Die Stimmung in der deutschen Chemieindustrie hellt sich auf. Das Münchner Ifo-Institut meldet für Juni einen deutlichen Anstieg des Geschäftsklimaindex um 11,2 Punkte auf nun 17,8 Zähler. Damit setzt sich die Erholung der Branche fort, die in den vergangenen Monaten unter schwacher Nachfrage und hohen Kosten litt.
Lagebewertung auf höchstem Stand seit 2024
Insbesondere die Bewertung der aktuellen Geschäftslage verbesserte sich den dritten Monat in Folge. Mit minus 2,9 Punkten liegt sie nur noch knapp im negativen Bereich und erreicht den höchsten Wert seit dem Jahr 2024. Auch die Geschäftserwartungen, die im Mai noch auf ein Mehrjahrestief gefallen waren, zogen deutlich an. Dennoch bleiben sie mit minus 31,5 Punkten auf niedrigem Niveau.
Ifo-Expertin warnt vor voreiligen Schlüssen
Ifo-Expertin Anna Wolf gibt sich zurückhaltend: „Von einer nachhaltigen Trendwende kann noch keine Rede sein. Die strukturellen Probleme der deutschen Chemie bleiben erhalten. Doch nach langer Zeit zeichnet sich erstmals wieder ein Hoffnungsschimmer ab.“ Die Industrie leidet unter anderem unter hohen Energiepreisen und einer schwachen globalen Nachfrage.
Sondereffekt durch Nahostkonflikt
Ein Grund für die aktuelle Erholung ist der Nahostkonflikt. Wolf erklärt: „Das Geschäftsklima in der Chemieindustrie profitiert von leichten Rückgängen bei den Preisen für Energie und einzelnen Vorprodukten nach der sich abzeichnenden Entspannung im Nahostkonflikt.“ Gleichzeitig habe der Konflikt als Sondereffekt auch positive Auswirkungen: Aufgrund von Lieferausfällen aus dem Nahen Osten und Asien verlagere sich die Nachfrage nach chemischen Produkten zu deutschen und europäischen Herstellern. Dies habe zu einem Anstieg der Auftragseingänge und einer Stabilisierung der Produktion geführt. Die Unternehmen hoffen zudem auf steigende Exporte.
Ausblick bleibt verhalten
Trotz der positiven Signale bleibt die Branche vorsichtig. Die strukturellen Herausforderungen wie die hohen Energiekosten und die schwache Inlandsnachfrage bestehen fort. Die ifo-Expertin betont, dass die aktuellen Verbesserungen vor allem auf temporäre Effekte zurückzuführen seien. Eine nachhaltige Erholung sei erst dann zu erwarten, wenn sich die Rahmenbedingungen grundlegend verbessern.



