Allianz Commercial meldet Schadensfälle durch Iran-Konflikt
Die Versicherungsbranche stellt sich auf erhebliche Schadensforderungen für Schiffe ein, die während des Irankriegs beschädigt wurden. Das teilte der Industrieversicherer Allianz Commercial am Mittwoch mit. Auch die Allianz-Tochter selbst habe solche Schadensmeldungen im Zusammenhang mit dem Konflikt erhalten, bei einigen gehe es sogar um Totalverlust von Schiffen, sagte der globale Leiter für Seeversicherungsschäden Régis Broudin.
Allianz Commercial zählt laut eigenen Angaben zu den fünf größten Schiffsversicherern und bietet auch weiterhin Versicherungsschutz für Schiffe im Persischen Golf an. Zum konkreten Schadenvolumen machte der Versicherer noch keine Angaben, da die Lage weiterhin volatil sei.
Hauptursachen: Menschenleben und Sachschäden
„Es ist klar, dass der Verlust von Menschenleben und Sachschäden – sowohl an den Schiffen als auch an ihrer Ladung – bislang die Hauptursachen sind“, sagte Broudin. Es sei zudem mit weiteren Ansprüchen zu rechnen, wenn Frachtschäden entstehen, weil Schiffe über längere Zeit auf See festsitzen. Die Kosten, die durch Verzögerungen beim Frachttransport entstehen, würden jedoch in der Regel nicht von der Versicherung übernommen.
Prämien für Kriegsrisiken stark gestiegen
Die Versicherungsprämien in diesem Nischenbereich des Versicherungsmarktes, der Schiffe gegen Kriegsrisiken absichert, sind infolge des Konflikts stark gestiegen. Das kann bedeuten, dass manche Schiffe mehr als eine Million Dollar pro Fahrt zahlen müssen, um die Straße von Hormus zu passieren. Allerdings ist auch das Risiko für die Versicherer, für Schäden einstehen zu müssen, hoch. In den ersten Tagen des Krieges gab es fast täglich Angriffe auf Schiffe.
46 Handelsschiffe beschädigt – Hälfte Öltanker
Nach Angaben der Internationalen Seeschifffahrtsorganisation wurden im Rahmen des Konflikts bislang 46 Handelsschiffe beschädigt – und zum Teil auch versenkt. Öltanker, die von Drohnen oder Raketen getroffen wurden, machten etwa die Hälfte aller bisher gemeldeten Vorfälle aus. Containerschiffe waren für etwa ein Viertel aller gemeldeten Vorfälle verantwortlich.
Rund 1150 Schiffe sitzen im Persischen Golf fest
Allianz Commercial schätzt, dass Mitte Juni noch rund 1150 Schiffe mit etwa 20.000 Seeleuten im Persischen Golf festsaßen. Die Schiffe und ihre Ladung könnten demnach einen Gesamtwert von 125 Milliarden Dollar haben.
Langsame Auflösung des Staus erwartet
Selbst wenn das Abkommen zwischen den USA und dem Iran Bestand hat und die Straße von Hormus wieder geöffnet wird, wird es noch einige Zeit dauern, bis sich der aktuelle Stau aufgelöst hat. Zudem sind Allianz Commercial zufolge belastbare Zusicherungen für eine sichere Passage erforderlich. Dies beinhalte die Einbindung der internationalen Gemeinschaft, insbesondere wenn der Verkehr wieder das Vorkriegsniveau von bis zu 140 Schiffen pro Tag erreichen soll.



