Landesweite Großrazzia gegen kriminelles Geschäftsmodell mit Schrottimmobilien
Seit den frühen Morgenstunden des 4. März 2026 läuft in Nordrhein-Westfalen eine beispiellose Kontrollaktion gegen organisierten Sozialbetrug. Mehr als 300 Beamte von Polizei, Zoll sowie Mitarbeiter von Ordnungsämtern, Jobcentern und Jugendämtern durchsuchen sogenannte Problemimmobilien in zwölf Städten des Bundeslandes. Im Fokus stehen ausbeuterische Arbeitsverhältnisse, überhöhte Mieten und systematischer Missbrauch von Sozialleistungen.
Minister vor Ort: „Missstände werden subventioniert“
Bauministerin Ina Scharrenbach und Sozialminister Karl-Josef Laumann aus NRW sind persönlich bei der Razzia in Dortmund dabei. „Wir können nicht zulassen, dass Missstände über Betrug subventioniert werden“, erklärt Scharrenbach das Vorgehen der Behörden. Das kriminelle Geschäftsmodell funktioniert nach einem klaren Muster: Menschen, häufig aus Südosteuropa, werden mit Arbeitsversprechen nach Deutschland gelockt. Sie erhalten fingierte oder geringfügige Beschäftigungsverhältnisse – oft bei Arbeitgebern, die zugleich als Vermieter auftreten.
2000 Euro für kaputte Fenster und Schimmel
In einem der kontrollierten Mehrfamilienhäuser in der Dortmunder Nordstadt verlangt ein Vermieter 2000 Euro Miete für eine stark beschädigte Wohnung. Die Zustände sind erschreckend: kaputte Fenster, Schimmel an den Wänden, dreckige Matratzen auf dem Boden. In anderen Wohnungen stoßen die Einsatzkräfte auf gravierende Baumängel, freiliegende Stromkabel und massive Feuchtigkeitsschäden. Teilweise sind Personen gemeldet, die dort nach Erkenntnissen der Behörden gar nicht wohnen – für sie werden dennoch Sozialleistungen bezogen.
Kinder allein gelassen und gesuchter Straftäter
Die Kontrollen offenbaren dramatische Einzelschicksale. In einer Wohnung finden die Beamten drei Kinder, das älteste ist erst sieben Jahre alt, von den Eltern keine Spur. Sofort kümmern sich Mitarbeiter des Jugendamtes um die Minderjährigen. In einer Wohnung darüber wird ein Mann entdeckt, der mit Haftbefehl gesucht wird. Sozialminister Laumann zeigt sich erschüttert über Gestank und Zustände in den Häusern: „Wir haben einen starken Sozialstaat, der denjenigen hilft, die auf die Unterstützung der Gemeinschaft angewiesen sind. Umso verwerflicher ist es, wenn schwarze Schafe nicht ‚nur‘ unsere Solidarität, sondern vor allem auch Menschen in prekären Lebensverhältnissen ausnutzen.“
Deutschlandweit einzigartige Kontrollaktion
Erstmals werden bei einer landesweiten Kontrollaktion dieser Art auch Daten der Bundesagentur für Arbeit systematisch abgeglichen. Im Fokus stehen Schwarzarbeit, illegale Aufstockung von Minijobs und Scheinselbstständigkeit. Bauministerin Ina Scharrenbach spricht von einer „deutschlandweit einzigartigen Kontrollaktion“. Man ziehe „das Behördennetz noch enger“, um Geschäftsmodelle zu unterbinden, die auf dem Rücken sozialleistungsbeziehender Menschen betrieben würden.
Einschusslöcher und verfallene Infrastruktur
Als die Ministerin ein weiteres Problemhaus verlässt, fällt ihr Blick auf Einschusslöcher in einer Schaufensterscheibe eines leer stehenden Ladenlokals. Ein Polizist erklärt ihr: „Das ist schon älter, da ging’s um Rocker.“ Repariert hat die Scheibe aber bis heute niemand – ein Symbol für die Vernachlässigung ganzer Stadtviertel.
Systematischer Datenabgleich und weitere Schritte
Die Kontrollen in Dortmund, Duisburg, Essen, Gelsenkirchen, Hagen, Krefeld, Langenfeld, Leverkusen, Remscheid, Solingen, Velbert und Wuppertal dauern an. Die Behörden wollen nun auswerten, gegen wen sich konkrete straf- und ordnungsrechtliche Schritte richten. Der systematische Abgleich mit Daten der Bundesagentur für Arbeit soll dabei helfen, die Hintermänner der kriminellen Strukturen zu identifizieren und zur Rechenschaft zu ziehen.



