Berliner Tourismus mit Dämpfer: Übernachtungszahlen 2025 bleiben hinter Erwartungen zurück
Berliner Tourismus schwächelt 2025 - Weniger Übernachtungen

Berliner Tourismus verzeichnet spürbaren Rückgang im Jahr 2025

Die Hauptstadt Berlin hat im vergangenen Jahr einen deutlichen Dämpfer im Tourismussektor hinnehmen müssen. Wie die offiziellen Zahlen der Tourismusagentur Visit Berlin zeigen, blieben sowohl die Übernachtungszahlen als auch die Gästeankünfte deutlich hinter den Werten früherer Jahre zurück. Besonders markant ist das Verfehlen der symbolträchtigen Marke von 30 Millionen Übernachtungen.

Konkrete Zahlen belegen den Abwärtstrend

Im Detail verzeichnete Berlin im Jahr 2025 genau 29,4 Millionen Übernachtungen bei 12,4 Millionen Gästen. Diese Werte liegen spürbar unter denen des Vorjahres 2024, als noch 30,6 Millionen Übernachtungen von 12,7 Millionen Besuchern erreicht wurden. Noch deutlicher wird der Rückgang im Vergleich zum Rekordjahr 2019, dem letzten Jahr vor der Corona-Pandemie: Damals sorgten fast 14 Millionen Touristen für mehr als 34 Millionen Übernachtungen in Hotels und Beherbergungsbetrieben.

Wirtschaftssenatorin Giffey zeigt sich dennoch optimistisch

Bei der Präsentation der ernüchternden Zahlen bemühten sich Visit-Berlin-Chef Burkhard Kieker und Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) um Zuversicht für die kommende Zeit. Giffey verwies insbesondere auf den internationalen Vergleich: "Berlin gehört im Tourismus zu den fünf Top-Städten in Europa", betonte die SPD-Politikerin. Lediglich bei Solo-Reisenden müsse sich die Hauptstadt Dublin geschlagen geben, was genauer analysiert werden solle.

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Die Senatorin hob die zentrale Bedeutung von Messen, Kongressen und Großveranstaltungen für die Zukunft des Berlin-Tourismus hervor. "Wir müssen Dinge haben, die die Leute anziehen", formulierte Giffey als strategische Maxime und warb dabei erneut für eine Expo-Bewerbung der Hauptstadt. Zudem verwies sie auf das bevorstehende 800-jährige Stadtjubiläum im Jahr 2037, für das bereits jetzt Konzepte entwickelt werden müssten.

Internationale Positionierung und Herkunft der Gäste

Im europäischen Städtevergleich positioniert sich Berlin aktuell hinter London und Paris, aber vor Rom. Giffey äußerte den Wunsch, bei Solo-Reisenden künftig Dublin zu überholen. Die Herkunftsanalyse der Berlin-Besucher zeigt folgendes Bild:

  • Mehr als 17,3 Millionen Übernachtungen (58,9 Prozent) entfielen auf inländische Gäste aus Deutschland
  • Darauf folgten Besucher aus den USA mit knapp 1,28 Millionen Übernachtungen
  • Großbritannien belegte mit 1,27 Millionen Übernachtungen Platz drei
  • Die Niederlande folgten mit mehr als 780.000 Übernachtungen

Während die Zahlen für diese vier Hauptherkunftsländer im Vergleich zu 2024 rückläufig waren - bei den Niederlanden sogar um mehr als 15 Prozent - verzeichneten andere Nationen deutliche Zuwächse:

  1. Türkei: mehr als 260.000 Übernachtungen (plus 8,5 Prozent)
  2. China: fast 233.000 Übernachtungen (plus 14,4 Prozent)
  3. Israel: mehr als 230.000 Übernachtungen (plus 9,5 Prozent)

Nationaler Vergleich offenbart Berlin-spezifische Probleme

Im innerdeutschen Städtevergleich führt Berlin zwar weiterhin mit Abstand vor München (19,7 Millionen Übernachtungen) und Hamburg. Allerdings haben beide Konkurrenzstädte ihre Vor-Corona-Werte aus 2019 bereits wieder erreicht oder sogar übertroffen. Während Hamburg 2025 steigende Tourismus-Zahlen verzeichnete, blieben die Werte in München nahezu stabil.

Diese Entwicklung wirft Fragen auf, da allgemeine Argumente wie Konsumzurückhaltung oder globale Unsicherheiten nicht ausreichen, um den Berlin-spezifischen Rückgang zu erklären. Visit-Berlin-Chef Kieker äußerte dazu deutliche Kritik: "Alles, was uns in Berlin fehlt, schaufelt die Lufthansa ja nach München". Tatsächlich fliegt die Lufthansa von Berlin derzeit nur nach Frankfurt und München - ihren beiden deutschen Drehkreuzen für Langstreckenflüge.

Infrastrukturelle Defizite und politische Forderungen

Kieker verwies auf ein gravierendes Ungleichgewicht: Während täglich etwa 200 Langstreckenflüge von Westdeutschland starten, sind es von Ostdeutschland nur vier bis fünf - ausschließlich vom Flughafen Berlin-Brandenburg. "So werden die neuen Länder abgespeist", kritisierte er mit Blick auf das börsennotierte Luftfahrtunternehmen.

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Wirtschaftssenatorin Giffey unterstützte diese Kritik und forderte mehr Engagement von der Bundesregierung: "Die Bundesregierung hat auch da eine Verantwortung". Während die Bahnanbindung Berlins als gut bewertet werde, bestehe beim Flugverkehr weiterhin erheblicher Nachholbedarf. Giffey kündigte an, beim Thema Verkehrsanbindung weiterhin "nerven" zu wollen und auf Verbesserungen zu drängen - nicht nur für die Metropolregion Berlin-Brandenburg, sondern für ganz Ostdeutschland und die westpolnischen Regionen.

Die Berliner Tourismusstrategen stehen somit vor einer doppelten Herausforderung: Einerseits müssen sie die Attraktivität der Hauptstadt für internationale und nationale Gäste steigern, andererseits gilt es, infrastrukturelle Hemmnisse insbesondere im Luftverkehr zu überwinden. Die kommenden Jahre bis zum 800-jährigen Stadtjubiläum 2037 werden zeigen, ob diese Anstrengungen Früchte tragen werden.