Logbuch eines Aida-Kapitäns: Von Mann-über-Bord-Alarm bis zur Führung von 7700 Menschen
Mit dem Anlauf der „Aidadiva“ am vergangenen Sonntag hat in Rostock die neue Kreuzfahrtsaison begonnen. Einer der erfahrensten Kapitäne des Rostocker Unternehmens Aida Cruises ist Falk Bleckert, der kürzlich beim Nautischen Verein Rostock einen packenden Einblick in seinen Berufsalltag gab. Der Rostocker schilderte den Vereinsmitgliedern und Gästen die immense Verantwortung eines Kreuzfahrt-Kapitäns, der für etwa 1200 Crewmitglieder und bis zu 6500 Gäste an Bord verantwortlich ist – insgesamt also für rund 7700 Menschen.
Dramatische Episoden: Von Zwangspause bis zur Rettungsaktion
Bleckert veranschaulichte seine Tätigkeit anhand mehrerer eindrücklicher Beispiele. Er erinnerte an die Zwangsliegezeit der „Aidanova“ während der Coronazeit vor den Kanarischen Inseln, wo das Schiff mit stark reduzierter Crew am Leben erhalten werden musste – eine logistische und menschliche Herausforderung. Ebenso berichtete er von einer Reise bei stärkerem Seegang, bei dem die Auswirkungen an Deck spürbar waren und Passagiere beruhigt werden mussten.
Besonders dramatisch war ein Zwischenfall im vergangenen Sommer: Nachts auf einer Kreuzfahrt nach Kopenhagen ging ein Mann über Bord. Die anschließende Suche glich der sprichwörtlichen Suche nach einer Nadel im Heuhaufen, konnte aber erfolgreich abgeschlossen werden. Diese Episode unterstrich die ständige Alarmbereitschaft und Entscheidungsgewalt des Kapitäns in Extremsituationen.
Nachhaltigkeit und der Weg zur emissionsfreien Schifffahrt
In seinem Vortrag rückte Kapitän Bleckert zudem das Thema Nachhaltigkeit in den Fokus. Er skizzierte den Weg des Unternehmens zum Null-Emissionen-Schiffsbetrieb und verwies auf seine eigene Erfahrung: Er führte bereits mit der „Aidanova“ den ersten Kreuzliner der Reederei, der mit Flüssiggas betrieben wurde. Der weitere Weg umfasst umfangreiche Modernisierungen der Flotte durch Umbau- und Neubauvorhaben, um umweltfreundlichere Technologien zu integrieren.
Vom Schülerpraktikum zur Karriereleiter: Ein Rostocker Werdegang
Der 1983 in Rostock geborene Falk Bleckert hat den Bezug zur Schifffahrt quasi in die Wiege gelegt bekommen. Sein Vater Hans-Heinrich Bleckert fuhr bereits auf Schiffen der DSR zur See und war Schiffsingenieur auf der „Arkona“. Im Alter von 15 Jahren konnte der Sohn an Bord ein Schülerpraktikum absolvieren, was den Grundstein für seine Laufbahn legte.
Was folgte, war eine klassische maritime Karriere:
- Lehre als Schiffsmechaniker
- Nautik-Studium in Warnemünde
- Anstellung bei Aida Cruises
- Bewährung auf verschiedenen Stufen der Karriereleiter
- Führung eines Schiffes der Aida-Flotte, darunter auch der „Aidadiva“
Etliche Jahre war Bleckert auf verschiedenen Aida-Cruisern auf See im Einsatz, zehn Jahre davon als Kapitän. Inzwischen ist er im Management an Land tätig und arbeitet in einer Art Notfall-Zentrum, wo er sein umfangreiches Erfahrungswissen einbringt.
Familientradition und Zukunftsperspektiven
Bleckert wohnt mit seiner Familie in Bad Doberan. Ob sein neunjähriger Sohn und die sechsjährige Tochter der Familientradition folgen und ebenfalls einmal zur See fahren werden, bleibt abzuwarten. Die Veranstaltung beim Nautischen Verein Rostoff zeigte jedoch eindrucksvoll, wie tief die maritimen Wurzeln in dieser Region und in dieser Familie verankert sind.
Mit dem Beginn der Kreuzfahrtsaison und Schiffen wie der „Aidadiva“ bleibt die Verbindung zwischen Rostock und der Hochseeschifffahrt lebendig – getragen von Kapitänen wie Falk Bleckert, die nicht nur Schiffe, sondern auch Menschen durch stürmische Zeiten navigieren.



