Preissturz bei Ostsee-Herrenhaus: Sanierter Prachtbau sucht Käufer
Ein beeindruckendes Herrenhaus in Wichmannsdorf, einem Ortsteil der Stadt Kröpelin im Landkreis Rostock, steht aktuell zum Verkauf. Die Immobilienfirma immvert GmbH aus Leipzig hat den ursprünglichen Verkaufspreis von 3,6 Millionen Euro um satte 25 Prozent reduziert und bietet das historische Anwesen nun für 2,7 Millionen Euro an. Trotz der Erholung des Immobilienmarktes nach dem Einbruch in den Jahren 2023/24 gestaltet sich die Suche nach einem Käufer für dieses außergewöhnliche Objekt als herausfordernd.
Vom Verfall zum Schmuckstück: Eine bewegte Sanierungsgeschichte
Der heutige Besitzer erwarb das um 1910 erbaute Herrenhaus im Jahr 2002 von der Gemeinde Jennewitz/Wichmannsdorf. Zu diesem Zeitpunkt befand sich das Gebäude in einem katastrophalen Zustand. Jahrelange Vernachlässigung und schwerer Vandalismus hatten das Innere des Hauses nahezu vollständig zerstört. Riesige Müllberge türmten sich in den Räumen, sämtliches ursprüngliches Inventar war vernichtet, und nicht einmal ein Fensterknebel blieb erhalten.
Mit großem Engagement widmete sich der Besitzer über viele Jahre der umfassenden Sanierung des Anwesens. Er ließ ein neues Dach installieren, neue Fenster und Türen einbauen sowie einen frischen Putz anbringen. Zudem verwandelte er den verwilderten Außenbereich wieder in einen ansehnlichen Park. Im Innenbereich entstanden sechs Wohnungen, die überwiegend als Feriendomizile genutzt werden. Die Gesamtwohnfläche beträgt 1450 Quadratmeter, verteilt auf insgesamt 45 Zimmer.
Ein Anwesen mit historischer Dimension und vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten
Das dreigeschossige, neoklassizistische Herrenhaus wurde einst von Paul Korff entworfen und birgt eine faszinierende Geschichte. Nach der Fertigstellung im Jahr 1911 zog Landrätin Sophie von Oertzen als erste Bewohnerin in den Witwensitz ein. Nach ihrem Tod 1930 übernahm ihre Tochter Eleonore von Oertzen das Anwesen. Im Zuge der Bodenreform 1945 wurde die Familie enteignet.
In der Folge diente das Herrenhaus verschiedenen Zwecken: als Schule, Flüchtlingsunterkunft, Kulturraum mit Großküche, Konsum, Ambulanz sowie als Ferien- und Schulungsheim. Der VEB Ludwigsfelde, der das Anwesen 1977 übernahm, legte zusätzlich eine Kegelhalle, einen Tennisplatz, eine Kellerbar und eine Gaststätte an. Nach der Wende führte ein jahrelanger Rechtsstreit zwischen Ludwigsfelde und der Gemeinde zu erheblichen finanziellen Belastungen, die die Nutzung des Herrenhauses lange Zeit erschwerten.
Ideale Lage und vielseitige Zukunftsperspektiven
Die Lage des Anwesens ist besonders attraktiv: Nur 13 Autominuten entfernt liegen die beliebten Ostsee-Urlaubsorte Kühlungsborn und Rerik. Vassili Eichler, der für die immvert GmbH arbeitet und auf Insolvenzimmobilien spezialisiert ist, sieht zahlreiche Nutzungsmöglichkeiten für das sanierte Herrenhaus. Er schlägt vor, es als privaten Wohnsitz, repräsentative Kanzlei oder Praxis, kulturelle Einrichtung, Boutique-Hotel oder hochwertige Ferienanlage zu nutzen.
Die solide Bausubstanz und die bereits durchgeführten Modernisierungen bieten ein stabiles Fundament für zukünftige Visionen. Eingebettet in einen historischen Park erstreckt sich das gesamte Anwesen über 38.688 Quadratmeter. Für künftige Besitzer bietet die Loggia einen besonderen Platz zur Entspannung, während der öffentliche Bereich bereits für verschiedene Events genutzt wurde.
Der Verkauf des Herrenhauses erfolgt aufgrund einer Insolvenz, und die immvert GmbH bewirbt das Objekt aktiv auf verschiedenen Immobilienportalen. Trotz der Preisreduktion bleibt die Suche nach einem Käufer, der bereit ist, in dieses einzigartige Stück mecklenburg-vorpommerscher Geschichte zu investieren, eine spannende Herausforderung.



