Angels Landing in Utah: Ein Trail mit tödlicher Anziehungskraft
Im Herzen des Zion-Nationalparks im US-Bundesstaat Utah erhebt sich ein Felsmassiv, das wie aus einer anderen Welt wirkt. Angels Landing, mit seinen rostroten Felsformationen und atemberaubenden Ausblicken über tief eingeschnittene Canyons, zieht jährlich Zehntausende Wanderer an. Doch hinter der malerischen Kulisse verbirgt sich eine tödliche Realität: Wer hier ausrutscht, stürzt hunderte Meter in die Tiefe.
Eine Statistik, die schockiert
Offiziellen Angaben zufolge sind seit der Jahrhundertwende mindestens 13 Menschen auf dem Angels Landing Trail zu Tode gestürzt. Andere Quellen, darunter verschiedene Reiseportale, sprechen sogar von 15 bis 20 bestätigten tödlichen Unfällen. Diese Zahlen machen den Trail zu einem der gefährlichsten Wanderwege weltweit. Trotz der bekannten Risiken bleibt der Andrang ungebrochen, was die Frage aufwirft, was Menschen dazu bewegt, ihr Leben für diesen Gipfel aufs Spiel zu setzen.
Der Aufstieg: Von einfach zu extrem
Mit einer Höhe von 1756 Metern ist Angels Landing kein besonders hoher Berg. Der erste Teil der Wanderung ist technisch nicht besonders anspruchsvoll und führt durch eine malerische Schlucht. Die eigentliche Herausforderung beginnt am Ende dieser Schlucht, wo der steile Aufstieg über 21 enge Serpentinen wartet. Hier gewinnen Wanderer in kurzer Zeit viele Höhenmeter und erreichen schließlich das Plateau Scout Lookout, das bereits einen spektakulären Blick über den Zion-Canyon bietet.
Die letzten 150 Höhenmeter sind jedoch der kritischste Abschnitt. Der Pfad wird extrem schmal und ist nur stellenweise mit Ketten gesichert. Links und rechts öffnen sich schwindelerregende Abgründe, die für die zahlreichen tödlichen Abstürze verantwortlich sind. Die offizielle Website des Nationalparks warnt: „Man braucht keine übermenschlichen Nerven, aber selbst erfahrene Wanderer müssen während der gesamten Tour wachsam bleiben.“
Historischer Hintergrund und Namensgebung
Seinen Namen erhielt der Felsen bereits im Jahr 1916 von dem Politiker Frederick Vining Fisher. Bei einem Besuch im Zion-Nationalpark soll er beim Anblick des Gipfels ausgerufen haben, dass nur ein Engel selbst dort landen könne. Diese poetische Bezeichnung steht in krassem Kontrast zur gefährlichen Realität, die Wanderer heute erwartet.
Lotterie-System zur Besucherregulierung
Angesichts des enormen Andrangs und der Sicherheitsrisiken hat der US-Nationalparkservice strenge Maßnahmen eingeführt. Die Genehmigungen für die Besteigung des Angels Landing werden über eine tägliche Online-Lotterie vergeben. Die Teilnahme kostet aktuell sechs Dollar, und allein seit 2022 wurden mehr als 400.000 Genehmigungen erteilt. Dieses System soll die Besucherströme kontrollieren und die Sicherheit erhöhen, kann aber die inhärenten Gefahren des Trails nicht beseitigen.
Je nach Fitnesslevel dauert die gesamte Wanderung bis zu vier Stunden. Für viele bleibt sie ein unvergessliches Abenteuer, für andere endet sie tragisch. Die Faszination für diesen Ort scheint ungebrochen, doch die Risiken sollten nicht unterschätzt werden.



