittelbar vor der Sanierung stehe und allen Mietern ausreichend Zeit gegeben worden sei, sich darauf vorzubereiten und mithilfe der Stadt Ersatzwohnraum zu beschaffen. Zudem sei ein „kurzzeitiger Heizungsausfall“ manchmal nicht zu vermeiden.
Stadt Freiburg droht mit Bußgeld
Die Stadt Freiburg will die untragbaren Mietbedingungen und den Leerstand in dem Haus nicht länger hinnehmen. Eine Sprecherin erklärte: „Wir stehen mit dem Eigentümer seit Längerem in Kontakt.“ Im Dezember wurde die Schweizer Firma förmlich aufgefordert, den Leerstand innerhalb von sechs Monaten zu beenden. Innerhalb dieser Frist müssen die Wohnungen saniert und neu vermietet werden, andernfalls droht ein Bußgeld.
Mieter kämpfen um bezahlbaren Wohnraum
Trotz der widrigen Umstände halten die letzten Mieter an ihrer Wohnung im Stadtzentrum fest. Brigitte Veser geht mit einem Anwalt für Mietrecht gegen die Kündigung vor. Sie erklärt: „Mein Partner und ich zahlen hier 700 Euro warm für 71 Quadratmeter. Für dieses Geld würden wir in Freiburg gerade noch ein 1-Zimmer-Apartment bekommen.“ In der Universitätsstadt sei es inzwischen unmöglich, eine bezahlbare Wohnung zu finden.
Veser hofft auf eine abschnittsweise Sanierung, bei der die Wohnungen als Mietwohnungen erhalten bleiben: „Dann müsste auch niemand ausziehen.“ Die Situation verdeutlicht die wachsende Wohnungsnot in vielen deutschen Städten und die Herausforderungen, mit denen Mieter bei Sanierungsvorhaben konfrontiert sind.



