Insolvenz in MV: Herrenhaus-Besitzer muss historisches Anwesen an der Ostsee verkaufen
Insolvenz: Herrenhaus-Besitzer muss Anwesen in MV verkaufen

Insolvenz zwingt zum Verkauf: Historisches Herrenhaus in Mecklenburg-Vorpommern sucht neuen Eigentümer

Ein beeindruckendes Herrenhaus in Wichmannsdorf, einem Ortsteil der Stadt Kröpelin im Landkreis Rostock, steht aufgrund einer Insolvenz des aktuellen Besitzers zum Verkauf. Die Immobilienfirma immvert GmbH aus Leipzig hat den Auftrag, das historische Anwesen zu veräußern, nachdem der Eigentümer finanzielle Schwierigkeiten nicht mehr bewältigen konnte.

Vom Verfall zur Pracht: Die Sanierungsgeschichte des Herrenhauses

Der heutige Besitzer erwarb das um 1910 erbaute Herrenhaus im Jahr 2002 von der Gemeinde Jennewitz/Wichmannsdorf. Zu diesem Zeitpunkt befand sich das Gebäude in einem katastrophalen Zustand. Jahrelange Vernachlässigung und Vandalismus hatten das Innere komplett verwüstet – riesige Müllberge türmten sich, sämtliches Originalinventar war zerstört, nicht einmal Fensterknebel blieben erhalten.

Mit enormem Einsatz verwandelte der Besitzer das Anwesen in den folgenden Jahren wieder in ein Schmuckstück. Er ließ ein neues Dach installieren, moderne Fenster und Türen einbauen sowie frischen Putz auftragen. Der Außenbereich wurde zu einem gepflegten Park umgestaltet, der heute das dreigeschossige, neoklassizistische Gebäude des Architekten Paul Korff umrahmt.

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45 Zimmer auf 1450 Quadratmetern: Das bietet das Anwesen

Im Innenbereich wurden insgesamt sechs Wohnungen geschaffen, die überwiegend als Feriendomizile genutzt werden. Die Gesamtwohnfläche beträgt beeindruckende 1450 Quadratmeter, verteilt auf 45 Zimmer. Im öffentlichen Bereich fanden in der Vergangenheit verschiedene Veranstaltungen und Events statt, was die vielseitige Nutzbarkeit des Objekts unterstreicht.

Preisreduktion um 25 Prozent: Schwierige Suche nach Käufern

Seit zwei Monaten bietet die immvert GmbH das 38.688 Quadratmeter große Anwesen zum Verkauf an. Vassili Eichler, Insolvenzspezialist des Leipziger Immobilienunternehmens, bewirbt das Objekt auf verschiedenen Portalen. Trotz der Erholung des Immobilienmarktes nach dem Einbruch 2023/24 gestaltet sich die Suche nach einem Käufer für dieses außergewöhnliche Objekt schwierig.

Angesichts dieser Herausforderung hat das Unternehmen den ursprünglichen Verkaufspreis von 3,6 Millionen Euro um satte 25 Prozent auf nun 2,7 Millionen Euro gesenkt. Die solide Bausubstanz und bereits durchgeführten Modernisierungen bieten laut Eichler ein stabiles Fundament für zukünftige Nutzungskonzepte.

Ideale Lage und vielfältige Nutzungsmöglichkeiten

Die Lage des Herrenhauses ist besonders attraktiv: Nur 13 Autominuten trennen das Anwesen von den beliebten Ostsee-Urlaubsorten Kühlungsborn und Rerik. Vassili Eichler sieht zahlreiche Möglichkeiten für die künftige Nutzung:

  • Privater Wohnsitz für anspruchsvolle Eigentümer
  • Repräsentative Kanzlei oder Arztpraxis
  • Kulturelle Einrichtung für Veranstaltungen
  • Boutique-Hotel mit exklusivem Charakter
  • Hochwertige Ferienanlage für Touristen

Bewegte Geschichte: Vom Witwensitz zum Insolvenzobjekt

Wer das Anwesen erwirbt, übernimmt auch ein Stück bewegter Geschichte. Nach der Fertigstellung 1911 zog Landrätin Sophie von Oertzen als erste Bewohnerin in den Witwensitz ein. Nach ihrem Tod 1930 übernahm ihre Tochter Eleonore von Oertzen das Anwesen und verpachtete es an ihren Sohn Hans von Wilamowitz-Möllendorf.

1945 wurde die Familie im Zuge der Bodenreform enteignet. In der Folge nutzten verschiedene Institutionen das Gebäude:

  1. Schule und Unterkunft für Flüchtlinge nach 1945
  2. Kulturraum mit Großküche, Konsum und Ambulanz ab 1977
  3. Ferien- und Schulungsheim des VEB Ludwigsfelde

Nach dem Verkauf 1981 an den VEB Ludwigsfelde entstanden zusätzliche Einrichtungen wie eine Kegelhalle, ein Tennisplatz, eine Kellerbar und eine Gaststätte. 1992 ging das Kombinat Ludwigsfelde in Konkurs, und die Gemeinde erhielt das Herrenhaus zurück.

Ein jahrelanger Rechtsstreit zwischen Ludwigsfelde und der Gemeinde verursachte schließlich Schulden in Höhe von etwa fünf Millionen Euro. Immer wieder zeigten Interessenten Interesse an dem Anwesen, scheiterten jedoch an den massiven Streitigkeiten und finanziellen Belastungen – ein Problem, das bis heute den Verkauf erschwert.

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