Immobilienkauf bei hohen Zinsen: So drücken Käufer den Preis
Immobilienkauf bei hohen Zinsen: Preis drücken leicht gemacht

Die Bauzinsen bleiben vorerst schwankungsanfällig, doch für Käufer ergeben sich Chancen, den Kaufpreis zu drücken. Immobilienexpertin Kathrin Raach von der Bausparkasse Schwäbisch Hall rät, den Zustand der Immobilie und die Finanzierungskosten als Hebel zu nutzen.

Bauzinsen ohne Trendwende – aber kurzfristige Chancen

Rainer Eichwede von der Bausparkasse Schwäbisch Hall prognostiziert für die kommenden Monate eine Seitwärtsbewegung der Bauzinsen. „Gute Konditionen können sich teils sehr kurzfristig ergeben, aber nachhaltig stark sinkende Zinsen halten wir für eher unwahrscheinlich“, so der Finanz-Profi. Stärkere Schwankungen aufgrund politischer Konflikte schließt er nicht aus. Für Käufer lohne es sich, den Markt genau zu beobachten.

EZB-Entscheid weniger entscheidend als gedacht

Viele Verbraucher richten ihren Blick auf die Europäische Zentralbank (EZB), deren nächster Zinsentscheid im Juli ansteht. Die Auswirkungen auf die Bauzinsen seien aber „weniger stark als häufig angenommen“, stellt Eichwede klar. Entscheidend seien die Renditen langfristiger Staatsanleihen, vor allem zehnjähriger Bundesanleihen. Sie zeigten „die Erwartungshaltung der Marktteilnehmer zu mittel- und langfristiger Zinsentwicklung“. Zum Ausgang des Zinsentscheids äußert er sich verhalten: „Wir gehen wie der Markt davon aus, dass es im Sommer eher zu moderaten Anpassungen kommt als zu großen Zinsschritten.“ Falle oder stagniere die Inflation, spreche das „eher für eine Zinspause im Juli“. Der Konflikt zwischen Iran und USA im Nahen Osten spiele weiterhin eine zentrale Rolle. „Für Immobilienkäufer heißt das: Höhere Schwankungen der Zinsen werden uns weiterhin begleiten“, so Eichwede.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Kaufpreis entscheidet – nicht nur der Zins

In einem Markt mit vergleichsweise hohen Zinsen stellt sich eher die Frage, ob der Kaufpreis einer Immobilie für das Objekt überhaupt angemessen ist. Immobilienexpertin Kathrin Raach rät zum „Vergleich mit ähnlichen Immobilien in der Region, zum Beispiel über Immobilienportale oder Gutachterausschüsse der Kommunen oder Landkreise“. Auch der Zustand der Immobilie, die Lage, die Energieeffizienz, notwendige Renovierungen oder bereits durchgeführte Modernisierungen zählen bei der Bewertung. „Eine unabhängige Wertermittlung oder ein Gutachten durch einen Bausachverständigen kann zusätzliche Sicherheit geben“, so Raach.

Starke Argumente für Preisverhandlungen

Wer den Markt kennt und den Zustand einer Immobilie realistisch einschätzt, verbessert seine Chancen bei Preisverhandlungen enorm. Argumente wie der Renovierungsbedarf, der Energieverbrauch oder notwendige Modernisierungen seien eher erfolgreich, sagt Raach. Auch gestiegene Finanzierungskosten akzeptierten die Eigentümer häufig als Verhandlungsgrund beim Verkauf. Denn: Wenn viele Interessenten Finanzierungsprobleme haben, verkleinert sich laut Raach auch der Kreis der potenziellen Käufer. Das beeinflusse die Verhandlungsbasis zunehmend: „Wenn eine Immobilie länger am Markt ist, stärkt das zusätzlich die Position des Käufers“, so die Expertin. Eine gute Vorbereitung und konkrete Zahlen wirkten generell besser als reine Preisforderungen ohne Begründung.

Für Kaufinteressenten ergibt sich aus den derzeitigen Prognosen eine klare Richtung: Die Bauzinsen dürften vorerst schwankungsanfällig bleiben. Umso wichtiger werden zusätzliche Recherchen beim Immobilienwert und bei Finanzierungsangeboten.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration