Aida vermied Nahen Osten: Frühzeitige Entscheidung bewahrt Schiffe vor Krise
Während aktuell Tausende deutsche Urlauber auf Kreuzfahrtschiffen im Nahen Osten festsitzen, fällt ein Detail besonders auf: Von der gesamten elf Schiffe umfassenden Flotte der Reederei Aida befindet sich aktuell kein einziges in der Krisenregion. Dieser Umstand ist kein Zufall, sondern das Ergebnis einer strategischen Entscheidung, die das Unternehmen bereits im vergangenen Sommer traf.
Bereits im Juli 2025 gefällte Entscheidung
Nach Informationen der Bild-Zeitung fiel bei Aida bereits im Juli 2025 die Entscheidung, in der aktuellen Saison keine Schiffe in die Golf-Region zu entsenden. Die Saison dauert von Ende September 2025 bis Ostern 2026. Der Grund für diesen Schritt war eine gründliche Sicherheitsanalyse, die zu dem Ergebnis kam, dass für den gesamten Zeitraum keine verlässliche Einschätzung der Sicherheitssituation möglich sei.
Das Angebot für Kreuzfahrten in den Nahen Osten wurde daraufhin nur etwa zehn Wochen vor Saisonstart zurückgezogen. Für das Unternehmen war dies kommerziell eine schwierige Entscheidung, da dadurch zahlreiche gebuchte Reisen und entsprechende Einnahmemöglichkeiten wegfallen.
Angespannte Lage für andere Reedereien
Ganz anders stellt sich die Situation für andere Reedereien dar. Auf Schiffen von TUI Cruises und MSC sitzen derzeit Tausende deutsche Passagiere fest, die die Häfen aufgrund der kriegerischen Auseinandersetzungen nicht verlassen können. Viele von ihnen dürfen nicht einmal auf die Decks und sollen sich zudem von Fenstern fernhalten. Die Versorgung der Menschen ist zwar gesichert, doch die Situation bleibt angespannt.
Aida-Chef Felix Eichhorn wollte sich auf der Internationalen Tourismus-Börse (ITB) in Berlin nicht zu den aktuellen Ereignissen äußern. Auch andere Reedereien zeigen sich zurückhaltend: Die Pressestelle von TUI Cruises lehnte Statements ab und verwies auf ihre Internetseite.
Branchenweite Verunsicherung
Die gesamte Kreuzfahrtbranche reagiert derzeit sehr angespannt auf die Entwicklungen. Eine für Dienstag auf der ITB geplante große Pressekonferenz der Cruise Lines International Association (CLIA) wurde kurzfristig abgesagt. Dort hätten sich eigentlich Vertreter von Aida, TUI Cruises und MSC den Fragen der Journalisten stellen sollen.
Stattdessen gab es lediglich ein schriftliches Statement, in dem es heißt: „Die Mitgliedsreedereien von CLIA handeln in dieser Situation mit größter Sorgfalt. Sie beobachten die dynamische Lage kontinuierlich, stehen in engem Kontakt mit Botschaften und Außenministerien und prüfen Notfallpläne, um die Sicherheit und das Wohlbefinden von Gästen und Besatzung zu gewährleisten.“
Wie lange die Passagiere auf den Schiffen noch ausharren müssen, ist aktuell nicht bekannt. Die Entscheidung von Aida aus dem vergangenen Sommer erweist sich indes im Nachhinein als richtig – auch wenn man sich im Unternehmen lange gefragt haben soll, ob man mit dem Verzicht auf die Reisen vielleicht zu vorsichtig geplant habe.



