Deutsche Urlauber auf Kreuzfahrtschiffen im Persischen Golf weiterhin gestrandet
Im Nahen Osten harren weiterhin tausende Touristen aus, die aufgrund der angespannten Sicherheitslage nicht in ihre Heimatländer zurückkehren können. Während über ihren Köpfen Drohnen und Raketen abgefangen werden und die Passagiere regelmäßig Schutzräume aufsuchen müssen, bleibt die bange Frage nach einer baldigen Evakuierung. Für einige deutsche Reisende gab es bereits erste Rückholflüge, doch viele befinden sich weiterhin in einer ausweglosen Situation.
Fünf hessische Frauen auf „Mein Schiff 5“ gefangen
Nora M. (60) und vier Freundinnen aus Hessen gehören zu etwa 5000 Reisenden, die aktuell auf zwei TUI-Kreuzfahrtschiffen im Persischen Golf festsitzen. Seit sechs Tagen liegt ihr Schiff, die „Mein Schiff 5“, aufgrund des Iran-Krieges im Hafen von Doha in Katar fest. „Wir sind hier seit sechs Tagen gefangen und wissen weiterhin nicht, wie und wann wir überhaupt zurückkommen“, schilderte Nora M. am Donnerstag gegenüber BILD die verzweifelte Lage.
Zwar sei die Verpflegung an Bord gewährleistet, doch verlässliche Informationen über eine mögliche Rückreise fehlten komplett. „Zunächst hieß es, wir könnten vielleicht fliegen oder aber auch mit dem Schiff weiter. Doch es tut sich nichts“, so die 60-Jährige weiter. Das Hauptproblem: Der Luftraum über der Region ist gesperrt, was Rückflüge unmöglich macht.
Persönliche Tragödie: Beerdigung des Vaters verpasst
Für Nora M. hat die Situation besonders tragische Konsequenzen. „Ich schaffe es wohl nächste Woche nicht zur Beerdigung meines Vaters …“, sagte sie mit trauriger Stimme. Die geplante Teilnahme an der letzten Ehre für ihren Vater wird durch die erzwungene Strandung vereitelt, was die emotionale Belastung der Reisenden zusätzlich verstärkt.
Eingeschränkte Bewegungsfreiheit und medizinische Notlagen
Das Verlassen des Schiffes ist nur unter erschwerten Bedingungen möglich. Seit Donnerstag müssen Passagiere, die an Land gehen wollen, eine Erklärung unterzeichnen, wonach sie das Festland auf eigene Gefahr betreten. Diese Klausel stellt TUI von möglichen Ansprüchen frei. „Dabei braucht meine Freundin dringend Herzmedikamente …“, erklärte Nora M. die prekäre Situation, die durch diese Regelung entsteht.
Die Frauen trauen sich kaum von Bord und bewegen sich wenn überhaupt nur bis zum Terminal. Die Unsicherheit über die weitere Entwicklung und die fehlenden Perspektiven belasten die Reisenden zunehmend.
Bemühungen von TUI Cruises und Bundesregierung
Ein Sprecher von TUI Cruises versicherte, dass ein Krisenteam rund um die Uhr arbeite, um Lösungen für die Rückholung der Urlauber zu finden. „Wir stehen in engem Austausch mit einer Vielzahl von Airline-Partnern. Es wird fortlaufend geprüft, ob freie Plätze auf bestehenden Flügen genutzt oder zusätzliche Sonder- bzw. Charterflüge organisiert werden können“, hieß es in einer offiziellen Mitteilung.
Auf politischer Ebene zeigt sich Außenminister Johann Wadephul (63, CDU) engagiert. Bei einem Termin in Berlin kündigte er an, dass nach dem ersten Evakuierungsflug, der am Morgen in Frankfurt gelandet war, weitere 500 Kreuzfahrt-Reisende folgen sollen. „Wir arbeiten gemeinsam mit Hochdruck daran, Urlauber sicher wieder zurück nach Hause zu ihren Freunden und Familien zu bringen“, betonte der Minister.
Dennoch bleibt die Situation für viele der Gestrandeten ungewiss. Während die diplomatischen und logistischen Bemühungen voranschreiten, verbringen Nora M. und ihre Begleiterinnen weitere ungewisse Tage im Hafen von Doha, abgeschnitten von ihren Familien und mit unklarem Ausblick auf eine baldige Heimkehr.



